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Marktebericht: update von 14:15 Uhr · 14.05.2018 14:15 Uhr

Konsumfreude fördert deutsches Wirtschaftswachstum - DAX erholt sich

Kauflaune
Quelle: Bobex-73 / Shutterstock.com
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Die deutsche Wirtschaft hat ihre Drehzahl im zweiten Quartal trotz der Handelskonflikte erhöht. Das BIP legte gegenüber den ersten drei Monaten 2018 um 0,5 Prozent zu. Die Türkische Lira zeigt sich nach dem Einbruch um fünf Prozent erholt.

NEWS AUS DEM HANDEL 3:11min, 14. August 2018, 11:19 Uhr
- Von Holger Scholze, Börse Stuttgart TV News Redaktion - 14.08.2018 -
Trotz internationaler Turbulenzen hat sich das Wirtschaftswachstum in Deutschland im zweiten Quartal gut entwickelt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte gegenüber den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um 0,5 Prozent zu. Dies teilte das Statistische Bundesamt heute in Wiesbaden anhand erster Daten mit.
Zum Jahresanfang war die Wirtschaft laut der jüngsten Zahlen um 0,4 Prozent gewachsen und damit etwas stärker, als zunächst mit plus 0,3 Prozent berechnet. Ökonomen hatten schon eine leichte Belebung im Frühjahr erwartet, weil dämpfende Sonderfaktoren wie beispielsweise die starke Grippewelle keine Rolle mehr spielten.
Getragen wurde das Wachstum in Europas größter Volkswirtschaft von April bis Juni unter anderem von der anhaltenden Konsumfreude der Verbraucher. Die Bundesbürger sind nach Angaben der GfK -Konsumforscher weiter in Kauflaune. Die historisch gute Lage auf dem Arbeitsmarkt und Lohnzuwächse sorgen für gute Stimmung. Die Bürger rechnen der GfK zufolge weiter mit höheren Einkommen und sind dementsprechend bereit, Geld für größere Anschaffungen auszugeben.
Die Konsumausgaben des Staates, zu denen unter anderem soziale Sachleistungen und Gehälter der Mitarbeiter zählen, stiegen ebenfalls. Und Unternehmen investierten etwas mehr in Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen als im ersten Quartal. Vom Außenhandel kamen dagegen eher belastende Impulse, weil die Importe stärker stiegen als die Exporte.
Die deutsche Wirtschaft bleibt nach Einschätzung von Ökonomen im Gesamtjahr auf Wachstumskurs. Zuletzt rechneten die Experten jedoch mit einem geringeren Plus als zunächst erwartet. Dies wurde vor allem mit den von den USA angeheizten Handelskonflikten begründet. Strafzölle und Handelsbarrieren könnten die exportorientierte deutsche Wirtschaft treffen. Bankökonomen und Wirtschaftsforschungsinstitute hatten zuletzt ihre Konjunkturprognosen für das Gesamtjahr gesenkt. Sie liegen nun teilweise unter zwei Prozent.
2017 war die deutsche Wirtschaft im Jahresvergleich um 2,2 Prozent gewachsen. Es war das stärkste Plus seit sechs Jahren. Ökonomen gehen davon aus, dass der private Konsum auch in diesem Jahr die Konjunktur maßgeblich antreiben werde, wenn auch in etwas verlangsamter Form.
Der allgemeine Preisauftrieb ist im Juli etwas schwächer ausgefallen. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden lagen die Verbraucherpreise 2,0 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Im Juni hatte die Teuerung mit 2,1 Prozent etwas höher gelegen. Im Monatsvergleich erhöhte sich das Preisniveau im Juli um 0,3 Prozent. Eine erste Schätzung wurde damit bestätigt.
Der Handelsstreit mit den USA belastet Chinas Wirtschaft zunehmend. Im Juli blieben der Einzelhandelsumsatz, die Industrieproduktion und die Investitionen hinter den Erwartungen zurück. Der Anstieg bei den Sachinvestitionen fiel zudem so schwach aus wie seit mindestens Ende der Neunziger Jahre nicht mehr. In den ersten sieben Monaten zogen sie um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an, nachdem sie bis Ende Juni noch um 6 Prozent gestiegen waren, wie das nationale Statistikamt am Dienstag in Peking mitteilte. Experten hatten damit gerechnet, dass die Wachstumsraten gehalten werden können.
US-Präsident Donald Trump hat unterdessen den neuen Verteidigungshaushalt seines Landes im Umfang von 716 Milliarden Dollar (rund 635 Milliarden Euro) bewilligt. Dies sei "die bedeutendeste Investition in unser Militär und unsere Kämpfer in der modernen Geschichte", sagte Trump bei der Unterzeichnung des Gesetzes am Montag (Ortszeit) im Stützpunkt Fort Drum rund 400 Kilometer nordwestlich von New York. Mit dem Geld sollen unter anderem ältere Panzer, Flugzeuge und Schiffe durch neue Modelle ersetzt werden. Die Truppenstärke soll um 15.600 Männer und Frauen vergrößert werden, die Gehälter der Armeeangehörigen sollen um 2,6 Prozent steigen.
Ein führendes Mitglied der Deutschen Bundesbank sieht keine große Gefahr durch die Lira-Krise für den Euroraum. Das Risiko eines Ansteckungseffekts durch die Probleme in der Türkei sollten nicht "überdramatisiert" werden, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling in einem am Montag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Der Kurs der türkischen Währung (TRY) hat sich nach seinem jüngsten Einbruch inzwischen um rund fünf Prozent zum Euro sowie zum US-Dollar erholt. Ein Euro kostet aktuell 7,53 TRY.
Der DAX notiert zur Stunde bei 12.384 Punkten mit 0,2 Prozent im Plus. Im Hoch war das deutsche Börsenbarometer am Morgen noch bei 12.461 Zählern festgestellt worden.

K+S: Umsatzwachstum und Quartalsverlust

Hohe Kosten für das neue Kaliwerk in Kanada haben dem Dünger- und Salzproduzenten K+S im zweiten Quartal einen Verlust beschert. Hinzu kamen Produktionsprobleme.
Trotz eines Umsatzwachstums von mehr als neun Prozent auf 812 Millionen Euro ergab sich unter dem Strich ein Verlust von rund neun Millionen Euro. Vor einem Jahr war noch ein Gewinn von knapp 19 Millionen Euro angefallen.
Das Minus lag hauptsächlich an hohen Abschreibungen und Zinsen für die Finanzierung des Werkes Bethune in Kanada. Dabei handelt es sich laut K+S aber um vorübergehende Effekte. Der steigende Gewinnbeitrag des Werkes, das weiter hochgefahren werde, soll dies nach und nach kompensieren. Zumindest umsatzseitig profitierte K+S schon von dem Werk.
Der höhere Absatz aus der gestiegenen Produktion in Kanada sowie höhere Preise führten im Kaligeschäft zu einem Umsatzplus von 14 Prozent. Das Salzgeschäft hinkte in dem saisonal bedingt üblicherweise schwächeren zweiten Jahresviertel mit einem nur kleinen Plus hinterher. Für das Gesamtjahr peilt das Unternehmen einen Anstieg des gesamten Umsatzes um mindestens 8,3 Prozent auf 3,9 bis 4,1 Milliarden Euro an.
Wie bereits bekannt verdienten die Hessen operativ - also vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) - im zweiten Jahresviertel 105 Millionen Euro und damit etwa drei Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Salzgeschäft drückten negative Währungseffekte und hohe Logistikkosten auf das operative Ergebnis. Das Management gibt sich daher für diese Sparte etwas vorsichtiger und rechnet für 2018 nur noch mit einem Gewinn auf Vorjahresniveau.
Der operative Gewinn im Kalisegment stieg indes deutlich. Allerdings hätte der Konzern in dieser Sparte noch mehr verdient, er litt aber unter Kinderkrankheiten in Bethune sowie Produktionsproblemen in Deutschland. So fehlen im Werk Werra Fachkräfte und Maschinen. K+S steuert zwar gegen, doch bis neue Mitarbeiter voll einsatzfähig sind, dauert es noch.
In Kanada stand derweil die Produktion wegen einer Schornsteinreparatur für einige Tage still. Hinzu kamen Qualitätsprobleme beim Kalidünger, der beim Transport nach Übersee teilweise verklumpte und für viel Geld wieder zermahlen oder mit einem Rabatt an die Kunden verkauft werden musste. Der MDAX-Konzern rechnet aber damit, diese Startschwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Zu allem Übel belastete auch noch der Streik kanadischer Lokführer den Kali-Transport vom Werk zum Überseehafen.
Vor diesem Hintergrund hatte K+S wenige Tage vor der Vorlage der endgültigen Zahlen als Ziel für das Gesamtjahr ein Ebitda von 660 bis 740 Millionen Euro ausgegeben - und damit die durchschnittliche Erwartung der Analysten enttäuscht. Auch das vorab bekannt gegebene operative Ergebnis für das Quartal verfehlte die Prognosen der Experten.
Der Aktienkurs war daraufhin eingeknickt - zumal Konkurrenten wie Nutrien oder Mosaic die Anleger zuvor mit starken Quartalszahlen überzeugt hatten. Beide Konzerne konnten aus der Erholung der Düngermärkte Kapital schlagen.
Heute fielen die Anteilsscheine von K+S in einem freundlichen Gesamtmarkt um 4,7 Prozent auf 20,02 Euro.

Schwächeres Braunkohlegeschäft lastet auf RWE

Der Energiekonzern RWE hat im ersten Halbjahr weniger verdient als im Vorjahr. Gründe waren eine sinkende Profitabilität in der konventionellen Stromerzeugung sowie geringere Mengen bei Braunkohle und Kernenergie, wie das Unternehmen heute in Essen mitteilte.
An der derzeitigen Erholung der Stromgroßhandelspreise konnte RWE dabei nur bedingt teilhaben. Der Konzern hat die Strommenge aus seinen Braunkohle- und Kernkraftwerken zu niedrigeren Preisen zu einem früheren Zeitpunkt auf Termin verkauft.
Wegen der bevorstehenden Übernahme der Tochter Innogy durch E.on stellte RWE seine Finanzberichterstattung um. Innogy als Ganzes wird dabei nicht mehr wie bisher voll konsolidiert.
Diejenigen Teile von Innogy, die auf E.on übergehen, werden bis zum Verkauf als "nicht fortgeführtes Geschäft" ausgewiesen. Im wesentlichen geht es dabei um das Netz- und Vertriebsgeschäft.
Das Unternehmen zielt daher wegen der begrenzten Aussagefähigkeit künftig auf die Kennzahlen von "RWE alleine" ab. Sie enthalten die Bereiche Braunkohle und Kernenergie, die europäische Stromerzeugung sowie den Energiehandel. Dazu kommt die Innogy-Dividende.
Für "RWE alleine" wies der Konzern ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) von 1,14 Milliarden Euro aus, nach 1,44 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das lag im Rahmen der Erwartungen der Analysten. Dabei sank das Ergebnis im Bereich Braunkohle und Kernenergie deutlich, für das Gesamtjahr rechnet RWE auch weiterhin mit einem Gewinnrückgang. Auch im Geschäft mit der internationalen Stromerzeugung und im Energiehandel verdiente RWE weniger, wobei der Energiehandel nach einem schwachen Jahresstart aufholen konnte. Von Innogy floss RWE im zweiten Quartal eine unveränderte Dividende von 683 Millionen Euro zu.
Das Nettoergebnis von RWE alleine sank bereinigt von 883 auf 683 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern weiter ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 1,4 und 1,7 Milliarden Euro, sowie ein bereinigtes Nettoergebnis zwischen 500 und 800 Millionen Euro.
Am Markt legte die RWE-Aktie heute um 3,7 Prozent auf 21,66 Euro zu.
Für den Konzern - also inklusive der fortgeführten Innogy-Geschäftsteile - passte RWE die Prognose nach der Umstellung der Berichterstattung an und erwartet einen Rückgang des bereinigten Ebitda auf 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro. Der vergleichbare Vorjahreswert beträgt dabei 2,15 Milliarden Euro. Die fortgeführten Innogy-Aktivitäten dürften dabei 700 bis 800 Millionen Euro beitragen, nach 785 Millionen Euro im Vorjahr. Im ersten Halbjahr sank das bereinigte Ebitda um 27 Prozent auf 825 Millionen Euro.
RWE liege "voll im Plan für das Gesamtjahr", kommentierte Konzernchef Rolf Martin Schmitz. Der Dividendenausblick blieb RWE zufolge unverändert. So will der Konzern für 2018 die Dividende um vierzig Prozent auf 0,70 Euro je Aktie anheben. Die Transaktion mit E.on kommt laut Schmitz gut voran. Nach Auslaufen des Übernahmeangebots hält E.on inzwischen gut 86 Prozent an Innogy, RWE hat seine Anteile bereits angedient.
Nach der Übernahme soll RWE das Geschäft mit erneuerbaren Energien von E.on und Innogy erhalten. Damit würde RWE zur Nummer drei in Europa im Geschäft mit erneuerbaren Energien insgesamt und zur Nummer zwei in der Windkraft. Zudem wird RWE an E.on beteiligt. Mit einem Abschluss wird aber erst Ende 2019 gerechnet. Erstellt am 14.08.2018, um 9:15 Uhr.
 
Zuletzt aktualisiert am 14.08.2018, um 14:15 Uhr.
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