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Tesla überholt Ford · 04. April 2017

USA: Autoverkäufe gehen zurück

Auto auf US-Flagge
Quelle: Shutterstock
Die Autoverkäufe in den USA haben sich im März leicht schwächer entwickelt. Die deutschen Autobauer scheint das jedoch eher wenig zu kümmern. Vor allem BMW und Daimler stehen immer noch prächtig da.

- von Thomas Zuleck, Börse Stuttgart News Redaktion -
„Der März war hart, hart, hart", sagte die Vizepräsidentin für den US-Markt bei Nissan, Judy Wheeler, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Zwar konnte Nissan seine Absätze um mehr als drei Prozent steigern, allerdings nur unter höheren Preisnachlässen als zuletzt. Der Rabatt pro Fahrzeug lag zuletzt bei rund 400 US-Dollar, so Nissan. Weitaus schlimmer erwischte es Ford. Beim US-Autobauer brachen die Umsätze um ganze sieben Prozent ein. Die Reaktion an der Börse ließ nicht lange auf sich warten und Ford-Aktien verloren gut 2,5 Prozent an Wert, was, zumindest für Traditionalisten, für eine fast schon paradoxe Situation sorgte. Das 1903 gegründete Traditionsunternehmen war erstmals weniger Wert, als der „Emporkömmling“ Tesla, dessen Aktien nach einem Rekordquartal zuletzt um rund 5,7 Prozent zulegen konnten. Zum Vergleich: Trotz des Absatzeinbruchs verkaufte Ford im März immer noch gut 236.000 Fahrzeuge. Tesla erzielte mit 25.000 verkauften Autos in einem Quartal einen neuen Absatzrekord. Ford erzielte in den vergangenen Jahren einen Nettogewinn von 26 Milliarden US-Dollar. Tesla machte im selben Zeitraum einen Verlust von 2,3 Milliarden US-Dollar. Und auch der Umsatz von Ford ist mehr als 20-mal höher als derjenige von Tesla. Doch die harten Fakten scheinen an der Börse derzeit kaum jemanden zu interessieren. Die Mischung aus Fantasie, ein bisschen Elon Musk und vermeintlich guten Zukunftsperspektiven, scheint vielen Anlegern derzeit deutlich attraktiver als ein Traditionsunternehmen mit einem eher angestaubten Image.

Deutsche Autobauer legen zu

Für die deutschen Autobauer läuft es in den USA währenddessen gar nicht einmal so schlecht. Volkswagen und die Tochter Audi konnten ein Plus von 2,7 beziehungsweise 1,7 Prozent erzielen. Daimler und BMW setzten sogar 3,3 beziehungsweise 3,5 Prozent mehr Fahrzeuge als im Vorjahresvergleichszeitraum ab. Im Gegensatz zu Nissan stimmen bei BMW und Daimler auch noch die Margen. Wie eine, bereits gestern veröffentlichte, Aufstellung der Unternehmensberatung Ernst & Young zeigt, fuhren die beiden Premiumhersteller zuletzt die größten Gewinne ein. So kommt BMW auf einen Gewinnanteil, gerechnet auf den Umsatz, von zehn Prozent. Daimler kommt immerhin auf einen Anteil von 8,4 Prozent.

Autobranche vor schwerem Jahr

Beim Ausblick gibt sich die Branche jedoch eher moderat optimistisch. Die weltweiten Absätze konnten in den ersten beiden Monaten dieses Jahres nur um gut ein Prozent zulegen. Wie oben bereits dargelegt, zeigt insbesondere der US-Markt erste kleinere Schwächen. In China sieht es zwar immer noch sehr ordentlich aus, doch auch die Chinesen kaufen sich mittlerweile nicht mehr jedes Auto, zu jedem Preis. Auch Abseits schwächerer Wachstumsaussichten werden, insbesondere deutsche Autobauer, in den kommenden Monaten wieder mehr Geld in die Forschung investieren müssen. Die Diskussionen um Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge werden nicht nur die Absätze in Europa zusätzlich belasten, sie erfordern auch ganz sicher ein Umdenken in den Konzernzentralen in Stuttgart und Wolfsburg. Doch ein solches Umdenken wird aller Voraussicht nicht ganz billig werden.