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Asset Allocation im Focus · 03.09.2018 08:45 Uhr

Wie eine stabile Performance auch in unruhigen Zeiten gelingen kann

Raues Fahrwasser
Quelle: Grodfoto / Shutterstock.com
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2018 war bisher kein einfaches Börsenjahr. Der Handelskonflikt und Währungskrisen sorgen für Nervosität bei Anlegern. Ein Interview über die Möglichkeiten, auch im rauen Börsen-Fahrwasser eine stabile Wertentwicklung zu erzielen.

2018 war bisher kein einfaches Börsenjahr. Nicht nur der auch weiterhin schwelende Handelskonflikt der USA mit Europa und China drückte auf die Kurse. Zuletzt sorgten zudem die Währungskrise in der Türkei und die möglicherweise auf Konfliktkurs mit der EU gehende neue Regierung in Italien immer wieder für Nervosität unter den Anlegern. Thomas Metzger ist als Leiter Portfolio Management beim Stuttgarter Bankhaus Bauer mit seinem Team für die strategische und taktische Asset Allocation der von der Privatbank aktiv verwalteten Kundengelder verantwortlich. Wir sprachen mit Metzger über die Möglichkeiten auch in rauem Börsen-Fahrwasser eine stabile Wertentwicklung zu erzielen.
Börse: Herr Metzger, die Entwicklung der Märkte in 2018 war bisher nicht einfach. Was sind die Voraussetzungen um in Zeiten wie diesen eine einigermaßen solide Performance zu erreichen?
TM: Die Stabilität eines Portfolios hängt ganz wesentlich von der grundsätzlichen, strategischen Asset Allocation, also der Aufteilung des anzulegenden Vermögens auf die einzelnen Anlagekategorien wie Aktien, Renten usw., ab. Wichtig ist, eine ausreichende Diversifikation im Depot zu fahren, also breit zu streuen und nicht alles auf eine Karte zu setzen. Allerdings sollte die Gewichtung der Asset Klassen nicht nach dem Gießkannenprinzip erfolgen, sondern ganz bewusst gewählt werden. Hier spielen individuelle Faktoren wie Alter, Vermögen und Risikotragfähigkeit des Investors sowie dessen Einschätzung der Märkte eine große Rolle.
Börse: Was gilt es dabei zu beachten?
TM: Nun, man sollte schon eine klare Meinung zu den einzelnen Anlageklassen haben und an dieser auch dann festhalten, wenn kurzfristig Nervosität an den Märkten aufkommt. Natürlich ist es notwendig, seine fundamentale Sicht der Dinge regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen. Das tägliche Hin und Her an der Börse sollte dabei aber etwas ausgeblendet werden. Für diese kurzfristigen Schwankungen sind vor allem die Emotionen der Marktteilnehmer, aber auch Spieler, die an schnellen Bewegungen verdienen und durch ihre Trades Volatilität erzeugen, verantwortlich. Dieses Auf und Ab eignet sich allerdings meines Erachtens für einen „normalen“ Anleger nicht dazu, durch ständiges Kaufen und Verkaufen Geld zu verdienen.
Börse: Sondern?
TM: Kurzfristige Schwankungen bieten gerade für Investoren, welche über einen langfristigen Anlagehorizont verfügen, sehr gute Gelegenheiten, die strategischen Quoten ihrer Aufteilung im Depot „atmen“ zu lassen. Also bei Übertreibungen nach oben einmal Gewinne mitzunehmen und Einbrüche der Märkte zu nutzen, um Positionen aufzustocken. Das macht gerade bei Aktien, wo historisch betrachtet langfristig sehr gute Renditen zu erzielen waren, wenn man die nötige Geduld mitgebracht hat, mehr Sinn, als ständig die Asset Klasse komplett auf- und abzubauen.
Börse: Wenn wir uns den Anlagekuchen einmal anschauen, welche Zutaten würden Sie ganz grundsätzlich empfehlen?
TM: Unter Chance-Risiko-Aspekten führt gerade vor dem Hintergrund des derzeit extrem niedrigen Zinsniveaus für einen langfristig denkenden Investor wohl auch in Zukunft kein Weg an Aktien vorbei. Wichtig ist, die nötige Geduld mitzubringen. Die ganz großen Kursgewinne erwarte ich nämlich nicht mehr bis Jahresende und auch 2019 wird die Performance überschaubar bleiben. Ganz einfach weil die Märkte in Relation zu den Gewinnen der Unternehmen nicht mehr günstig sind und momentan doch einige Unsicherheitsfaktoren belasten. Der wahrscheinlich weiter eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die Turbulenzen einiger Schwellenländerwährungen ersticken derzeit jeden Versuch eines Befreiungsschlages des Marktes, obwohl das solide Gewinnwachstum der Unternehmen durchaus höhere Kursniveaus im DAX rechtfertigen würden. Vor dem Hintergrund einer solide laufenden weltweiten Konjunktur und sehr attraktiven Dividendenniveaus, sehe ich die Märkte allerdings nach unten recht gut unterstützt. Außerdem fehlen einfach die Anlagealternativen was Investoren immer wieder bei Aktien zugreifen lassen sollte.
Börse: Nichtsdestotrotz tun sich gerade hierzulande viele Anleger mit dem Thema Aktien schwer!
TM:…und verzichten durch ihre Aktien-Abstinenz auf Rendite. So hätte ein einfaches Investment in den DAX über die letzten 30 Jahre z.B. mehr als 8 % Gewinn p.a. erwirtschaftet. Auch das vermeintlich hohe Risiko in Zusammenhang mit Dividendenwerten kann bei genauer Betrachtung nicht bestätigt werden. Bereits ab einem DAX-Investment, welches über mehrere Jahre reichte, konnten Gewinne erzielt werden, egal zu welchem Zeitpunkt der Anleger in der Vergangenheit gekauft hätte. Wer dennoch das Risiko scheut, kann aber auch im Aktienblock mit unterschiedlichen Strategien arbeiten und nicht nur einfach Einzeltitel oder Fonds kaufen sondern z.B. mit Hilfe von Bonus- oder Discount-Zertifikaten von einem Seitwärts- oder gar Abwärtsmarkt profitieren.
Börse: Werfen wir konkret einen Blick in die Praxis. Sie erreichen kontinuierlich im Investmentfondsbereich sowohl was kürzere aber auch mittel- und langfristige Zeiträume betrifft, sehr gute Bewertungen. Auch in den individuellen Vermögensverwaltungsmandaten, welche Sie für Ihre Kunden verwalten, können Sie in aktienlastigen Portfolien Ergebnisse von über 10% nach Kosten seit Jahresbeginn ausweisen, obwohl viele Märkte wie bspw. der DAX in 2018 nicht einmal im positiven Bereich liegen.
TM: Neben den grundsätzlichen bereits erwähnten Punkten, die es zu beachten gilt, um stabil unterwegs zu sein, hat uns hier vor allem die Einzeltitelauswahl geholfen. Wir halten uns nicht sklavisch an eine Benchmark, also einen Index wie den DAX. Vielmehr versuchen wir sehr flexibel in strukturell wachsende, nachhaltig profitable Unternehmen mit einer guten Positionierung in wachsenden Märkten zu investieren. Dieser Auswahlprozess verlief gerade im aktuellen Jahr sehr erfolgreich.

Quelle: Börse Stuttgart
Thomas Metzger (40) ist seit 10 Jahren Leiter Vermögensverwaltung beim Stuttgarter Bankhaus Bauer. Bereits zuvor war er im Portfolio Management, Wertpapierhandel und Aktien-Research sowie für mehrere Banken in den USA tätig. Zusätzlich doziert er an mehreren Hochschulen zu den Themengebieten Portfolio Management und derivative Finanzinstrumente. Bei einem breiten Publikum hat sich Metzger durch seine zahlreichen TV-Interviews, Fachbeiträge etc. einen Namen als Investmentspezialist gemacht.
 
Veröffentlicht am 03.09.2018 um 08:45 Uhr.
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