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Diesel-Ärger für Daimler? · 29. März 2017

Daimler-HV: Es könnte spannend werden

Daimler-Stern
Quelle: Shutterstock
Ab 10:00 Uhr lädt Daimler zu seiner Hauptversammlung in Berlin. Angesichts der jüngst vorgelegten Zahlen und einer weiter steigenden Dividende, müsste die Hauptversammlung eigentlich sehr entspannt ablaufen. Eigentlich...

- von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion -
Im vergangenen Jahr war der Streit um Würstchen noch das dominierende Thema auf der Daimler-Hauptversammlung. Eigentlich schön für ein Unternehmen, wenn ein Streit um das Buffet DER Aufreger einer Hauptversammlung ist. Angesichts starker Zahlen und der Aussicht auf eine weiter steigende Dividende, könnte das Buffet wieder zum Hauptkritikpunkt werden. Doch in diesem Jahr könnte die Hauptversammlung stürmischer werden, als erwartet. Hat auch Daimler seine Diesel-Affäre?

Hat Daimler geschummelt?

„Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen Vorgaben und haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen“, so Daimler-Chef Dieter Zetsche in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, nur wenige Tage nach Bekanntwerden der VW-Dieselaffäre. Zwar gab es immer wieder Spekulationen wonach auch andere deutsche Autobauer bei den Abgaswerten manipuliert haben könnten, doch konkrete Beweise gab es, zumindest gegenüber Daimler, keine. Gegen Tests, beispielsweise von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) oder auch des ADAC, die beweisen sollten, dass Daimler-Fahrzeuge auf der Straße ein Vielfaches der vorgeschriebenen Stickoxid-Werte ausstoßen, wurde gerne mal juristisch oder zumindest verbal vorgegangen. In der Kritik steht vor allem ein sogenanntes Thermofenster. Dieses regelt in bestimmten Temperaturbereichen die Abgasnachbereitung nach unten. Daimler argumentiert, dass dies notwendig sei, um bestimmte Bauteile im Motor zu schützen. Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert, dass in diesem Fall eine Ausnahmeregelung aus der entsprechenden EU-Verordnung zu offen ausgelegt wird. Die DUH hat bereits im vergangenen Sommer eine Unterlassungsklage wegen Verbrauchertäuschung eingereicht.

Einzelne Aktionäre wollen Vorstand nicht entlasten

Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart bereits gegen einzelne Mitarbeiter des Daimler-Konzerns wegen des Verdachts auf Abgas-Manipulationen. Bei Daimler gibt man sich noch immer gelassen und betont, sich an geltendes Recht zu halten. Dennoch werden heute einige Aktionäre gegen das – wie die Aktionäre es nennen – Daimler-Dieselabgas-Desaster. Ein paar Aktionärsvertreter haben sogar angekündigt gegen die Entlastung des Vorstandes zu stimmen. Im jüngsten Geschäftsbericht seien Rückstellungen „für Risiken des Diesel- und Abgas-Skandals nicht ausreichend bewertet“, so der Vorwurf. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wird sich wohl zu Wort melden: Im vergangenen Jahr verdonnerte die EU-Kommission und andere Lastwagenbauer auf Schadenersatz in Höhe von fast drei Milliarden Euro wegen unerlaubter Preisabsprachen. Die DSW kritisiert nun, dass in diesem Fall keine Schadenersatzforderungen gegen den Vorstand geltend gemacht wurden.

Daimler vor Imagewandel

Doch bei aller Kritik dürfte es heute auch ein paar sehr warme Worte in Richtung des Vorstandes geben. So ist Daimler mittlerweile wieder die Nummer 1 unter den Premiumherstellern und man hat es geschafft die Konkurrenz um BMW und Audi auf Abstand zu halten. Das Image des Autobauers erlebt in diesen Tagen zudem einen fundamentalen Wandel, der offensichtlich sehr eng mit der Person Dieter Zetsche verknüpft ist. So ist Daimler mittlerweile kein schlichter Autobauer mehr, sondern vielmehr ein „Anbieter von Mobilität“, wie es der „Tagesspiegel“ formuliert. Die Digitalisierung hat mittlerweile auch Daimler voll erfasst, und eröffnet dem Konzern gleichzeitig neue Zukunftsperspektiven. Gabor Steingart hat es bereits vor zwei Jahren auf dem Börsenempfang der Börse Stuttgart treffend formuliert: „Daimler baut mittlerweile eben auch noch Autos“. Doch ein „Anbieter von Mobilität“ suggeriert weit mehr. Wenn nun auch noch genügend Würstchen da sind, könnte die heutige Hauptversammlung doch noch eine runde Sache werden.