Nachrichten

Produktidee: Faktor-Zertifikate · 10.10.2018 15:53 Uhr

Ölmarkt in „roter Zone“

Barrel Öl
Quelle: ilolab / Shutterstock
Beitrag teilen
Der Rücksetzer am Ölmarkt war nur eine kurze Episode. Mit 85 USD hat sich der Preis für ein Barrel Brentöl wieder auf das Niveau der Vorwoche etabliert. Gold tut sich in dieser Hinsicht schwerer

-  Gastbeitrag von Eugen Weinberg (Commerzbank AG, Leiter Rohstoffanalyse, CM Research) -
 
Energie: Der Rücksetzer am Ölmarkt zu Wochenbeginn war tatsächlich nur eine kurze Episode: Der Preis für ein Barrel Brentöl hat sich mit 85 USD wieder auf dem Niveau der Vorwoche etabliert. Unterstützung geben zum einen die Produktionsausfälle im Golf im Mexiko. Knapp 40% der Produktionskapazitäten mussten laut der zuständigen US-Sicherheitsbehörde aufgrund von Hurrikan Michael geschlossen werden. Damit fehlt täglich eine Produktion von 670 Tsd. Barrel, wo der Markt aufgrund der fallenden iranischen Ölexporte ohnehin schon angespannt ist. Zum anderen hat IEA-Direktor Birol in einem Interview gewarnt, dass der Ölmarkt in eine „rote Zone“ rutsche. Falls die übrigen OPEC-Produzenten ihren Ölhahn nicht aufdrehen würden, wäre das vierte Quartal „sehr herausfordernd“, zumal die Produktion in Venezuela schon sehr bald unter 1 Mio. Barrel pro Tag fallen könnte. Das wären immerhin nochmals 260 Tsd. Barrel weniger als im September. Dass US-Präsident Trump das hohe Preisniveau nicht mag, ist hinlänglich bekannt. Schließlich wird er nicht müde, dies via Twitter immer wieder zu betonen. Neu ist aber, dass er der Verteuerung von Benzin für amerikanische Autofahrer durch die großzügigere Zulassung von E15-Benzin entgegenwirken will (siehe Agrarrohstoffe, Seite 2). Derzeit wird in den USA üblicherweise E10 getankt. Die Ethanolproduktion liegt derzeit bei gut 1 Mio. Barrel pro Tag, bei einem Benzinverbrauch von 9,3 Mio. Barrel pro Tag. Dass Autofahren in den USA durch E15 wirklich billiger wird, ist aber keinesfalls garantiert: Schließlich muss Ethanol dafür hinreichend günstig und die Tankstellen bereit zur Umrüstung sein, zumal nur Pkws ab Modelljahr 2001 unbedenklich betankt werden können.
Quelle: Commerzbank

Edelmetalle

Edelmetalle: Gold tut sich weiterhin schwer. Der Preis rutscht am Morgen unter 1.190 USD je Feinunze. Gold in Euro fällt unter 1.035 EUR je Feinunze. Der Goldpreis folgt dabei weitgehend den Bewegungen des EUR-USD-Wechselkurses. Die 10-Jahresrendite in den USA ist vom zuvor verzeichneten Mehrjahreshoch gestern zwar leicht zurückgekommen. Der starke Renditeanstieg zuvor und der gleichzeitige Rückgang der Inflationsrate sorgten aber dafür, dass der Realzins in den USA wieder deutlich positiv ist, was Gegenwind für Gold bedeutet. Zudem hat sich der Renditeabstand zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen gestern etwas verringert. Dieser liegt bei knapp 300 Basispunkten aber weiterhin auf einem hohen Niveau, was somit für Gold sprechen sollte. Die Perspektiven für Gold hellen sich weiter auf. So hat der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft in diesem und im nächsten Jahr jeweils um 0,2 Prozentpunkte auf 3,7% nach unten revidiert. Dies bedeutet vor allem weniger Rückenwind für die Aktienmärkte, die in den letzten Tagen bereits spürbar nachgegeben haben. Sobald sich dies auch in einer steigenden Risikoaversion niederschlägt, sollte Gold davon profitieren. Die Gold-ETFs berichteten zuletzt immerhin keine Abflüsse mehr. Nennenswerte Zuflüsse hat es aber nicht gegeben. Damit der Goldpreis merklich steigt, muss auch die negative Stimmung bei den spekulativen Finanzanlegern drehen.

Industriemetalle

Industriemetalle: Die Stimmung der Besucher der LME Week scheint trotz der seit Juni deutlich niedrigeren Metallpreise nicht schlecht zu sein. Viele Marktteilnehmer stellen sich zudem offenbar auf zukünftig steigende Preise ein. Denn das Angebot bleibt an vielen Märkten knapp, was nicht zuletzt durch die seit Monaten sinkenden Lagerbestände angezeigt wird. Kupfer scheint sich dabei als Favorit bei den Marktteilnehmern herauszukristallisieren. Auch wir erwarten im nächsten Jahr höhere Kupferpreise. Am Rande der LME Week hat sich mit Norilsk Nickel einer der weltweit größten Nickelproduzenten zur Lage am globalen Nickelmarkt geäußert, allerdings nur sehr vage. Demnach soll es im nächsten Jahr ein Angebotsdefizit zwischen 50 Tsd. und 150 Tsd. Tonnen geben. Die Höhe des Defizits würde im Wesentlichen durch das Angebot aus Indonesien und der Nachfrage nach Nickel für Batterien bestimmt werden. Für Letztere erwartet das Unternehmen eine deutliche Abschwächung der Dynamik, da einige Länder ihre Subventionen für Elektroautos zurückschrauben würden. Das Nachfragewachstum aus diesem Bereich, das Norilsk Nickel in diesem Jahr auf 40% beziffert, ließe sich im nächsten Jahr nicht wiederholen. Die International Nickel Study Group hatte letzte Woche auf ihrer Herbsttagung für 2019 ein Defizit von 33 Tsd. Tonnen prognostiziert, deutlich niedriger als in diesem Jahr. Der Nickelpreis stand zum Wochenauftakt im Einklang mit den anderen Industriemetallen unter Druck, hat sich seitdem aber wieder erholt. Allein gestern legte er um 3,5% zu.
 
 
Erhalten von der Commerzbank am 10.10.2018 um 14.43 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 10.10.2018 um 15.53 Uhr.
 
Bitte beachten Sie den Disclaimer und die Risikohinweise
Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu Interessenkonflikten