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Devisenpaar EUR/USD · 15.08.2018 09:50 Uhr

Risiken und Nebenwirkungen

Euro- und US-Dollar-Scheine auf einem Schachbrett
Quelle: Nagy-Bagoly Arpad/Shutterstock
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Der Euro schwächelt: Gestern ist die europäische Gemeinschaftswährung auf ein neues Tief unter 1,14 US-Dollar gefallen. Es dürften die Risiken und Nebenwirkungen der Lira-Krise sein, die den Euro unter Druck setzen...

- Gastbeitrag von Esther Reichelt (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
EUR: Trotz guter Wachstumsdaten und Stimmungsindikatoren aus dem Euroraum ist der Euro gestern gegenüber dem US Dollar weiter gefallen. Von der besseren Risikostimmung angesichts der zumindest zwischenzeitlichen Erholung des TRY-Kurses ist in EUR-USD dementsprechend nichts zu spüren. Hierbei dürften es durchaus die Risiken und Nebenwirkungen der Lira-Krise sein, die den Euro unter Druck setzen. Nachdem die Rendite auf italienische Staatsanleihen angesichts der hohen Risikoaversion nach oben schossen, forderte gestern Claudio Borghi, euroskeptischer Vorsitzende des Haushaltsausschuss des italienischen Parlaments, dass die EZB die Rendite von Staatsanleihen gegen Marktbewegungen schützen müsse. Auch wenn die EZB kaum auf entsprechende Forderungen eingehen wird, sondern auf ihr alleiniges Mandat der Preisstabilität verweisen wird, befürchten Marktteilnehmer zu Recht, dass die aktuellen Marktturbulenzen den Normalisierungsfahrplan der EZB verzögern könnten, wenn die Unsicherheit länger anhält. Schließlich lässt die EZB ihre Anleihekäufe zum Jahresende wohl eher aufgrund juristischer Zwänge als aus Überzeugung in die Stärke der wirtschaftlichen Erholung auslaufen. Wenn das stimmt, braucht es nicht viel, um die EZB zögern zu lassen und damit EUR-positive Argumente wie erste vorsichtige Zinserhöhungen im Herbst 2019 weiter in die Zukunft zu verschieben. Das sorgt schon heute dafür, dass der Euro nicht die bevorzugte Wahl bei der Suche nach einem sichereren Währungshafen ist, vor allem wenn mit dem US Dollar ein deutlich geeigneterer Kandidat zur Verfügung steht.
USD: Der starke US Dollar dürfte US-Präsident Donald Trump ein Dorn im Auge sein. Solange der Dollar aufwertet (und Trump US-Präsident ist) dürften Spekulationen über mögliche Interventionen wohl nie ganz verschwinden. Meine Kollegin Thu Lan Nguyen hat bereits in der gestrigen TagesInfo Devisen erklärt, warum wir Interventionen für unwahrscheinlich halten. Doch selbst wenn sich die Fed im Auftrag des für die US Wechselkurspolitik verantwortlichen Finanzministeriums zu umfangreichen Interventionen bereit erklärt, ist die Frage, wie erfolgreich diese Interventionen sein können, wenn sie der grundsätzlichen Strategie einer strafferen Geldpolitik zuwiderlaufen. Die Schweiz hat uns gezeigt, dass ein Land durchaus unbegrenzt gegen die Stärke der eigenen Währung intervenieren kann, es aber selten will. Interventionen blähen die Bilanz auf, worin die Schweizerische Nationalbank letztendlich ein so großes Risiko gesehen hat, dass sie den Franken doch aufwerten ließ. Und das obwohl die stetig zunehmende CHF-Liquidität angesichts der dauerhaft niedrigen Inflation aus Sicht des Marktes unproblematisch war. Bei den USA dürfte das nicht der Fall sein. Die Inflation liegt auf Ziel und Devisenmarktinterventionen dürften schnell den Inflationsdruck erhöhen. Entsprechend müsste die Fed Interventionen sterilisieren, in der Regel über Offenmarktgeschäfte. Aufgrund der steigenden US-Zinsen müsste die Fed auf Sterilisierungsbonds jedoch mehr Zinsen zahlen als sie auf ihre angesammelten Fremdwährungsreserven erhält, sie würde also Verluste machen. Angesichts dessen dürfte der Markt schnell daran zweifeln, dass die USA wirklich langfristig zu Interventionen bereit ist, was deren Wirksamkeit reduzieren würde. Am Devisenmarkt funktioniert es nicht, Fakten einfach wegzuleugnen. Und der Fakt ist: Die US-Wirtschaft läuft stark, wie die heutige Datenflut einmal mehr belegen wird, weshalb die Fed bis auf weiteres an ihrem Zinserhöhungspfad festhalten wird, solange sich nicht abzeichnet, dass die Nebenwirkungen der Türkei-Krise die US-Wirtschaft belastet. Da damit vorerst nicht zu rechnen ist, stärkt der attraktive Zinsvorteil der US-Anleihen bis auf Weiteres die USD-Nachfrage. Zusammen mit den Zweifeln am Normalisierungskurs der EZB begrenzt dies das Aufwärtspotenzial in EUR-USD.
Erhalten von der Commerzbank am 15.08.2018 um 09:26 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 15.08.2018 um 09:50 Uhr.
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