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Gastbeitrag von Ellwanger & Geiger · 29. März 2017

Willkommen in der Realität

Schattenbild von Trump vor der US-Flagge
Quelle: Shutterstock
Spätestens am vergangenen Wochenende ist Donald Trump in der politischen Realität angekommen. Das Scheitern der Gesundheitsreform nährt ernste Bedenken in Bezug auf die „Deal-Maker-Qualitäten“ des Präsidenten. Das Korrekturpotenzial steigt.

- zum Autor: Michael Beck ist Leiter Asset Management bei Ellwanger & Geiger -
 
Nun schleichen sich bei internationalen Anlegern erste Zweifel an den Dealmaker-Kompetenzen des 45. US-Präsidenten Donald Trump ein. Gesprungen als Tiger, der mal eben seine Wahlkampfversprechen im Handumdrehen einlösen wollte, scheint er nun als Bettvorleger gelandet zu sein. Nicht nur sein zweimaliges Scheitern im Zusammenhang mit dem umstrittenen Einreiseverbot für Bürger von sechs weitgehend muslimischen Staaten lässt aufhorchen. Auch das spektakuläre Scheitern der Abschaffung des "Obamacare“-Gesundheitspakets war so nicht erwartet worden. Nun wartet die Investorenwelt auf die wichtige Umsetzung der Steuersenkungspläne und  Infrastrukturmaßnahmen, die jene Wirtschaftsimpulse bringen sollen, die weitgehend für die seit Trumps Wahl stark gestiegenen Aktienkurse gesorgt haben.

Saarland überrascht

Politische Überraschungen prägen somit auch das Jahr 2017. Die Saarlandwahl zumindest überraschte mit einem deutlichen Sieg der Union. Erwarten konnte man das nicht unbedingt, nachdem die Wochen vorher der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz für Furore und sprunghaft steigende Umfragewerte für die SPD gesorgt hatte.

Korrekturpotenzial steigt

Was bedeutet das für die Märkte? In den USA scheint sich Korrekturpotential aufzubauen, weil der neue Präsident mit der Fertigstellung seines  Wahlkampfeinlösungsgebäudes nicht nur in Verzug kommt, sondern auch massive Umplanungen vornehmen muss. In Europa bzw. Deutschland kommen die jüngsten Entwicklungen in den Niederlanden und Deutschland gut an, da moderate Kräfte gestärkt und links- bzw. rechtsaußengerichtete Parteien weniger goutiert werden. Die rot-rote/rot-rot-grüne Option nach der krachenden Saarland-Niederlage scheint bei der Bundestagswahl eher unwahrscheinlicher zu werden. Dies stützt die Aktienmärkte, da eher stabile und wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen erwartet werden. Eine Fortführung der Seitwärtsbewegung mit eher niedrigen Volatilitäten dürfte uns die nächsten Wochen erwarten.