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Gastbeitrag Commerzbank · 08.01.2019 10:18 Uhr

Neues Jahr, alter Brexit

Pfund-Münze auf einem Linien-Chart
Quelle: Valeri Potapova/Shutterstock
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Das Jahr ist noch jung, viele Probleme sind alt. Heute in einer Woche will das britische Unterhaus über das Brexit-Abkommen abstimmen. Der Ausgang der Wahl ist weiterhin unsicher. Das macht es auch für das britische Pfund nicht einfacher...

-zum Autor: Thu Lan Nguyen ist Analyst FX & EM Research bei der Commerzbank-
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In genau einer Woche am 15. Januar soll das britische Unterhaus nun über das von Premierministerin Theresa May ausgehandelte Austrittsabkommen abstimmen. Die Chancen für ein „Ja“ stehen nach wie vor überaus schlecht. Entsprechend liegt der Fokus des Marktes auch weniger auf der Abstimmung – zumal der ein oder andere nach wie vor Zweifel hegen dürfte, dass sie überhaupt stattfinden wird – sondern vielmehr darauf, was danach folgt. Die Unsicherheit bleibt hoch, da sich bisher noch kein klarer Plan B herauskristallisiert hat. Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass die britischen Parlamentarier vollkommen gespalten darüber sind, wie der Brexit denn nun aussehen, bzw. ob er denn überhaupt stattfinden soll. Bis dato schien zumindest noch Einigkeit darüber zu bestehen, dass ein No-Deal-Brexit, also ein ungeordneter Brexit, unter allen Umständen verhindert werden soll. Doch insbesondere innerhalb der Tory-Partei scheinen die Meinungen immer weiter zu divergieren anstatt zusammenzulaufen. Während sich auf der einen Seite die Brexit-Befürworter für einen No-Deal-Brexit, also einen ungeordneten Austritt aus der EU, zu erwärmen scheinen, versuchen ihre EU-freundlichen Parteikollegen durch Gesetzesergänzungen genau dieses Szenario möglichst zu verhindern. Anstatt sich auf eine Linie zu einigen, wird offensichtlich eher gegeneinander gearbeitet. Verlässliche GBP-Prognosen lassen sich unter diesen Umständen weiterhin nicht machen. Von einem ins Unendliche hinausgezögerten Brexit, zu einer gütlichen Einigung bis hin zu einem harten Brexit ist nach wie vor alles drin, womit auch die Aussichten für das Pfund zwischen Erholungsrallye bis zur Währungskrise rangieren. Wir können uns lediglich sicher sein, dass die impliziten Wechselkursvolatilitäten vorerst auf hohen Niveaus verharren.

US-Dollar: Risk-On-Rally hielt nicht lange an

Die Risk-On-Rallye hielt nicht lange an. Auch wenn optimistische Töne von der US-Seite mit Blick auf die Verhandlungen mit China zu hören sind, zeigen sich die Investoren doch nach wie vor skeptisch. Es gilt: Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach, soll heißen: Gewinne werden erst einmal mitgenommen. Denn abgesehen davon, dass weiterhin das Risiko besteht, dass die Verhandlungen am Ende doch noch scheitern und der Handelsstreit zwischen den USA und China weiter eskaliert, besteht auch nach wie vor Unklarheit über den Zustand der US-Wirtschaft. Nach dem bombenstarken US-Arbeitsmarktbericht sind Rezessionsängste zwar fürs erste zerstreut worden. Doch vollkommen verschwunden dürften die Sorgen des Marktes nicht sein. Erschwert wird die Sache nun dadurch, dass aufgrund des Government Shutdowns die Veröffentlichung einiger wichtiger Wirtschaftsdaten verschoben werden musste. Vorerst muss der Markt damit mehr oder weniger im Dunkeln tappen. Auch das ist nicht gerade förderlich für den Risikoappetit. Noch kann sich der US-Dollar in diesem Umfeld aufgrund seines Status als sicherer Hafen gut halten. Doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Fassade bröckelt.
 
Erhalten von der Commerzbank am 08.01.2019 um 09:47 Uhr.
Veröffentlicht durch Börse Stuttgart am 08.01.2019 um 10:20 Uhr.
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