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Gezielte Short-Attacke? · 28. März 2017

Aurelius-Aktie bricht ein

Aktienchart
Quelle: Shutterstock
Nach Wirecard und Ströer, scheint nun Aurelius im Visier dubioser Machenschaften. Nachdem der Hedgefonds „Gotham City“ einen kritischen Kommentar veröffentlichte, rutschte die Aurelius-Aktie in der Spitze um 33 Prozent ab.

- von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion -
  Die Aurelius-Aktie ist heute in der Spitze bis auf 44,11 Euro abgestürzt. Das bedeutet in realen Zahlen, dass heute eine knappe halbe Milliarde Börsenwert vernichtet wurden. Nach einem kritischen Kommentar des bis dato relativ unbekannten Hedgefonds „Gotham City“ (!), begann die Aurelius-Aktie bereits am Morgen abzuschmieren. Zwar konnte die Aktie mittlerweile wieder leicht zulegen, dennoch notieren die Anteilsscheine von Aurelius noch immer gut 23 Prozent schwächer als am Vortag.

Auffällig hohes Handelsaufkommen

Auffällig ist vor allem das hohe Handelsaufkommen bei der Aurelius-Aktie. Wie verschiedene Medien berichten, lag das Volumen an gehandelten Aktien im Freiverkehr beim 20-Fachen eines normalen Handelstages. Auch an der Börse Stuttgart wurden bis dato in etwa zehnmal so viele Aurelius-Papiere gehandelt, wie an einem normalen Handelstag. Zwar zieht ein solch rasanter Absturz immer die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer auf sich, das liegt ganz sicher in der Natur der Sache. Allerdings gilt eine hohe Handelsaktivität, auch als Indiz für eine sogenannte „Short-Attacke“. Dabei verkauft ein Spekulant seine Anteile „leer“, also ohne im Besitz derselben zu sein, um sich anschließend – nach dem Kurssturz – wieder billiger mit diesen Stücken einzudecken. Angesichts der heutigen Kursverlustes der Aurelius-Aktie ein durchaus lukratives Geschäft.

Wer ist Gotham City Research?

Wie boerse.ard berichtet, versteckt sich hinter Gotham City Research ein Hedgefonds, „der bei seinen Short-Wetten gerne mit „hilfreichen Fakten" nachhilft, um Gewinne zu erzielen“. Heute Morgen veröffentlichte Gotham City Research nun einen Analyse-Bericht, wonach die Aktie von Aurelius nicht mehr als 8,56 Euro wert sei. Gut 88 Prozent weniger als die Aktie gestern aus dem Handel ging. Der Hedgefonds begründet seine Einschätzung damit, dass der Wert einiger Beteiligungen maßlos übertrieben und viele davon nicht profitabel seien. So richtig fleißig scheint man bei Gotham City Research, zumindest im Hinblick auf die Veröffentlichung von Analysen, allerdings nicht zu sein. Die letzte auf der Homepage auffindbare Analyse stammt aus dem April 2016. Damals attestierte man der Aktie von Valeant Pharmaceuticals ein Abwärtspotenzial bis auf 1,00 US-Dollar. Die Aktie verlor seit April tatsächlich mehr als 60 Prozent ihres Wertes, notiert aktuell jedoch immerhin noch bei rund 10 US-Dollar.

Deutsche Unternehmen ein beliebtes Ziel

Eine Attacke wie heute bei Aurelius ist nicht gänzlich neu und kam in den vergangenen Monaten immer wieder vor. So stand vor gut einem Jahr Wirecard, nach einem Research-Bericht, ebenfalls unter Druck. Zatarra Research & Investigations, ein bis dahin völlig unbekanntes Analysehaus, veröffentliche einen kritischen Bericht über Wirecard und schickte die Aktie auf Talfahrt. Zatarra veröffentlichte bis dahin genau einen Research-Bericht – jenen zu Wirecard. Der Fall liegt mittlerweile bei der BaFin und die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Aktie von Wirecard hat dies nicht dauerhaft geschadet, diese hat sich mittlerweile wieder erholt und notiert im Bereich ihres Allzeithochs. Auch Aurelius kündigte eine Stellungnahme an und die BaFin wird die heutigen Vorgänge ebenfalls ganz sicher im Blick behalten.