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Wie läuft ein solcher ab? · 30. März 2017

Dividendenabschlag

gestapelte Geldmünzen
Quelle: Shutterstock
Viele Anleger haben sich heute über das plötzliche Minus der Daimler Aktie verwundert die Augen gerieben. Doch es besteht kein Grund zur Beunruhigung: Der Kursverlust ist lediglich auf den Dividendenabschlag zurückzuführen.

- von Sina Raich, Börse Stuttgart News Redaktion -
Unter Dividendenabschlag versteht man denjenigen Betrag, um den der Kurs einer Aktie am Tag nach der Hauptversammlung aufgrund der Dividendenzahlung fällt. Er entspricht dabei meist der Bruttogewinnausschüttung. Der fallende Kurs entsteht, weil die Aktie ohne den Anspruch auf eine Dividende weniger wert ist als mit einer ausstehenden Dividendenzahlung. Der entsprechende Wert der Dividende wird vom Aktienkurs abgeschlagen – kein echter Kursverlust also, sondern eher ein „optisches Minus“.

Wie entsteht der Dividendenabschlag?

Der Abschlagsvorgang wird nicht manuell ausgeführt. Stattdessen entsteht er durch die Orderanpassung von Käufer und Verkäufer. Diese Anpassung kann anhand eines Beispiels verdeutlicht werden: Der Käufer rechnet mit einer Dividende von 5 Euro pro Aktie und würde eine Aktie zum Stichtag für 70 Euro erwerben. Nach der Dividendenausschüttung würde er jedoch nur noch 65 Euro zahlen. Der Käufer senkt seinen also Kaufantrag und passt ihn um die ausgeschüttete Dividende an. So nimmt er den Dividendenabschlag vor. Die Überlegung dahinter ist vergleichsweise simpel: Durch den nun fehlenden Anspruch auf eine Dividendenzahlung ist das Wertpapier faktisch weniger wert, als wenn eine solche Ausschüttung noch bevor stünde.
Umgekehrt geschieht dasselbe auf der Verkäuferseite. Der Verkäufer passt seine Verkaufsorder entsprechend der Ausschüttung an. Aus diesem Vorgehen entsteht der neue Kurs der Aktie. Der Dividendenabschlag erfolgt demnach durch die Marktteilnehmer selbst, und nicht durch die Börse. An der Börse wird eine solche Aktie nach dem Dividendenabschlag jedoch kurzzeitig vom Handel ausgesetzt und alle bestehenden Orders werden gelöscht. So bekommt jeder Marktteilnehmer die Möglichkeit, auf die nun neue Situation zu reagieren.
Im Zuge eines Dividendenabschlags erhält die Aktie an der Börse die Kennzeichnung „ex Dividende“, kurz „EXDI“ oder „ExDiv“.

Wie häufig erfolgt ein Dividendenabschlag?

Der Dividendenabschlag erfolgt in Deutschland immer am Tag nach der Hauptversammlung – und somit ein Mal im Jahr. Die Höhe der Dividende wird vom Vorstand und Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft vorgeschlagen und von der Hauptversammlung, sprich den Aktionären, mit einfacher Mehrheit beschlossen.
In vielen Ländern gelten jedoch abweichende Regeln. So werden beispielsweise auf dem amerikanischen oder britischen Markt die Dividenden oftmals quartalsweise ausgezahlt, in manchen Fällen sogar monatlich.

Wann werden Dividenden in Deutschland ausgezahlt?

Bis Ende 2016 war es üblich, die Dividende am Folgetag der Hauptversammlung auszuzahlen. Seit dem 1. Januar 2017 tritt nach Paragraph 58 des Aktiengesetzes bei deutschen Unternehmen die Zahlungsfälligkeit erst am dritten Geschäftstag nach dem Aktionärstreffen ein. Man folgt damit einer Richtlinie der EU die Dividendenzahlungen europaweit zu harmonisieren. Der Abschlag erfolgt allerdings bei deutschen Unternehmen weiter, wie gewohnt, am ersten Tag nach der Hauptversammlung.