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Rohstoffmarkt · 28.08.2018 14:07 Uhr

Gold auf Erholungskurs?

Rohstoffe
Quelle: Cigdem / Shutterstock.com
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Der anhaltend schwache Dollar wirkt aktuell unterstützend auf die Rohstoffpreise, besonders bei Öl und Gold. Anders bei den Industriemetallen: Hier sorgt das neue Handelsabkommen zwischen den USA und Mexiko für wenig Euphorie...

-Gastbeitrag von Eugen Weinberg (Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse, CM Research)-
Energie: Der Brentölpreis hält sich weiterhin über 76 USD je Barrel. Ein schwächerer US-Dollar und Hoffnungen auf eine baldige Einigung im Handelskonflikt zwischen den USA und China sorgen für Unterstützung. Doch für Präsident Trump selbst kommen die Gespräche mit China nach eigener Aussage zur Unzeit, weil er die Vorschläge Chinas für einseitig hält. Nichtsdestotrotz haben die US-Aktienmärkte gestern neue Rekordmarken gesetzt, was sicherlich auch spekulative Anleger am Ölmarkt auf den Plan gerufen hat. In der Woche zum 21. August hatten die Finanzanleger ihre Netto-Long-Positionen bei Brent abgebaut. Die wichtigsten Ölexporteure tragen zum Abbau der Übertreibung bei, indem sie die Produktion erhöhen. So wurde zwar laut dem Beobachtungskomitee der OPEC und Nicht-OPEC-Länder (JMMC) der Produktionskürzungsbeschluss von Ende 2016 im Juli erneut übererfüllt. Allerdings fiel die Übererfüllung mit 9% deutlich geringer aus als noch im Juni (20%) und Mai (47%). Die Hauptschuld an der Übererfüllung dürfte weiterhin bei Venezuela liegen, wo die Produktion seit Monaten wegen der Wirtschaftskrise fällt. Gestern hat der CO2-Preis einen neuen Rekord bei 21,79 EUR je Tonne aufgestellt (bezogen auf den Dezember 2018-Kontrakt). Damit ist er seit Jahresbeginn bereits um rund 180% gestiegen. Die Dynamik des jüngsten Preisanstiegs legt die Vermutung nahe, dass es sich um eine sich selbstbefeuernde Preisrally handelt, die typisch für eine spekulative Übertreibung ist. Sie dürfte weniger von den „Nutzern“ der EUAs getrieben sein als vielmehr von kurzfristig orientierten Anlegern. Der Preis dürfte daher in Kürze wieder fallen.

Erholungsbewegung von Gold gebremst

Edelmetalle: Gold setzt seine Erholungsbewegung fort und ist auf gut 1.210 USD je Feinunze gestiegen. Unterstützung erhielt es gestern vom anhaltend schwachen US-Dollar. Da dieser heute Morgen aber einen Teil seiner Verluste wieder aufholt und die US-Aktienmärkte gestern neue Rekordhochs erreichten, wird die Erholungsbewegung von Gold heute Morgen dann doch wieder gebremst. Gold in Euro gerechnet zieht aufgrund der Währungsentwicklung nur unterproportional mit. Es notiert weiter unter 1.040 EUR je Feinunze. Zum „short squeeze“, das heißt zur zwangsweisen Eindeckung von Leerverkäufen, um Verluste einzudämmen, ist es noch nicht gekommen. Sollte es aber einen solchen geben, wovon wir ausgehen, wird dies dem Goldpreis wohl Flügel verleihen und ihn in Richtung unserer Jahresendprognose von 1.300 USD je Feinunze schieben. Die gestern von der Hongkonger Statistikbehörde veröffentlichten Daten zum Goldhandel mit China haben die verhaltene Goldnachfrage im Reich der Mitte bestätigt. Im Juli hat China demnach netto nur 44,8 Tonnen Gold aus Hongkong importiert, deutlich weniger als im Vormonat und im Vorjahr. Der Rückstand zum Vorjahr seit Jahresbeginn hat sich wieder auf 19% bzw. 87 Tonnen ausgeweitet. Schon die letzte Woche veröffentlichten Schweizer Goldhandelsdaten hatten eine schwache chinesische Goldnachfrage gezeigt.

Abkommen zwischen den USA und Mexiko

Industriemetalle: Die USA und Mexiko haben sich gestern auf ein vorläufiges bilaterales Handelsabkommen verständigt, das das bisherige NAFTA-Abkommen ersetzen soll. Nun soll mit Kanada verhandelt werden. Laut US-Präsident Trump sei entweder ein getrenntes Abkommen zwischen den USA und Kanada denkbar oder ein Beitritt Kanadas in die Vereinbarung mit Mexiko. An den Metallmärkten stoßen die Verhandlungsergebnisse nicht auf Euphorie. Die Preise an der LME in London geben zum Handelsauftakt heute Morgen leicht nach. Sie folgen damit auch nicht den gestrigen guten Vorgaben aus Shanghai. An der LME fand gestern wegen eines Bankfeiertages kein Handel statt. Die Weltstahlproduktion ist gemäß Daten des Weltstahlverbandes im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 5,8% auf 154,6 Mio. Tonnen gestiegen. Auf Tagesbasis blieb sie leicht unter dem Rekordhoch des Vormonats. Vor allem China hat zum Produktionsanstieg beigetragen (+7,2%, siehe TagesInfo Rohstoffe vom 14. August). Wie der Weltstahlverband schon letzte Woche auf einem Kongress in Brasilien darlegte, seien die derzeitigen weltweiten Produktionskapazitäten ausreichend, um die erwartete Stahlnachfrage mindestens bis zum Jahr 2035 zu decken. Die Stahlindustrie hätte demnach Überkapazitäten aufgebaut, da sie von einem falschen Optimismus bezüglich der zukünftigen Nachfrage ausging, Skaleneffekte nutzen wollte und einen Ansatz der nationalen Selbstversorgung verfolgte. Es werde aber aus verschiedenen Gründen deutlich weniger Stahl nachgefragt.
Erhalten von der Commerzbank am 28.08.2018 um 14:00 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 28.08.2018 um 14:07 Uhr.
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