Nachrichten

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine · 10.10.2018 15:10 Uhr

Der entzauberte Euro

EUR/GBP
Quelle: pitchr / Shutterstock
Beitrag teilen
Vorstellung des Zusammenrückens der Eurozone am verblassen, ein entzauberter Präsident Macron und die bevorstehende Einigung beim Brexit bis Mitte Oktober

 
- Gastbeitrag von Antje Praefcke (Analyst FX & EM Research Commerzbank) -
 
EUR: Mich dünkt, wir befinden uns in einer Phase der Entzauberung des Euro. Sah vor einigen Monaten, insbesondere nach der Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten, alles danach aus, als würde vor einem protektionistischen, unberechenbaren US-Präsidenten die Eurozone noch enger zusammenrücken, verblasst diese glückselige Vorstellung nach und nach. Macron selbst ist in Frankreich bereits entzaubert. Er leidet an Ministerschwund und muss sein Kabinett umbilden. Seine Reformpläne sind in der Bevölkerung zudem äußerst umstritten. Der Hickhack um den italienischen Haushalt wiederum zeigt, dass auch das Thema Schulden in der Eurozone noch lange nicht überstanden ist – QE hin oder her. Laut EZB-Ratsmitglied Klass Knot (Bank of Netherlands) ist die Ansteckungsgefahr auf andere Euroländer zwar gering, andererseits sei es aber auch nicht die Aufgabe der EZB, allein nationale Politikansätze zu korrigieren oder gar kompensieren. Eine Krise ist unwahrscheinlich. Aber dennoch bleibt das Thema für den Euro ein Stein im Schuh. Wenn dann gleichzeitig die US-Renditen steigen und der Markt eine etwas aggressivere Fed nächstes Jahr einpreist, heißt das dann eben zwangsläufig, dass EUR-USD in Richtung Süden tendiert. Und selbst wenn der US Präsident Unmut über die Fed und den Zinserhöhungszyklus äußert, da er niedrige Zinsen mag und keinen Inflationsanstieg sieht, vermag er meines Erachtens kaum mehr als eine Korrekturbewegung in den Renditen auszulösen, wie sie gestern zu sehen war. Kurzfristig wird deshalb der Dollar weiterhin die Nase vorn haben. Der Euro hat an Glanz verloren und deshalb derzeit einfach zu wenig dagegenzusetzen.

Britische Pfund

GBP: Jetzt soll wohl wirklich bis Mitte Oktober eine Einigung beim Brexit stehen und Premierministerin Theresa May will dann noch im Dezember den Deal im Parlament durchprügeln. Rein aus Zeitgründen macht das Sinn, denn es müssen die Parlamente der EU Mitgliedsstaaten ja dann auch noch vor Ende März zustimmen, damit es keinen „No Deal“-Austritt gibt. Das Abstimmungsergebnis im britischen Parlament ist jedoch schwer absehbar, da angeblich einige Dutzend Labour Abgeordnete nun doch für einen Deal im Stil von Mays „Chequers Plan“ stimmen würden, um einen Exit ohne Abkommen zu vermeiden, dafür aber auch eine ähnlich Anzahl an Mays eigenen Konservativen dagegen. Angeblich gibt es am Freitag einen informellen Vorgipfel zum richtigen EU-Gipfel (18.+19. Oktober). Bis heute soll May deshalb ihre neuen überarbeiteten Pläne zur irischen Grenze vorlegen, die sowohl der EU als auch der nordirischen DUP genehm sind. Nach wie vor keine einfache Aufgabe. Aber ich glaube auch, dass es die EU wohl nicht auf einen Crashtest am 29. März herauslaufen lassen, sondern zumindest für eine Wand aus Watte sorgen wird. Damit der Aufprall letztlich weniger schmerzhaft sein wird. Für beide Seiten und für das Pfund.

Norwegische Kronen

NOK: Wenn die norwegischen Inflationszahlen heute hoch ausfallen, heißt das nicht, dass die Norges Bank dann plötzlichen ihren Zinserhöhungszyklus beschleunigen wird. Deshalb warne ich davor, die NOK bei unerwartet hohen Ergebnissen zu kaufen. Denn die Norges Bank hat im September, als sie den Leitzins erhöhte, klar gemacht, dass sie an einem sehr graduellen Zinserhöhungszyklus festhalten wird. Dabei wird sie auch ein zeitweises Überschießen der Inflation über das Inflationsziel hinaus tolerieren. Natürlich ist ihre Toleranz nicht unendlich. Aber sie rechnet sowieso damit, dass die Inflation nach einem Hoch im Herbst bei über 3% langsam wieder sinken wird. Die Kernrate wird gemäß der Prognosen der Norges Bank sogar erst im zweiten Halbjahr kommenden Jahres ihren Hochpunkt erreicht haben, bevor sie sich wieder abschwächt. Solange sich am Verlauf dieser Projektionen nichts ändert, wird die Norges Bank an ihrer Sichtweise ebenfalls nichts ändern. Insofern darf man sich in den nächsten Monaten von deutlich über dem Inflationsziel liegenden Preisdaten nicht ins Bockshorn jagen lassen. Ein gradueller Zinserhöhungszyklus spricht dafür, dass die NOK über die kommenden Quartale hinweg gegenüber dem Euro aufwerten wird. Kurzfristig bleibt hingegen der Ölpreis einer der Haupttreiber in der NOK.
 
Erhalten von der Commerzbank  am 10.10.2018 um 11.18 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 10.10.2018 um 15.10 Uhr.
 
Bitte beachten Sie den Disclaimer und die Risikohinweise
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu Interessenkonflikten