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Expansive Geldpolitik soll andauern · 31. März 2017

EZB erhöht Druck auf Anleger

EZB-Symbol in Frankfurt
Quelle: Shutterstock
Die EZB will offenbar weiter an ihrem aktuellen geldpolitischen Kurs festhalten. Gleich mehrere Top-Notenbanker sprachen sich für ein Festhalten an der ultralockeren Geldpolitik aus. Die Folgen für Anleger könnten gravierend sein.

"Es ist wichtig, dass Notenbanken eine Politik der ruhigen Hand verfolgen", so Österreichs Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny gegenüber dem Nachrichtenagentur Reuters. Die Strategie für 2017 sei weitestgehend fixiert und es gebe aktuell keinen Grund von diesen Vorgaben abzurücken, so Nowotny weiter. Unterstützung erhält Nowotny von seinem finnischen Amtskollegen. Erkki Liikanen konstatiert, dass die EZB zu ihren Zusagen stehen müsse. Welche Zusagen meint der Finne? Auf der vergangenen EZB-Zinssitzung im März bekräftige Mario Draghi noch einmal, dass man, auch über das Ende des Anleihekaufprogramms hinaus, die Leitzinsen „auf dem aktuellen Niveau oder sogar noch niedriger“ halten werde.

Notenbanker sehen "keine Inflationsdynamik"

Die jüngsten Wirtschaftsdaten bekräftigen scheinbar den eingeschlagenen Kurs der EZB. Zudem haben die Kritiker einer solch ultralockeren Geldpolitik in dieser Woche ein entscheidendes Argument verloren: Wie das statistische Bundesamt in dieser Woche mitteilte, lässt der Teuerungsdruck in Deutschland mittlerweile wieder etwas nach. Erstmal seit knapp einem Jahr gingen die Inflationsraten wieder leicht zurück. Für heute werden noch die Inflationsraten für den gesamten Europäischen Wirtschaftsraum (EWU) erwartet. Experten rechnen auch hier mit einem leichten Rückgang. Dennoch dürfte die Inflationsrate ziemlich nahe am EZB-Zielkorridor von 2,0 Prozent liegen. Insofern überraschen die Aussagen des EZB-Chefvolkswirten Peter Praet ein wenig, der konstatiert, dass die Inflationsdynamik im Euroraum noch immer ein wenig verhalten sei. Zudem sei diese Dynamik vor allem temporär durch die gestiegenen Ölpreise getrieben. „Die sich festigende Erholung hat sich noch nicht übertragen in eine dauerhafte Verstärkung der Inflationsdynamik", so der Ökonom gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Gravierende Folgen für Privatanleger

Für Privatanleger hat die aktuelle Situation jedoch gravierende Folgen. Angesichts steigender Inflationsraten entwickelt sich die aktuelle Nullzinspolitik der EZB zu einem schleichen Gift für jedes Depot. Auf dem aktuellen Inflationsniveau müsste ein deutscher Anleger mindestens 1,6 Prozent Rendite erwirtschaften, nur um den realen Kaufwert seines Vermögens zu erhalten. Abzüglich Steuer und sonstigen Gebühren versteht sich. Erschwert wird die Situation zusätzlich durch das Anleihekaufprogramm der EZB. Noch immer kaufen die Notenbanker jeden Monat Anleihen im Gegenwert von 60 Milliarden Euro auf. Dabei wurde das Programm schon um 20 Milliarden Euro reduziert. Der Markt für, vermeintlich sichere, Rentenpapiere ist mittlerweile wie leergefegt. Der EZB sei Dank. Selbst Unternehmensanleihen von Konzernen aus der zweiten oder dritten Börsenreihe werfen mittlerweile kaum mehr Renditen ab, die die aktuellen Inflationsraten ausgleichen könnten. Für Privatanleger keine einfache Situation. Mittlerweile sind diese fast schon gezwungen immer höhere Risiken einzugehen, nur um den Erhalt ihres Vermögens zu sichern. Andererseits scheint dieses Bewusstsein in Deutschland noch immer nicht besonders ausgeprägt. Die Aktionärszahlen in Deutschland stagnieren bekanntermaßen seit vielen Jahren. Zudem werden die DAX-Unternehmen in den kommenden Wochen wieder einmal Rekorddividenden ausschütten. Dividendenrenditen im Bereich von vier oder auch fünf Prozent sind selbst bei DAX-Unternehmen mittlerweile keine Seltenheit mehr. Das tragische ist jedoch, dass viele Deutsche nichts von diesen Ausschüttungen haben werden. Wie die boerse.ard in dieser Woche berichtete, werden – mal wieder – gut 70 Prozent dieser Dividenden ins Ausland abfließen.