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Gastbeitrag Commerzbank · 07.01.2019 15:06 Uhr

Rohstoffe – Volatiler Jahresauftakt

Öl und Gold im Fokus
Quelle: ikayaki / Shutterstock
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Das neue Börsenjahr beginnt, wie das alte aufgehört hat: Es bleibt volatil. Wie ist derzeit die Situation an den Rohstoffmärkten einzuschätzen? Bleibt der Ölpreis weiterhin so volatil? Setzt der Goldpreis seine Jahresendrally fort?

-zum Autor: Eugen Weinberg ist Leiter Rohstoffanalyse, CM Research bei der Commerzbank-
 
Die Ölpreise waren über den Jahreswechsel von einer außerordentlich hohen Volatilität gekennzeichnet. Die tägliche Preisveränderung belief sich an einigen Tagen auf 3-4 USD, wobei die Ölpreise den Aktienmärkten folgten. Der Ausverkauf an den US-Aktienmärkten Ende Dezember löste Konjunkturängste und Sorgen vor einer Abschwächung der Ölnachfrage aus. Kurz vor Weihnachten markierte Brent knapp unterhalb von 50 USD je Barrel das Tief. Von diesem hat es sich seither merklich erholt. Aktuell notiert Brent wieder bei gut 58 USD. Zum einen haben sich die US-Aktienmärkte am Freitag merklich erholt, nachdem die US-Arbeitsmarktdaten deutlich positiv überraschten und Fed-Chairman Powell eine Zinspause in Aussicht gestellt hat. Zum anderen gab es Rückenwind durch eine bereits im Dezember kräftig gesunkene OPEC-Ölproduktion. Laut einer Reuters-Umfrage produzierte die OPEC im letzten Monat 460 Tsd. Barrel pro Tag weniger als im Vormonat. Das war der stärkste Monatsrückgang seit Januar 2017. Allein Saudi-Arabien reduzierte sein Ölangebot um 400 Tsd. Barrel pro Tag. Im Januar ist mit einem weiteren Rückgang zu rechnen, da in diesem Monat die vereinbarten Produktionskürzungen in Kraft treten. Werden diese von der OPEC und den verbündeten Nicht-OPEC-Ländern ähnlich konsequent umgesetzt wie beim Abkommen vor zwei Jahren, dürfte der Ölmarkt im Verlauf des ersten Halbjahres wieder ins Gleichgewicht kommen. Möglicherweise leistet auch eine weniger stark steigende US-Ölproduktion einen Beitrag hierzu. Zumindest ist die Bohraktivität in der letzten Berichtswoche laut Baker Hughes merklich gefallen, was auf die bis zuletzt niedrigen Preise zurückzuführen sein dürfte.
 

Gold: Was kommt nach der Jahresschlussrally?

Gold hat schlussendlich doch noch die von uns lange Zeit erwartete Jahresendrally hingelegt. Zum Jahresauftakt setzt es seinen Aufwärtstrend fort und ist am Freitag bis auf fast 1.300 USD je Feinunze und damit ein 6½-Monatshoch gestiegen. Der starke offizielle US-Arbeitsmarktbericht für Dezember verhinderte allerdings einen Sprung über diese Marke. Später erhielt der Goldpreis aber wieder Unterstützung durch Aussagen des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell, wonach die US-Notenbank mit ihrer Zinspolitik flexibel sei. Wir gehen davon aus, dass die Fed in ihrem Zinserhöhungszyklus zunächst eine Pause einlegen wird. Gold profitiert seit einiger Zeit generell vom volatilen Marktumfeld und der Verunsicherung der Marktteilnehmer. Zeitweise sehr schwache Aktienmärkte und fallende Anleiherenditen drückten Konjunktursorgen der Marktteilnehmer aus. Ebenso wirkt sich der sog. government shutdown in den USA positiv auf Gold aus. Denn Gold ist als sicherer Hafen gefragt, was sich auch in ETF-Zuflüssen widerspiegelt – laut Bloomberg allein seit Jahresbeginn 18,6 Tonnen. Zudem hat sich das charttechnische Bild deutlich aufgehellt, nachdem Gold Mitte Dezember die wichtige 200-Tage-Linie überwunden hatte. In der letzten Woche stemmte es sich auch erfolgreich gegen den zeitweise aufwertenden US-Dollar. Dies hatte zur Folge, dass Gold in Euro gerechnet bis auf knapp 1.140 EUR je Feinunze stieg, der höchste Stand seit 1½ Jahren.

Industriemetalle: Sorgen um China belasten

Sorgen über den Zustand der chinesischen Wirtschaft – sowohl der offizielle als auch der von Caixin erhobene Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe sind im Dezember unter die Marke von 50 gerutscht, die Expansion anzeigt – führten gleich zu Jahresbeginn zu einem weiteren Rückgang der Metallpreise. Belastend wirkte zudem der feste US-Dollar. Die Metallpreise setzten somit zunächst ihren Trend der letzten Monate fort. Der LME-Industriemetallindex war letzte Woche auf ein 1½-Jahrestief gefallen. Das Index-Schwergewicht Aluminium rutschte erstmals seit zwei Jahren vorübergehend unter die Marke von 1.800 USD je Tonne. Ende letzter Woche gab es dann aber eine Erholungsrally und die Metallpreise legen auch zu Beginn der neuen Handelswoche zu. Aluminium kostet rund 1.880 USD, Kupfer nähert sich wieder der 6.000 USD-Marke. Die chinesische Zentralbank hatte am Freitag angekündigt, erneut die Mindestreserveanforderungen für Banken zu senken, um die Liquiditätssituation vor dem chinesischen Neujahrsfest, das am 5. Februar stattfindet, zu verbessern. Damit unterstützt sie zugleich die Wirtschaft, da die Banken mehr Kredite herausgeben können. Ab heute finden in Peking auf stellvertretender Ministerebene Gespräche im Handelsstreit zwischen den USA und China statt. Gemeinsam mit festen Aktienmärkten rund um den Globus, die eine höhere Risikostimmung der Marktteilnehmer ausdrücken, gibt dies den Metallpreisen Auftrieb.
 
Erhalten von der Commerzbank am 07.01.2019 um 11:27 Uhr.
Veröffentlicht durch die Börse Stuttgart am 07.01.2019 um 15:02 Uhr.
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