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Prof. Dr. Lars Feld: Bedeutung des Börsenpreises muss wieder gestärkt werden

Studie: Fragmentierung des Handels beeinträchtigt die effiziente und transparente Preisfeststellung // Privatanleger sind Leidtragende // Akuter Korrekturbedarf der Regulierung notwendig

Seit einigen Jahren führt die Regulierung der Finanzmärkte zu Verzerrungen, die sich negativ auf die Signalfunktion des öffentlich-rechtlichen Börsenpreises auswirken. Erfüllt der Börsenpreis im heutigen Wertpapierhandel noch seine gesetzlich vorgeschriebene Rolle? Beeinflussen Schattenmärkte und außerbörslicher Handel eine ordnungsgemäße Preisbildung an den regulierten Börsen? Wie wirkt sich die zunehmende Fragmentierung der Finanzmärkte auf das deutsche Börsenwesen aus? Diese Fragestellungen rund um das Zustandekommen von Marktpreisen untersuchte Prof. Dr. Lars P. Feld, Direktor des Walter Eucken Instituts und Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, im Rahmen seiner Studie über die „Notwendigkeit zur Reform des ordnungspolitischen Rahmens für den Wertpapierhandel“. Der Projektbericht verdeutlicht einen akuten Handlungsbedarf.

„Voraussetzung für funktionsfähige Finanzmärkte sind informationseffiziente Preise, die ordnungsgemäß zustande kommen und die tatsächliche Marktlage widerspiegeln“, sagt Prof. Dr. Lars Feld. „Eine neutrale Preisermittlung fördert die Transparenz und Chancengleichheit aller Marktteilnehmer“, sagt der Wirtschaftsweise. Denn „alle wirtschaftliche Aktivität wird über das Preissystem koordiniert: Preise vermitteln Informationen über die relative Knappheit von Gütern und bilden so die Grundlage für die individuellen Entscheidungen der Marktteilnehmer“, so Lars Feld.

Durch die Entwicklungen der letzten Jahre ist die Preisfindung jedoch zunehmend aus dem Gleichgewicht geraten. „Hierzu zählt vor allem das Aufkommen von außerbörslichen Handelsplätzen, die nur sehr wenig öffentlich zugängliche Informationen generieren und somit die Funktionsweise des Preismechanismus einschränken“, meint Feld. Aus Sicht des Ökonomen muss der Schwerpunkt deshalb auf einer Börsenregulierung liegen, „die einen diskriminierungsfreien Zugang aller Marktteilnehmer zu Börsengeschäften ermöglicht und gleichzeitig dazu beiträgt, dass die Preisfindung auf Börsen unverzerrt stattfinden kann und möglichst alle relevanten Informationen herangezogen werden können.“

„Trotz der Re-Regulierungsbemühungen beobachten wir weiterhin ein stetiges Wachstum an wenig regulierten, intransparenten Schattenmärkten“, sagt Oliver Hans, Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse GmbH. „Dadurch besteht die Gefahr, dass die Aussagekraft eines Börsenpreises, der auf einer multilateralen und regulierten öffentlich-rechtlichen Handelsplattform festgestellt wird, erheblich reduziert wird.“ Ob solche Preise ihre volkswirtschaftliche Funktion noch erfüllen können, sei damit zu hinterfragen.

Um eine verlässliche Marktordnung wiederherstellen zu können, müssen vor allem die öffentlich-rechtlichen Börsen in ihrer Rolle als zentraler Marktplatz gestärkt werden. Nur so ließe sich eine faire und transparente Preisfeststellung und damit letztlich ein größerer Schutz des Anlegers sicherstellen.

Die Studie wurde von der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e.V. in Auftrag gegeben. Damit sollen Impulse gesetzt werden, um den Blick wieder stärker auf die Preisfeststellung als zentrale Säule des Wertpapierhandels zu richten.

Über die Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e.V.
Die Vereinigung hat den satzungsgemäßen Auftrag, unmittelbar oder mittelbar Börsen, insbesondere die Baden-Württembergische Wertpapierbörse, und außerbörsliche Handelssysteme zu betreiben. Darüber hinaus ist es gemäß ihrer Satzung Zweck der Vereinigung, die Stellung der Region Stuttgart und des Landes Baden-Württemberg als Standort von Dienstleistungen der Finanzwirtschaft, namentlich börsennahen Dienstleistungen, zum Wohle der Bürger und der Wirtschaft zu fördern. Soweit hiermit die Unterhaltung eines eigenen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs einhergeht, bedient sich die Vereinigung Tochtergesellschaften.

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