Geschichte der Börse Stuttgart



1853-1882

1853

Ferdinand von Steinbeis, Präsident der 1848 gegründeten Zentralstelle für Gewerbe und Handel (später Landesgewerbeamt), initiiert die Gründung einer Börse. Seine Bemühungen bleiben vorerst erfolglos.

4. Februar 1860
Vertreter von 57 Unternehmen aus Württemberg, Baden, Hohenzollern und Bayern, darunter vor allem bedeutende Textilunternehmen, gründen im Stuttgarter Königsbau einen Industriebörsenverein, der hier auch seinen Sitz hat. Initiatoren sind der Textilfabrikant Arnold Staub und Ferdinand von Steinbeis.

12. März 1860
Eröffnung der Warenbörse. Fortan findet am ersten Montag eines jeden Monats eine Börsenversammlung statt. Gehandelt werden vor allem Baumwolle, Baumwollgewebe und Farbwaren. Die Warenbörse präsentiert sich unter dem Namen „Stuttgarter Industriebörsen-Verein“ der Öffentlichkeit. Unabhängig von der Industriebörse wird eine Landesproduktenbörse für den Getreide- und Mehlgroßhandel gegründet. Beide Börsen werden im neu eröffneten Café Königsbau abgehalten.

29. Oktober 1860
Ein konstituierendes Komitee, bestehend aus namhaften Stuttgarter Privatbankiers, legt dem Ministerium des Innern ein Börsenstatut und eine Börsenordnung vor. Die Satzungen gelten für die Industriebörse und für die geplante Effektenbörse (Wertpapierbörse). Beide Börsen werden wenig später unter dem Namen „Börsenverein“ zusammengefasst.

11. Februar 1861
Die eigentliche Geburtsstunde der Wertpapierbörse Stuttgart: Gründung des „Stuttgarter Börsenvereins“ und Eröffnung der Vorgängerin der heutigen Baden-Württembergischen
Wertpapierbörse. Anders als die Waren- und Industriebörse arbeitet die Wertpapierbörse als Tagesbörse, d. h. im Gegensatz zur Warenbörse findet der Handel täglich statt. Die Börsensitzungen der Industrie- und der Wertpapierbörse werden im Königsbau abgehalten. Beide Börsen haben in den ersten 20 Jahren ihres Bestehens einen gemeinsamen Ausschuss. Der erste Präsident dieses Ausschusses und damit der Stuttgarter Börse ist Karl Freiherr Varnbüler von und zu Hemmingen. Die Konstituierung der Tagesbörse erfolgt auf Initiative und unter Beteiligung der wichtigsten Stuttgarter Banken wie Doertenbach & Co, Kaulla & Co, Pflaum, G. H. Keller‘s Söhne, Allgemeine Rentenanstalt (aufgegangen in der Wüstenrot & Württembergische AG) und Stahl & Federer. Die Börsensitzungen werden durch das Läuten einer Glocke um 14.00 Uhr eröffnet und ebenso nach einstündigem Handel wieder beendet. Auch Frauen können Mitglied des Börsenvereins werden, müssen sich aber bis 1921 im Börsensaal von Männern vertreten lassen. Bereits wenige Tage nach Eröffnung der Börse befinden sich im ersten inoffiziellen Kursblatt des Schwäbischen Merkur 71 Werte, darunter vor allem in- und ausländische Anleihen. Einheimische Aktienwerte sind die Kammgarnspinnerei Bietigheim, die Maschinenfabrik Esslingen, die Baumwollspinnerei und Weberei Ettlingen, die Kattun-Manufaktur Heidenheim sowie die d’Ambly AG. Auch Staatspapiere des Königreichs Württemberg spielen eine wichtige Rolle.

4. August 1865
Im Regierungsblatt des Königreichs Württemberg werden die gesetzlichen Grundlagen für die Börsen veröffentlicht.

1866
Erscheinen eines täglichen Börsenkursblattes, das von den maßgeblichen württembergischen Tageszeitungen abgedruckt wird. Bis 1874 werden 24 Aktiengesellschaften in Württemberg gegründet.

1869
Gründung der Württembergischen Vereinsbank, der ersten Aktienbank in Württemberg, die sich auf die langfristige Industriefinanzierung konzentriert. Sie ist eine der Rechtsvorgängerinnen der Deutschen Bank und spielte eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Stuttgarter Börse.

1871
Der Börsenverein setzt sich für die Gründung der Württembergischen Notenbank ein (ab 1935 Württembergische Bank, ab 1977 Baden-Württembergische Bank, heute LBBW).

1871
Im „Gründungsfieber“ nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Gründung des Deutschen Reichs entsteht auch in Württemberg eine Vielzahl neuer Aktiengesellschaften. Allerdings findet dieser Aufschwung mit der „Gründerkrise“ im Mai 1873 ein jähes Ende.

1874
Einführung einer Frühbörse von 11.00 Uhr bis 12.00 Uhr, die sich aber nicht durchsetzen kann.

1876
Der Börsenverein setzt sich für die Errichtung einer Hauptstelle der Reichsbank in Stuttgart ein.

15. Mai 1877
Verleihung der Eigenschaft eines öffentlichen Börsenvereins an den Stuttgarter Börsenverein. Der württembergische König Karl I. und die Stuttgarter Stadtverwaltung genehmigen eine Börsen- und Maklerordnung. Von nun an erkennen auch die Stuttgarter Gerichte die Kurse der Börse an.

1880
Die schwierige wirtschaftliche Situation seit den späten 1870er-Jahren wirkt sich so stark auf die Börsenumsätze aus, dass die Tagesbörse in Zahlungsverzug gerät. Die Mitglieder der Industriebörse trennen sich von der Tagesbörse. Die Industriebörse reorganisiert sich am 6. Dezember 1880 als Industrie- und Handelsbörse mit neuen Statuten. Sie will sich allen Zweigen der Industrie, des Handels und des Gewerbes öffnen. Ihre Sitzungen hält sie von nun an in der Liederhalle ab. Die Tagesbörse behält den Namen „Stuttgarter Börsenverein“ bei.

13. Januar 1881
Das erste Amtliche Kursblatt mit 44 notierten Werten wird veröffentlicht. Mit zwei Ausnahmen befinden sich darunter nur heimische Papiere.

6. Februar 1882
Beide Börsen tagen wieder in einem gemeinsamen Lokal, der Stuttgarter Gewerbehalle.

1886-1914

1. Januar 1886

Endgültige Trennung der beiden Börsen: Der Stuttgarter Börsenverein zieht in die Kronprinzstraße 12 um. Die Industrie- und Handelsbörse bleibt in der Gewerbehalle. Seit März 1886 ist die Börsenzeit von 10.00 Uhr bis 11.00 Uhr. Somit können Aufträge von auswärts von den Stuttgarter Banken noch am selben Tag abgewickelt werden. Seit Mitte der 1880er-Jahre blüht das Finanzierungs- und Gründungsgeschäft. Deutschland befindet sich in einer bis 1914 anhaltenden Aufschwungsphase. In Südwestdeutschland beginnt die Phase der Hochindustrialisierung. Die Textilindustrie wird als Leitsektor schrittweise abgelöst vom Maschinen- und Automobilbau, der Chemie und der Elektrotechnik.

1890
Gründung der Daimler Motoren AG in Untertürkheim und der Stuttgarter Straßenbahnen AG.

1894
Die Aktien der Maschinenfabrik Geislingen (1883 von der WMF Geislingen abgetrennt) und des Salzwerks Heilbronn kommen an die Börse. Württembergische Staatsanleihen und Stuttgarter Stadtanleihen bestimmen bis 1914 die festverzinslichen Werte. Zusammen mit den Pfandbriefen und Obligationen von Banken bilden sie das feste Rückgrat der
Stuttgarter Börse.

23. Juni 1896
Mit dem Reichsbörsengesetz wird die Börse zu einem Dienstleister mit öffentlichem Auftrag. Auch für die Stuttgarter Börse wird eine staatliche Börsenaufsicht eingerichtet. Die Börsenversammlungen erhalten eine klare Organisationsstruktur. Darüber hinaus verschärft das Börsengesetz die Bedingungen für den Terminhandel.

1897
Umbenennung der Tagesbörse von „Stuttgarter Börsenverein“ in „Stuttgarter Effektenbörse“.

1900
Die Börse zieht in ein Privathaus in der Kronprinzstraße 3. Der Kursbericht vom 3. Januar 1900 verzeichnet vor allem regionale Werte, darunter drei Brauereien, die Deutsche Verlagsanstalt und die Oberschwäbischen Zementwerke.

1903
Die jahrzehntelange große Bedeutung von Eisenbahnaktien geht zunehmend zurück. Neu in Stuttgart sind nun die Elektrizitätsaktien, die sich hoher Handelsvolumina erfreuen.

1908
Novellierung des Börsengesetzes von 1896 vor allem in Bezug auf den Börsenterminhandel.

1910
Rückkehr der Effektenbörse in den Königsbau.

1913
Das Amtliche Kursblatt der Stuttgarter Börse notiert 129 Werte, darunter 13 nichtwürttembergische.

3. August 1914
Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird der Börsenverkehr eingestellt. Wie nahezu alle deutschen Börsen bleibt die Stuttgarter Effektenbörse während des Krieges geschlossen.

1919-1935

1919

Nach Kriegsende und Revolution beginnt am 8. Januar 1919 wieder der öffentliche Verkehr in Aktienwerten. Am 1. September 1919 wird der Handel in Rentenwerten wieder aufgenommen.

1922
In der Hyperinflation wandeln sich viele Unternehmen zur Refinanzierung in Aktiengesellschaften um. Die Stuttgarter Börse erlebt ein „Spekulationsfieber“.

5. September 1923
Die Börse verlässt abermals ihren Ursprungsort und siedelt in das zuvor ausgebaute Haus der Stuttgarter Handelskammer in der Kanzleistrasse 35 über (Ecke Gewerbehallenplatz). Damit tagen alle drei Börsen in Stuttgart wieder unter einem Dach: die Effektenbörse, die Industrie- und Handelsbörse sowie die Landesproduktenbörse.

1925
Nach der Stabilisierung der Währung verzeichnet das Kursblatt der Börse 69 amtlich notierte Aktienwerte, darunter 40 einheimische. Darüber hinaus werden 94 überwiegend württembergische Werte im Freiverkehr notiert.

13. Mai 1927
Ein Kurssturz an der Berliner Börse hat auch enorme Kurseinbrüche an der Stuttgarter Börse zur Folge.

1. Mai 1928
Einführung des Terminhandels an der Stuttgarter Börse, der zu Beginn elf Werte umfasst.

25. Oktober 1929
Ein Zusammenbruch der New Yorker Börse („Schwarzer Freitag“) löst die Welt wirtschaftskrise aus. Sie trifft auch die Stuttgarter Börse, deren Umsätze beträchtlich schrumpfen.

13. Juli 1931
Weitere schwere Kursrückgänge. Die Stuttgarter Börse wird geschlossen und erst am 12. April 1932 wiedereröffnet.

1933
Erneuter Umzug der Börse in die Augustenstrasse 28. Kurz darauf zieht die Börse aber wieder in die Kanzleistraße 35 zurück. In der reglementierten Wirtschaft des NS-Regimes werden die eigentlichen Funktionen der Börse, die auf dem freien Spiel der Wirtschaftskräfte basieren, weitgehend suspendiert. Die innere Struktur der Börsen wird dem NS-Führerprinzip unterworfen. Die Börsenvorstände werden nicht mehr gewählt, sondern ernannt. Jüdische Kursmakler werden von der Mitwirkung an den deutschen Börsen ausgeschlossen.

1934
Im zentralistischen NS-Führerstaat gehen die Zuständigkeiten hinsichtlich der Regelungen für die Börsen von den Ländern auf das Reich über. Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht hat nun die Aufsicht über die Börsen.

1. Januar 1935
Das NS-Regime sieht in den Börsen einen „Tummelplatz für Spekulanten“. Im Zuge einer „Börsenreform“ wird die Zahl der Wertpapierbörsen im Deutschen Reich von 21 auf 9 reduziert. Auch die Mannheimer Börse wird geschlossen. Stuttgart bleibt auf Drängen der hiesigen Banken und der Industrie Börsenplatz. Hatte die Börse Stuttgart 1928 noch 74 Mitglieder, sind es nun nur noch 49. Seit der Gründung der Deutschen Bank in Stuttgart im Jahr 1924 übernimmt einer der Bankdirektoren des größten Bankinstituts in Südwestdeutschland auch das Amt des Präsidenten der Stuttgarter Börse. Im „Dritten Reich“ führen die Direktoren Hermann Köhler (seit 1924), Dr. Ernst Schröder (seit 1929) und Dr. Trudbert Riesterer (seit 1935) die Stuttgarter Filiale der Deutschen Bank in kollegialer Leitung. Dr. Riesterer übt das ihm 1940 übertragene Amt des Börsenpräsidenten bis 1958 jedoch nicht praktisch aus, denn er ist 1940 bereits zur Wehrmacht eingezogen. Erst im Februar 1946 kommt er aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück. Dr. Schröder, der als überzeugter Nationalsozialist gilt, geht 1938 in den Ruhestand. Ihm folgt der dem Nationalsozialismus kritisch gegenüberstehende Alfred Rosewick, seit 1937 stellvertretender Direktor der Stuttgarter Filiale. Dr. Riesterer ist ebenfalls kein NSDAP-Mitglied. Hermann Koehler wird im Oktober 1943 wegen regimekritischer Äußerungen vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 8. November 1943 hingerichtet.

1936-1951

1. September 1936

Die Effektenbörse Stuttgart wird in „Württembergische Wertpapierbörse“ umbenannt.

21. April 1938
Umzug der Börse in die Schellingstraße 6 in das Haus des Württembergischen Kunstvereins.

1939
Im „Dritten Reich“ wird immer deutlicher, dass die Börsen zu einem Instrument der staatlichen Kapitallenkung geworden sind. Die Finanzierung der Rüstung über Staatsschulden zur Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs nimmt immer größere Bedeutung an.

13. Februar 1942
Im gesamten Deutschen Reich werden die Börsentage auf Montag, Mittwoch und Freitag reduziert.

1944
Bei einem Luftangriff auf Stuttgart wird das Gebäude Schellingstraße 6 zerstört. Die Börse kommt nun in der Schellingstraße 4 unter. Kurz darauf, nach erneuter Zerstörung des Domizils, zieht sie in das Gebäude der Commerzbank in der Königstraße ein. Das Kursblatt vom August 1944 verzeichnet 54 Werte.

20. April 1945
Ein kleiner Kreis von Bankleuten findet sich einen Tag vor der Besetzung Stuttgarts durch französische Truppen zur letzten „Kriegsbörse“ zusammen. Zum letzten Mal erscheint das Amtliche Kursblatt der Württembergischen Wertpapierbörse in Stuttgart.

5. November 1945
Mit der Genehmigung der US-Militärregierung in Stuttgart nimmt die Börse im größtenteils ausgebrannten Gebäude der Württembergischen Landeskreditanstalt in der Schellingstraße 15 ihren Neubeginn. Zunächst werden nur Werte im „amtlich geregelten Freiverkehr“ gehandelt. Es erscheint wieder ein Kursblatt. Die US-Militärregierung ernennt Hans Kilian von der Reichsbank zum Vorsitzenden des Börsenausschusses. Dieser amtiert bis 31. Dezember 1948. Die Geschäfte übernimmt kommissarisch sein Stellvertreter Alfred Rosewick, der bei der ersten Hauptversammlung nach dem Krieg am 5. Mai 1949 durch die Börsenmitglieder offiziell zum Börsenpräsidenten gewählt wird. Rosewick stirbt am 3. Januar 1958.

1949
Umzug der Börse in das Haus der Württembergischen Hypothekenbank in der Büchsenstraße 26. Umbenennung in „Wertpapierbörse in Stuttgart“ am 7. Juni 1949.

1. März 1950
Die Währungsreform von 1948 und die Wertpapierbereinigung haben zur Folge, dass nun erst wieder ein amtlicher Börsenverkehr aufgenommen werden kann. Es erscheint wieder ein Amtliches Kursblatt.

1951
An der Börse Stuttgart sind zwei amtliche Makler tätig.

1956-1979

6. Februar 1956

Umzug in den Neubau der Württembergischen Hypothekenbank in der Heustraße 1. Die Anzahl der amtlichen Makler ist auf drei angestiegen. Als einzige Börse Deutschlands ist die Stuttgarter Börse weiterhin eine „Sitzbörse“. Das heißt, dass die 20 bis 40 Händler in Reih und Glied – wie im Klassenzimmer – sitzen. Der Handel von Renten und Aktien wird zeitlich nacheinander vorgenommen. Als regionale Wertpapierbörse ist die Börse Stuttgart für die Finanzierung der südwestdeutschen Industrie im „Wirtschaftswunder“ von erheblicher Bedeutung. Die traditionell hohe Sparquote in Südwestdeutschland sichert der Börse darüber hinaus ein breites und aufnahmefähiges Publikum. Es wird durch die Popularisierung der Aktie und des Sparens in festverzinslichen Wertpapieren stetig größer.

1958
Nach dem Tod von Alfred Rosewick wird Dr. Trudbert Riesterer als Direktor der Stuttgarter Filiale der Deutschen Bank auch Präsident der Börse Stuttgart.

1961
Die Börse Stuttgart feiert ihren 100. Geburtstag. Die volkswirtschaftlichen Fakultäten der Universitäten und Technischen Hochschulen des Landes erhalten eine Jubiläumsstiftung von 125 000 D-Mark. Auf eine Feier wird verzichtet. Allerdings tagt in Stuttgart anlässlich des Jubiläums die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Wertpapierbörsen. Im Jubiläumsjahr werden an der Stuttgarter Börse 140 Aktienwerte notiert, die ein Kapital von 6,8 Milliarden D-Mark repräsentieren. Darüber hinaus werden 550 festverzinsliche Wertpapiere notiert.

1963/1964
Erhard Elger (1907–1964) folgt als Präsident der Börse auf Dr. Trudbert Riesterer. Die „Ära Riesterer“ bei der Deutschen Bank in Stuttgart (1935–1963) und bei der Börse (1958–1963) geht damit zu Ende. Elger amtiert nur etwas mehr als ein Jahr, bevor er im September 1964 im Alter von nur 57 Jahren stirbt.

22. Juni 1964
Dr. Nikolaus Kunkel (1920–2005), Direktor der Stuttgarter Filiale der Deutschen Bank, wird Präsident der Börse Stuttgart.

4. Juni 1965
Nach der Erweiterung der Börsenräume in der Heustraße 1/ Kienestraße 33 wird die Sitzbörse teilweise aufgegeben.

17. Oktober 1966
Aufgrund der Herabsetzung des Mindestnominalwertes für eine Aktie von 100 D-Mark auf 50 D-Mark durch die Aktienrechtsreform von 1965 wird in allen deutschen Börsen die Stücknotiz eingeführt. Die Beteiligung des privaten Publikums am Wertpapiermarkt wird dadurch erleichtert.

1968
Die Stuttgarter Börse hat nun vier amtliche Kursmakler.

16. Juni 1969
Mit dem Umzug der Börse in die Hospitalstraße 12 verschwindet die Sitzbörse gänzlich. Die „Stehbörse“ mit dem gleichzeitigen Nebeneinander der verschiedenen Sparten belebt das Geschäft. Auch mehr Kabinen mit Fernsprecheinrichtung sind dazu erforderlich. Neu eingeführt werden in Stuttgart Abschlüsse in Geschäften „an Aufgabe“. Mit der Popularität der „Volksaktien“ steigt auch das Interesse daran, täglich um die Mittagszeit von einer Besuchergalerie aus das Börsengeschehen zu verfolgen.

1970er-Jahre
Das nach dem Zweiten Weltkrieg fortgeführte Regionalbörsenprinzip wird in den folgenden Jahren in Reformüberlegungen mit der Forderung nach einer Zentralbörse in Frage gestellt. Die Diskussion flammt bis in die 1990er-Jahre immer wieder auf.

November 1974
Bei der Börse wird die elektronische Datenverarbeitung eingeführt. Ab 1. Dezember 1974 erfolgt die Abwicklung der Geschäfte per EDV. Vom Kauf einer elektronischen Kursanzeigetafel wird aber aus technischen und Kostengründen vorerst abgesehen.

30. November 1979
Fast 30 Jahre nach der Gründung des Südweststaates hat sich die politische Einigung im deutschen Südwesten noch nicht auf dem Börsenparkett nieder geschlagen. Der badische Wirtschaftsraum orientiert sich weiterhin stärker an der Frankfurter als an der Stuttgarter Börse. Mit der Umbenennung der Stuttgarter Börse in „Baden-Württembergische Wertpapierbörse zu Stuttgart“ soll auch im badischen Landesteil stärkeres Interesse an der Landesbörse geweckt werden.

1983-1990

21. April 1983

Die „Ära Kunkel“ (1964–1983) endet. Dr. Nikolaus Kunkel gilt als letzter der Direktoren der Stuttgarter Filiale, die in der dezentralen Organisation der Deutschen Bank als sogenannte „Landesfürsten“ eine mächtige Position innehatten. Nachfolger als Präsident der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse zu Stuttgart wird Gerhard Burk (1926–1987), ebenfalls Direktor der Deutschen Bank in Stuttgart. Burk ist Börsenpräsident in der beginnenden Phase der intensiv geführten Diskussionen über die Zentralisierung der deutschen Börsenlandschaft.

1986
Im 125. Jahr ihres Bestehens erhöht sich die Anzahl der Kreditinstitute, die Mitglied der Stuttgarter Börse sind, auf 37. Im Börsensaal wird eine elektronische Kursanzeigetafel
Installiert. 146 Aktien und rund 1 500 Rentenwerte werden notiert. Fünf amtliche und drei freie Kursmakler sind in Stuttgart tätig. In den letzten fünf Jahren hat die Börse ihre Umsätze verzehnfacht. In den 1980er-Jahren ist die Börse Stuttgart die am schnellsten wachsende Börse in Deutschland. Das alte Domizil in der Hospitalstraße platzt aus allen Nähten. Bei der Feier des 125. Geburtstages der Börse kündigt Ministerpräsident Lothar Späth an, dass die Börse wieder in ihr ursprüngliches Domizil im Stuttgarter Königsbau zurückkehren könne.

1987
Einführung des „geregelten Marktes“. Im Gegensatz zum amtlichen Handel sind Zulassungsbestimmungen und Veröffentlichungspflichten weniger strikt.

19. Oktober 1987
Der Dow-Jones-Index stürzt um über 20 % ab. Es dauert rund ein halbes Jahr, bis sich die Kurse wieder erholen.

27. Dezember 1987
Dr. Wolfram Freudenberg (geb. 1941), seit 1984 Direktor der Hauptfiliale Stuttgart der Deutschen Bank, folgt als Präsident der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse zu Stuttgart dem verstorbenen Gerhard Burk.

18. Januar 1988
An der Stuttgarter Börse beginnt der Handel mit ausländischen Aktien, darunter Werte von IBM und Texas Instruments.

1989/1990
Entgegen mancher Krisenprognosen gehören die beiden deutschen „Wiedervereinigungsjahre“ zu den besten Börsenjahren überhaupt. Ende des Jahres 1990 sind an der Börse Stuttgart fünf amtliche und sieben freie Kursmakler tätig.

1991-2002

1. Juli 1991

Am historischen Ort im Königsbau wird nach längeren Umbauarbeiten das neue Domizil der Börse eröffnet.

28. Juni 1995
Rolf Limbach (geb. 1935), Mitglied des Vorstands der Südwestdeutschen Landesbank Girozentrale (SüdwestLB, heute LBBW), wird Präsident der Baden-Württembergischen
Wertpapierbörse zu Stuttgart.

1995
Einführung des Best-Price-Prinzips. Über die im Skontro des Maklers befindlichen Aufträge hinaus wird damit erstmals die externe Marktlage bei der Börsenpreisermittlung berücksichtigt. Der Anleger erhält in Stuttgart immer mindestens den bestmöglichen Marktpreis, unter Umständen sogar besser, wenn der „Spread“ zwischen Käufer und Verkäufer aufgeteilt werden kann.

1997
Einführung des Best-Size-Prinzips, mit dem die Mindestordergröße im fortlaufenden Handel auf ein Stück reduziert wird. Die beiden Innovationen von 1995 und 1997 führen dazu, dass Stuttgart zum zweitgrößten Börsenplatz in Deutschland nach Frankfurt wird (vormals Platz fünf). Die Handelsinnovationen werden Schritt für Schritt von allen deutschen Börsen kopiert. Mit der Börsengesetznovelle 1997 unterliegen die Kursmakler erweiterten Aufsichts- und Eigenkapitalvorschriften. In der Folge schließen sie sich zu Kapitalgesellschaften zusammen, die später als „Skontroführer“ tätig sind. Deren Aufgabe ist die Ermittlung der Kurse in den ihnen zur Kursermittlung zugeteilten Wertpapieren.

März 1998
Handelsregistereintragung der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e. V. (kurz: Vereinigung) als neuer Träger der Börsenveranstaltung. Satzungsmäßige Aufgabe ist jetzt nicht nur der Betrieb der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse, sondern auch die Förderung der Stellung der Region Stuttgart und des Landes Baden-Württemberg als Standort von Dienstleistungen der Finanzwirtschaft.

Februar 1999
Gründung der Euwax Broker AG durch einen ehemaligen Kursmakler (2003 Umbenennung in EUWAX AG).

1. Juli 1999
Start des speziellen Handelssegments für verbriefte Derivate, Euwax (European Warrant Exchange). Die Börse Stuttgart legt damit den Grundstein für den innerhalb kurzer Zeit erfolgten Aufstieg zum führenden europäischen Handelsplatz für verbriefte Derivate, Zertifikate und Optionsscheine. Das an der Börse Stuttgart entwickelte automatisierte Limitkontrollsystem gelangt in verstärktem Maße zum Einsatz. Dadurch kann die Orderabwicklung deutlich schneller erfolgen als an anderen Plätzen.

2000
Die durchschnittliche Orderzahl steigt auf den Rekordwert von knapp 900 000 Stück pro Monat. Aufgrund des erheblich ansteigenden Geschäftsumfangs gliedert die Börsenvereinigung die mit der Börsenträgerschaft nunmehr einhergehenden wirtschaftlichen Aktivitäten in eine hierfür besser geeignete Aktiengesellschaft unter der Firma boerse-stuttgart AG aus, deren Aktien sie vollständig hält.

27. Juni 2001
Dr. Siegfried Jaschinski (geb. 1954), Vorstandsmitglied der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), wird Vorsitzender des Kuratoriums der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e. V. und übernimmt in diesem Zusammenhang weitere führende Ämter in der Börsenorganisation.

29. April 2002
Im neuen Domizil der Börse Stuttgart in der Schlossstraße (heute Börsenstraße) werden die ersten Kurse gerechnet. Nach dem sukzessiven Umzug der Skontroführer werden schließlich am Abend des 7. Juni 2002 im Königsbau die Lichter ausgemacht.

14. Juni 2002
Offizielle Einweihung des neuen Börsengebäudes in der Schlossstraße. Der Handelssaal ist mit 800 Quadratmetern doppelt so groß wie im früheren Domizil im Königsbau.

Dezember 2002
Die Vereinigung beschließt den schrittweisen Erwerb einer qualifizierten Mehrheit (75 % zzgl. einer Aktie) an der Euwax Broker AG, in der alle an der Börse tätigen Kursmaklergesellschaften aufgegangen sind.

2003-2009

1. Januar 2003

In zwei neuen Handelssegmenten der Börse Stuttgart wird der Handel aufgenommen. „Bondx“, das Handelssegment für festverzinsliche Wertpapiere, und „4x“, das Handelssegment für ausländische Aktien, stellen in ihren Regelwerken die Besonderheiten des Handels der speziellen Gattungen und die Bedürfnisse der Privatanleger in den Fokus.

2005
Zur Erhöhung der Neutralität Übertragung der Trägerschaft für die Börsenveranstaltung von der boerse-stuttgart AG auf eine neu gegründete Tochter-GmbH der Vereinigung unter der Firma Baden-Württembergische Wertpapierbörse GmbH, die sich ausschließlich auf die Trägerschaft konzentriert. Die Börse Stuttgart ist damit die erste und bislang einzige Wertpapierbörse in Deutschland mit Separierung des öffentlich-rechtlichen Teils der Börse vom erwerbswirtschaftlichen Unterbau.

2007
Das Stuttgarter Marktmodell wird eingeführt. Es beinhaltet den elektronischen Handel für verbriefte Derivate, Fonds, Anleihen und inländische Aktien unter Einbeziehung eines Spezialisten zur Sicherung der optionalen Preisqualität und Liquidität für den Privatanleger. Mit einem Handelsvolumen von rund 185 Milliarden Euro wird der bislang höchste Jahresumsatz in der Geschichte der Börse erzielt. Gründung der Boerse Stuttgart Holding GmbH, in der die Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e. V. ihre strategischen privatwirtschaftlich organisierten Interessen an der Boerse Stuttgart AG (= Betriebsgesellschaft) und der EUWAX AG (QLP-Services) unter einheitlicher Leitung zusammenfasst. Daneben steht der dem Gemeinwohl dienende Börsenträger Baden-Württembergische Wertpapierbörse GmbH, der als neuer Inhaber der Börsengenehmigung mit der Regulierung und Überwachung des Wertpapierhandels an der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse als teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts (= Handelsplatz) betraut ist.

2008
Die Umstellung auf den elektronischen Handel für alle Anlageklassen wird mit Einbeziehung auch der ausländischen Aktien und Genussscheine abgeschlossen. Die Baader Bank AG ist in Stuttgart nun ebenfalls als QLP tätig. Im neuen Stuttgarter Marktmodell sind die Vorzüge des elektronischen Handels wie Automatisierung und höchste Ausführungsgeschwindigkeit, wie auch die Stärken des betreuenden Expertenhandels (QLP-Service) miteinander kombiniert – nämlich Liquiditätsspende, höhere Handels- und Preisqualität sowie Plausibilitätskontrolle. Somit profitiert der Anleger von jeweils den besten Teilen aus Präsenz- und Computerbörsenhandel. Im Rahmen ihrer Initiative „Fokus Baden-Württemberg“ startet die Börse mit dem BWX 15 und dem BWX M zwei neue Leitindizes für Baden-Württemberg. Hierdurch werden die Aktien baden-württembergischer Unternehmen stärker in den Fokus der Anleger gerückt. Im BWX 15 spiegelt sich die Kursentwicklung der nach Marktkapitalisierung 15 größten börsennotierten Unternehmen Baden-Württembergs wider. BWX M bildet die Aktienwerte mittelständischer Unternehmen ab. Übernahme der zweitgrößten schwedischen Börse Nordic Growth Market NGM AB (NGM) durch die Börse Stuttgart Holding GmbH. NGM nimmt bei der geplanten Erschließung des nordeuropäischen Marktes durch die Börse Stuttgart eine Schlüsselrolle ein. Dabei werden die Förderung der Transparenz auf allen Handelsebenen, die Informations- und Wissensvermittlung an Privatanleger sowie die Weiterentwicklung der Handelsplattform und des Marktmodells im Mittelpunkt stehen. Die Börse Stuttgart bestätigt ihre Position als führender europäischer Handelsplatz für Privatanleger. Rund 400 000 Wertpapiere sind handelbar. Die durchschnittliche Orderzahl liegt bei über 1,5 Millionen Stück pro Monat.

1. Januar 2009
Die Boerse Stuttgart Holding GmbH nimmt die Leitungsfunktion für die operativ tätigen Teile der Gruppe Börse Stuttgart wahr.

16. Dezember 2009
Hans-Jörg Vetter (geb. 1952), Vorstandsvorsitzender der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), wird zum Vorsitzenden des Kuratoriums und damit auch des Präsidialausschusses der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e. V. gewählt.

2010-2016

2010

Die Mittelstandsinitiative mit dem Handelssegment „Bondm“ geht an den Start.

2010
Nordic Growth Market (NGM) führt in Finnland den Handel mit verbrieften Derivaten ein.

2011
Die Baden-Württembergische Wertpapierbörse feiert ihr 150-jähriges Bestehen.

2011
Nordic Growth Market (NGM) expandiert nach Norwegen.

2012
Start von EUWAX Gold: Die Börse Stuttgart erweitert ihr Angebot für Anleger, die in Gold investieren möchten, um das Wertpapier EUWAX Gold. EUWAX Gold (WKN EWG0LD) ist ein von der Boerse Stuttgart Securities GmbH emittiertes Exchange Traded Commodity (ETC).

2013
Die Börse Stuttgart verlängert ihre Handelszeiten bei Aktien, Genussscheinen, Investmentfondsanteilen und Exchange Traded Products (ETPs) bis 22 Uhr.

2014
Die Boerse Stuttgart cats GmbH wird gegründet. Das Unternehmen, an dem die Boerse Stuttgart Holding GmbH die Mehrheit der Geschäftsanteile und Citi eine Minderheitsbeteiligung hält, betreibt die Geschäfte von cats.

2015
Übernahme der Mehrheit an der außerbörslichen Handelsplattform Cats.

1. Juli 2015
Das Handelssegment Euwax feiert sein 15-jähriges Bestehen.

Juli 2015
Börsenträgerverein strafft die Organisation der Gruppe Börse Stuttgart: Die Boerse Stuttgart Holding GmbH als unmittelbare und hundertprozentige Tochtergesellschaft sowie die Boerse Stuttgart AG als Enkelgesellschaft der Vereinigung Baden-Württembergische Wertpapierbörse e.V. werden mit ihren bisherigen Aufgaben in der Boerse Stuttgart GmbH zusammengefasst.

28. September 2015
Einführung des eigenen Handelssystems Xitaro.

2016
Nordic Growth Market (NGM) führt in Dänemark den Handel mit verbrieften Derivaten ein.

Einführung des börslichen Soforthandels. Damit können Aktienanleger noch direkter auf das Marktgeschehen eingehen und erhalten schnell Gewissheit über die Ausführung ihrer Order. Dabei haben die Anleger nicht nur die volle Kontrolle über den Zeitpunkt der Orderausführung. Sie profitieren zudem von der hohen Preisqualität bei Aktien, die an der Börse Stuttgart auch in Randhandelszeiten und bei Nebenwerten sichergestellt wird.

Start des Online-Angebots „Wunschzertifikat“: Über „Wunschzertifikat“ können Privatanleger Zertifikate und Optionsscheine konfigurieren, die exakt den persönlichen Vorstellungen entsprechen. Der Service wird von der Börse Stuttgart und dem Finanzportal OnVista im Internet ohne umständliche vorherige Registrierung zugänglich gemacht und basiert auf der Plattform Primegate, die der Commerzbank gehört