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Neues vom Handelsstreit · 31.08.2018 11:10 Uhr

Der Winter naht

Frostige Zeiten
Quelle: Andrew Balcombe / Shutterstock.com
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Kurzzeitig sah es nach Entspannung an der Handelsfront aus: Die EU zeigte sich bereit, auf Autozölle zu verzichten, wenn die USA das auch tun. Trump machte die Hoffnungen darauf schon in der Nacht wieder zunichte. Die Unsicherheit wächst...

- Gastbeitrag von Esther Reichelt (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
EUR: Sah es gestern noch nach Entspannung an der Handelsfront aus, nachdem sich die EU kompromissbereit im Streit mit den USA über Autozölle zeigte und anbot, diese auf Null zu senken, wenn die USA mitziehen, startete US Präsident Donald Trump in der Nacht bereits den nächsten Angriff: Das sei „nicht gut genug“. Die Konsumgewohnheiten der Europäer seien „ihre Autos zu kaufen, nicht unsere“. Offensichtlich hat jemand versucht dem Präsidenten zu erklären, dass die Handelsbilanz Konsequenz der Nutzenmaximierung der Verbraucher auf beiden Seiten ist, wie es Ökonomen sagen würden. Sprich: Verbraucher kaufen die Produkte, die sie wollen. Daraus hat der Präsident anscheinend unkonventionelle Schlüsse gezogen. Denn wie die EU ihre Bewohner dazu bringen soll, US Produkte zu kaufen, die sie nicht wollen, ist unklar. Klar ist jedoch: EUR-Händler müssen befürchten, dass Trump zukünftig eine härtere Linie gegen die EU fährt. Das erhöht die Unsicherheit für die Realwirtschaft und steigert die Prognoseunsicherheit für die EZB, womit sich der EUR-Ausblick wieder etwas verdüstert. Der Euro hatte bereits gestern gegenüber den G10-Währungen (mit Ausnahme des Dollarblocks) abgewertet, nachdem Stimmungsindikatoren und regionale Inflationsdaten die EUR-Begeisterung vorerst dämpften. Doch Fundamentaldaten treten aktuell eh erst einmal in den Hintergrund, weshalb die heutigen Inflationsdaten aus dem Euroraum schon deutlich überraschen müssten, um den Euro zu bewegen. Vorerst dominiert die Risikostimmung die EUR-Wechselkurse, was angesichts der Präferenz des Dollars als sicheren Hafen eher für tiefere EUR-USD-Niveaus spricht.

Schweizer Franke wertet auf

CHF: Die Risikostimmung ist es auch, die der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu schaffen macht. Die Suche nach sicheren Währungshäfen lässt den Schweizer Franken aufwerten. Zuletzt handelte EUR-CHF wieder unter 1,13 und damit in Gefilden, in denen Devisenmarktinterventionen der SNB zunehmend wahrscheinlich werden und sei es nur, weil die SNB dem Markt signalisieren will, dass sie da ist. Den Bereich um 1,1250 sehe ich angesichts des historischen Verlaufs bereits als Risikobereich, spätestens bei 1,10 dürfte die Geduld der SNB vollends aufgebraucht sein.

Kleiner Rückschlag für den kanadischen Dollar

CAD: Der kanadische Dollar musste gestern einen kleinen Rückschlag hinnehmen: Zwar zog das Wachstum im zweiten Quartal wie erwartet an, mit annualisiert +2,9% ggü. Vq. bliebt es jedoch etwas hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Der Fakt, dass ein deutlicher Anstieg der Exporte erheblich zum stärkeren Wachstum beigetragen hat, richtet den Fokus damit umso mehr auf den für heute angestrebte Einigung bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und Kanada. Für den CAD geht es dabei um viel. Gelingt eine Vereinbarung, wäre für die Bank of Canada der Weg frei für weitere Zinserhöhungen und damit für einen stärkeren CAD. Scheitern die Verhandlungen droht im schlimmsten Fall ein Ausschluss Kanadas aus einem nordamerikanischen Handelsabkommen, was sich umgehend in höheren Risikoaufschlägen widerspiegeln würde. Dabei wird heute noch nicht zwangsläufig das letzte Wort gesprochen sein. US Präsident Trump muss heute den Kongress über ein bevorstehendes Handelsabkommen informieren, um damit die 90-tägige Frist zu starten, vor deren Ende er das Abkommen nicht abzeichnen kann. Nur dann kann das Abkommen noch unterzeichnet werden, bevor am 1. Dezember in Mexiko Andrés Manuel López Obrador das Präsidentenamt vom derzeit amtierenden Enrique Peña Nieto übernimmt, der das Abkommen ausgehandelt hat. Nach Beginn der 90-Tage Frist hat Trump jedoch noch 30 Tage Zeit, also bis Ende September, um dem Kongress die genauen Details des Handelsabkommens, wie zum Beispiel, ob Kanada dabei ist oder nicht, mitzuteilen. Auch wenn die genauen Details wohl erst im Laufe der kommenden Wochen ausgehandelt werden, vermuten wir dennoch, dass beide Verhandlungspartner heute ein Zeichen des guten Willens senden wollen. Solange die Risikostimmung mitmacht dürfte das heute ausreichen, um die Oberseite in USD-CAD zu beschränken.
Erhalten von der Commerzbank am 31.08.2018 um 10:39 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 31.08.2018 um 11:10 Uhr.
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