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Stärke des US-Dollars · 07.08.2018 13:30 Uhr

Der Tanz auf dem Vulkan

Dollar-Zeichen im Sonnenlicht
Quelle: maradon 333 / Shutterstock.com
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Der US-Dollar ist aktuell stark. Und das, obwohl von Seiten der Fed momentan nur wenig neue Signale kommen, die diese Stärke begründen könnten. Sie scheint vielmehr mit der spektakulären Performance des US-Aktienmarktes zusammenzuhängen...

-Gastbeitrag von Ulrich Leuchtmann (Leiter Devisenanalyse, CM Research)-
USD: EUR-USD handelt im mittleren 1,15er Bereich, nach unserer Messung vor allem aufgrund von USD-Stärke. Allgemeine EUR-Schwäche sehen wir nicht. Dabei liefert der üblicherweise wichtigste Treiber für USD-Bewegungen, die Erwartungen zur Zinspolitik der Fed, momentan wenige neue Signale, die USD-Stärke begründen könnten. Nach der recht ereignislosen FOMC-Sitzung letzte Woche sind kaum neue Erkenntnisse hinzugekommen, die die Hoffnung auf eine höhere Verzinsung von USD-Positionen rechtfertigen würden. Im Gegenteil. Ganz leicht haben die markt-impliziten Fed-Erwartungen jüngst sogar nachgegeben. Doch ist der Leitzins (und damit: die USD-Einlagezinsen) ja nur eines der Motive, den Greenback zu haben. Mit spektakulärer Performance der US-Aktienmärkte, insbesondere aber angesichts der US-Steuerreform, sind Anlagen in den USA – egal ob Portfolio- oder Direktinvestitionen – attraktiver geworden. Das kreiert USD-Nachfrage unabhängig vom Einlagezins für kurze Laufzeiten.
Nun mag ein Skeptiker argumentieren, dass diese Steuerpolitik nicht nachhaltig ist, vielmehr eine absurde (weil zyklisch überflüssige) Erhöhung der Staatsverschuldung erzeugt und die US-Volkswirtschaft insgesamt mittel- und langfristig schwächt, daher eigentlich eher ein USD-negatives als ein USD-positives Argument sei. Ich bin der erste, der das unterschreibt. Aber es ist zu früh, vom Devisenmarkt zu verlangen, das einzupreisen. Das würde bedeuten, dass spekulative Devisenhändler die Gegenposition zu all den US-Investoren einnehmen müssten, die jetzt US-Aktien, -Fabriken etc. kaufen. Das kann der Devisenmarkt nicht leisten. Er ist recht gut darin, Liquidität zu erzeugen, aber taugt nicht als höchster Richter über die globalen Investitionsentscheidungen. Und daher ist die USD-negative Story vom USD-schädlichen „Zwillings-Defizit“ (der Haushalts- und Leistungsbilanz) auf mittlere bis lange Sicht plausibel, aber momentan kein USD-negatives, sondern ein USD-positives Argument.
Diese Sicht wird auch von der Empirie unterstützt: Phasen hohen Zwillings-Defizits führten über kurz oder lang zu USD-Schwäche, doch initial waren steigende Zwillings-Defizite typischerweise USD-positiv. Weitere USD-Stärke ist daher durchaus drin. Wer dabei ist, muss sich halt nur darüber klar sein, dass er auf einem Vulkan tanzt.

Ansehnliche Yen-Stärke

JPY: So langsam kommt USD-JPY ja wieder nach unten. Angesichts der andernorts deutlich zulegenden US-Währung bedarf es keiner höheren Mathematik um zu erkennen: Wir haben es hier mit recht ansehnlicher Yen-Stärke zu tun. Der Markt ist mit einiger Verzögerung darauf gekommen, dass seine initiale Reaktion auf die BoJ-Entscheidung unsinnig war. Die „Forward Guidance“ der BoJ war keine JPY-negative Überraschung, sondern die Formulierung einer allgemein bekannten Trivialität – und damit kein Grund für eine Reaktiojn des Devisenmarktes. Nein, mit ihrer Entscheidung, die Geldpolitik mit Rücksicht auf die Profitabilität heimischer Banken zu verändern, hat die BoJ mal wieder im Kampf gegen niedrige Inflation die weiße Fahne gehisst. Für mich einmal zu viel. In den letzten Jahrzehnten hat sie schon so oft kapituliert, dass ich mir nun geschworen habe, nie, nie, nie wieder darauf hereinzufallen, wenn mal wieder ein fescher neuer Premierminister Hand in Hand mit einem neuen, elanvollen BoJ-Gouverneur verkündet, jetzt würde man das Problem der niedrigen Inflation ernsthaft angehen. Japans Politik und Japans Gesellschaft haben es sich, so denke ich, in dem Zustand von Nullinflation bequem gemacht. Lieber all die Ineffizienzen und Absurditäten weiter verfolgen, als einen großen, disruptiven Sprung zu wagen – das ist für mich die Nachricht, die die (von der Öffentlichkeit offensichtlich voll und ganz akzeptierte) BoJ-Kapitulation enthält. Gut, das heißt aber auch: Für den Yen sind auch wieder in Richtung Aufwertung keine künstlichen Grenzen mehr gesetzt. Der Bereich 111,20/40 (in dem USD-JPY gerade handelt) ist erst der allererste ganz kleine Anfang. Kommt dann noch später (siehe oben) USD-Schwäche hinzu, kann es mit USD-JPY ganz, ganz weit nach unten gehen.
GBP: Tja, GBP-Bullen, die auf die Daten am kommenden Freitag hoffen, müssen einigen Schmerz verkraften. Die Re-Fokussierung des Marktes auf das Thema „Brexit“ geht weiter. Und das heißt natürlich nichts Gutes für die britische Währung (wir berichteten gestern). Wie gut sollen denn die Daten (die immer nur die Vergangenheit beschreiben können) werden, um die Gefahr, die vor der UK-Volkswirtschaft liegt, übertünchen zu können?
Erhalten von der Commerzbank am 07.082018 um 11:13 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 07.08.2018 um 13:30 Uhr.
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