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Trumps Auswirkungen auf den Devisenmarkt · 24.08.2018 13:15 Uhr

Gefährliche Liebschaften

Trump und US-Dollar Grafik
Quelle: pespo / Shutterstock
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Heute spricht Fed-Chef Jerome Powell beim Notenbankentreffen in Jackson Hole. Für den Devisenmarkt könnte seine Rede zum Non-Event werden. Denn zur Zeit ist es vor allem US-Präsident Donald Trump, der den Devisenmarkt beeinflusst.

-Gastbeitrag von Ulrich Leuchtmann, Leiter Devisenanalyse, Commerzbank Research -
USD: Sorry, ich weiß nicht, wie ich’s diplomatisch und dennoch verständlich ausdrücken soll: Dominiert nicht momentan die Angst, dass der US-Präsident, wenn er bei jeder öffentlich werdenden Schweigegeldzahlung an eine Prostituierte zur Ablenkung ein EM-Land per Twitter disst, am Ende eine EM-weite Krise auslösen könnte? Erst die Türkei, dann Südafrika. Für die EMs heißt das: zusätzlicher Stress. In letzter Zeit ließ dieser kurzfristig nach, weil der Präsident zwischenzeitig Zweifel an der zukünftigen Unabhängigkeit der Fed säte. Doch natürlich erzeugt so etwas Gegendruck von der US-Zentralbank. Entsprechende Äußerungen von Fed-Offiziellen sahen wir bereits. Wird Fed-Chair Jerome Powell sich heute dazu in Jackson Hole äußern? Das muss nicht sein. Er könnte den Präsidenten auch mit ostentativer Nichtbeachtung strafen. Vielleicht würde das die Fed-Unabhängigkeit am ehesten unterstreichen. Aber klar, ein Restzweifel bleibt. Der Gesetzgeber hat der Notenbank ihre Unabhängigkeit gegeben und kann sie ihr wieder nehmen. Im gegenwärtigen Zustand des US-Politsystems, in dem Zweifel an der Wirksamkeit der „checks & balances“ bestehen, bleibt ein USD-negativer Restzweifel, von dem neue präsidiale Tweets vielleicht ablenken, der aber nicht zerstreut wird.
Die Außenpolitik des Weißen Hauses kreiert weitere Probleme für den Devisenmarkt. Indem die US-Sanktionspolitik immer weiter mit außenpolitischen Vorstellungen Europas in Konflikt gerät (Iran, Russland, vielleicht bald Türkei), wird die Erzwingung dieser Sanktionen im Rest der Welt so langsam zum Politikum. Bei allem, was Europas Politiker sagen, gilt vor allem: Es wäre extrem schwierig, sich von den US-Sanktionen unabhängig zu machen. Mit Sekundärsanktionen hat die US-Regierung – allein aufgrund der Größe der US-Volkswirtschaft – ein sehr starkes Werkzeug in der Hand, ihre Politik dem Rest der Welt aufzuzwingen, unabhängig von der Wahl des Zahlungssystems oder der Settlement-Währung. Dennoch halte ich die langsame Abkehr vom Dollar als Welt-Leitwährung für eine wahrscheinliche Folge der US-Zwangsmaßnahmen. Insofern mit dem Euro eine Alternative bereitsteht, ist er angesichts der Unwägbarkeiten der US-Außenpolitik die sicherere Wahl. Nur hilft ein Wechsel von Greenback zu Euro den Betroffenen halt auch nicht viel. Daher ist der Verfall des $-Leitwährungsstatus kein Thema für die nächsten Wochen, sondern für die nächsten Jahre.
Fällt Ihnen auf, dass ich bei all den politischen Stories kein Wort über die Geldpolitik der Fed verloren habe? Und das am Tag, an dem der Fed-Chair in Jackson Hole spricht! So ist es eben. Die geldpolitische Strategie der Fed ist sorgfältig kommuniziert und wird vom Markt verstanden. Die Rest-Unsicherheit resultiert aus der Tatsache, dass geldpolitische Wirkungskanäle heute weniger vorhersagbar funktionieren als früher. Daran kann Powell nichts ändern, zumindest nicht heute in Jackson Hole. Und damit könnte seine Rede zu einem „non-event“ für den Devisenmarkt werden.

GBP: Höhere Risikoprämie gerechtfertigt

GBP: Dass die britischen Pläne für einen „no-deal-Brexit“ dem Pfund nicht dauerhaft guttun würden, war klar. Wenn ich mehr über das Armageddon weiß, beruhigt mich das ja auch nicht weiter. Im Ernst: Fällt der Devisenmarkt mit EUR-GBP-Kursen um 0,9120 auf die Schwarzmaler herein, die behaupten, in UK ginge nach einem no-deal-Brexit die Sonne nicht mehr auf? Nein, ich denke, das Problem des Pfundes ist momentan: Es kommt nicht auf die Vorstellung des einzelnen Devisenhändlers an. Jeder von ihnen muss sich fragen: Was glauben die Anderen? Und das ist notorisch noch schwieriger, als sich eine eigene Meinung zu bilden. Und allein deshalb ist eine höhere Risikoprämie auf GBP-Positionen gerechtfertigt. Selbst wenn jeder an eine konstruktive Lösung glauben würde.
Erhalten von der Commerzbank am 24.08.2018 um 12:14 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 24.08.2018 um 13:15 Uhr.
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