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Marktbericht: update von 16:00 Uhr · 06.06.2018 16:00 Uhr

DAX kämpft um 12.000er Marke - Aufträge für deutsche Industrie gesunken

Autoindustrie
Quelle: Jenson / Shutterstock.com
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Wachsende wirtschaftliche und politische Risiken sorgen aktuell immer wieder für Unruhe. So rutschte der DAX unmittelbar nach Handelseröffnung unter die Marke von 12.000 Punkten. Später setzte eine leichte Erholung ein.

NEWS AUS DEM HANDEL 3:09min, 06. September 2018, 10:51 Uhr
- Von Holger Scholze, Börse Stuttgart TV News Redaktion - 06.09.2018 -
Die trübe Stimmung am Aktienmarkt hält weiter an. Der überraschende und zudem deutliche Rückgang der Auftragseingänge für die deutsche Industrie trägt nun ebenfalls dazu bei.
So rutschte der DAX heute zeitweise bis auf 11.988 Punkte ab. Aktuell liegt der Kurs bei 12.013 Punkten mit 0,2 Prozent im Minus. Erst gestern war das deutsche Börsenbarometer auf das tiefste Niveau seit Anfang April gesackt.
Die internationalen Handelskonflikte und die Währungskrisen in einigen Schwellenländern bleiben wesentliche Themen auf dem Börsenparkett. Das im Juli auf etwas über 50 Milliarden US-Dollar gestiegene Handelsdefizit der USA befeuert die laufenden Diskussionen erneut. Experten zufolge wüchsen damit die Befürchtungen, dass es weitere Zölle seitens der USA geben könnte.
Zudem konnte die deutsche Industrie im Juli erneut weniger Aufträge an Land ziehen. Statt eines erwarteten Plus gingen die Aufträge im Vergleich zum Vormonat zurück. Sie sanken um 0,9 Prozent. Analysten hatten mit einem Anstieg um 1,8 Prozent gerechnet. Der jüngste Rückgang folgt auf einen deutlichen Rücksetzer im Juni, der mit 3,9 Prozent nur geringfügig schwächer ausfiel als bislang bekannt. Aus dem Ausland kamen insgesamt 3,4 Prozent weniger Aufträge. Dabei gingen aus der Eurozone 2,7 Prozent und von außerhalb der Eurozone 4,0 Prozent weniger Aufträge ein. Die Inlandsaufträge stiegen dagegen um 2,4 Prozent.
Die Privatwirtschaft in den USA hat im August weniger neue Jobs geschaffen als erwartet. Es seien 163.000 Arbeitsplätze hinzugekommen, teilte der Dienstleiter ADP am Donnerstag in Washington mit. Das ist der schwächste Anstieg seit September 2017. Analysten hatten mit einem Zuwachs von 200.000 Stellen gerechnet. Der Aufbau im Vormonat wurde von 219.000 auf 217.000 Stellen korrigiert.
Die US-Regierung wird am Freitag ihren monatlichen Arbeitsmarktbericht veröffentlichen. Die ADP-Daten gelten am Markt als Indikator für diese Daten, obwohl die Zuverlässigkeit nicht besonders hoch ist.

Autobranche unter Druck

Die Automobilbranche steht wegen der Zollkonflikte bereits seit geraumer Zeit deutlich unter Druck. Allein in den vergangenen drei Monaten hat sie bereits rund 15 Prozent an Wert eingebüßt. VW etwa verloren in dieser Zeit 16,5 und Daimler 13 Prozent an Wert. Größter Branchenverlierer mit mehr als dreißig Prozent ist die Conti-Aktie.
Außerdem wurde am gestrigen Nachmittag bekannt, dass den Autofahrern in der Stadt Frankfurt ein großflächiges Dieselfahrverbot droht, welches nach Ansicht des ADAC erst der Anfang sei und "Signalwirkung" für ganz Hessen habe.
Die beiden Zulieferer Leoni und Schaeffler werden zudem vor allem von einer negativen Studie der Schweizer Bank UBS belastet. Die Analysten des Hauses empfehlen, die Anteilsscheine der beiden MDAX-Unternehmen zu verkaufen.
Für Leoni kommt noch belastend hinzu, dass die Aktie in rund zwei Wochen den Index der mittelgroßen Unternehmen verlassen und in den SDAX absteigen muss.

Neue Zusammensetzung der Indizes

Die neuen Index-Regeln der Deutschen Börse wirbeln zudem die gesamte DAX-Familie mit DAX, MDAX, TecDAX und SDAX auf.
Großer Gewinner ist der Zahlungsabwickler Wirecard aus dem TecDAX, der in Kürze die Commerzbank aus der ersten Börsenliga vertreiben wird. Die Wirecard-Aktie liegt zur Stunde bei 185,55 Euro mit 1,9 Prozent im Plus. Die Anteile der Commerzbank verbilligten sich um 0,5 Prozent auf 8,44 Euro.
Thomas Metzger, Head of Asset Management beim Bankhaus Bauer, beurteilt die Lage mit den Worten:
"Die 'Erfolgsstory' von Wirecard und die zumindest zum Teil gegensätzliche Entwicklung vieler traditioneller Spieler im Finanzbereich, steht durchaus ein Stück weit sinnbildlich für den anhaltenden Wandel der Bankenwelt, die wie andere Branchen auch von der Digitalisierung substanziell verändert wurde und wird. Unternehmen wie Wirecard profitieren dabei von der wachsenden Bedeutung des Online-Geschäfts sowie vom nachhaltigen Trend, auch im traditionellen Handel eher mit dem Smartphone oder der Kreditkarte zu zahlen, als Bargeld zu benutzen. Wirecard ist dabei auch aufgrund des ganzheitlichen Serviceangebots sowie der umfangreichen Kooperationen, gerade im asiatischen Raum, auf dem Radar vieler Investoren. Diese erwarten, dass das Unternehmen langfristig vom Wandel der Branche profitieren und auch weiterhin deutlich wachsen wird. Man muss jedoch beachten, dass ein substanzieller Teil der positiven Aussichten mittlerweile bereits eingepreist ist. Aufgrund der hohen Bewertung sind temporär auch deutliche Kurskorrekturen nicht auszuschließen, sollte das Unternehmen in Zukunft die hohen Erwartungen einmal nicht erfüllen."

HSBC-Studie stützt Versorger

Die Investmentbank HSBC dürfte mit einer großen Studie in der Versorgerbranche für Aufmerksamkeit sorgen.
RWE legen nach einer Kaufempfehlung um 2,7 Prozent auf 21,32 Euro zu. E.on notieren bei 8,95 Euro mit 0,1 Prozent im Minus. Hier fiel die Einstufung zurückhaltender aus.
Analyst Adam Dickens rechnet mit steigenden Strompreisen.

Evotec im Fokus

Evotec wird am 24. September in den MDAX aufgenommen.
Das Biotech-Unternehmen gab außerdem eine Partnerschaft mit Celgene bekannt. Die Aktien notieren aktuell bei 22,11 Euro mit 2,1 Prozent im Minus.
 
Erstellt am 06.09.2018, um 9:15 Uhr. Zuletzt aktualisiert am 06.09.2018, um 16:00 Uhr.
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