ROUNDUP/Krise in China und Irankrieg: BMW kappt Prognose deutlich - Aktie fällt
(dpa-AFX) MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Autobauer BMW kappt wegen der Krise am chinesischen Automarkt und der Folgen des Nahostkriegs seinen Jahresausblick deutlich. Für die Autosparte rechnet der Konzern in diesem Jahr nur noch mit einer operativen Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von einem bis 3 Prozent, wie er am Dienstag nach Börsenschluss in München überraschend mitteilte. Bisher hatte das Management 4 bis 6 Prozent veranschlagt. Dies kam bei Investoren nicht gut an.
MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Autobauer BMW kappt wegen der Krise am chinesischen Automarkt und der Folgen des Nahostkriegs seinen Jahresausblick deutlich. Für die Autosparte rechnet der Konzern in diesem Jahr nur noch mit einer operativen Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern von einem bis 3 Prozent, wie er am Dienstag nach Börsenschluss in München überraschend mitteilte. Bisher hatte das Management 4 bis 6 Prozent veranschlagt. Dies kam bei Investoren nicht gut an.
Die im Dax notierte BMW-Aktie fiel am Mittwoch im frühen Handel zunächst um mehr als elf Prozent auf 60,08 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit Herbst 2020. Im Handelsverlauf das Papier dann die Verluste etwas eindämmen. Zuletzt gab die Aktie rund sechs Prozent auf 63,55 Euro nach. Das Papier baute damit das Minus in diesem Jahr auf fast ein Drittel aus.
BMW gehört damit im Branchenindex Stoxx 600 Auto & Parts zu den größten Verlierern seit Ende 2025. Auf Sicht von zwölf Monaten sieht es mit einem Minus von 13 Prozent weniger dramatisch aus. Im zweiten Halbjahr 2025 hatte die Aktie deutlich gewonnen. Aktuell ist BMW an der Börse knapp 39 Milliarden Euro wert.
Damit liegt der Münchner Autobauer in dieser Rangliste lediglich im Mittelfeld des 40 Werte umfassenden Dax. Die Konkurrenten Mercedes-Benz und Volkswagen mit knapp 46 Milliarden Euro beziehungsweise 44 Milliarden Euro stehen auch nicht viel besser da. Vor zehn Jahren zählten die Autohersteller noch zu den Top-Werten im Dax.
Morgan-Stanley-Analyst Javier Martinez de Olcoz Cerdan führte die Prognosesenkung größtenteils auf eine schwächere Konjunktur in China zurück. Die deutlich zurückgeschraubten Erwartungen mit Blick auf den Ertrag und auch den freien Barmittelzufluss dürften zwar eine heftige negative Marktreaktion auslösen.
Analyst Henning Cosman von der britischen Investmentbank Barclays sprach sogleich von einer "dicken Margenwarnung" der Münchner. Das schiere Ausmaß spreche dagegen, dass die Prognosesenkung als entlastendes Großreinemachen empfunden werde. Cosman sieht auch negative Signalwirkung für andere deutsche Autobauer, gerade für Mercedes-Benz.
Aus Sicht von Jose Asumendi von der US-Bank JPMorgan muss BMW seine Strategie im Kompaktsegment in China komplett überdenken. Hier seien momentan alle europäischen Premiumhersteller preislich nicht konkurrenzfähig. Ändern könne BMW dies entweder selbstständig mit seiner Reihe Neue Klasse durch eine radikale Veränderung der Zulieferstruktur, oder gemeinsam mit chinesischen Partnern.
Auf dem nächsten Kapitalmarkttag rechnet Asumendi mit massiven Kapazitätseinschnitten in Europa. Damit könne BMW einen geringen, aber robusten Cashflow sichern.
Bisher war das Management unter dem alten Chef Oliver Zipse optimistisch, viel vom aktuellen Gegenwind in China und von höheren Zöllen kompensieren zu können. Der neue Chef Milan Nedeljkovic musste nun einräumen, dass die Lage noch weniger rosig ist als ohnehin befürchtet.
Auch den Vorsteuergewinn im Konzern schätzt der neue Konzernlenker nun niedriger ein: Er soll im Vergleich zum Vorjahr deutlich statt nur moderat sinken. Auch für den Barmittelzufluss im Autogeschäft werden die Bayern pessimistischer und rechnen jetzt nur noch mit mehr als 2,5 Milliarden Euro statt mit meghr als 4,5 Milliarden Euro. Die Auslieferungen von Autos dürften 2026 leicht zurückgehen, statt auf Vorjahresniveau zu bleiben.
Die negative Entwicklung im chinesischen Automarkt habe sich im zweiten Quartal weiter beschleunigt, hieß es zur Erklärung. Dies führe zu einem härteren Wettbewerb in China und in Ländern der Region Asien-Pazifik, dem sich BMW nicht entziehen könne. Auch der Konflikt im Nahen Osten belaste. Die hohen Energiepreise erhöhten die Kosten des Unternehmens, zudem drücke die Unsicherheit auf die Verbraucherstimmung. Im zweiten Quartal dürften Ergebnis und Mittelzufluss im Jahresvergleich deutlich sinken.
BMW will jetzt mit weiteren Struktur- und Effizienzmaßnahmen gegensteuern. Die Sparmaßnahmen würden erst in den Folgejahren sichtbar, würden aber das Ergebnis im zweiten Halbjahr 2026 einmalig belasten, hieß es. Wie genau das Sparen aussehen soll und an welchen Stellen es ansetzt, blieb zunächst offen.
Nedeljkovic betonte die positiven Aussichten der neuen Elektroautogeneration - diese gebe Schwung: "Mit der Neuen Klasse bringen wir in den nächsten beiden Jahren das stärkste BMW-Portfolio der Geschichte auf die Straße", sagte er. "Gleichzeitig werden wir unsere aktuellen Strukturen und Prozesse an die sich drastisch verschärfenden Marktbedingungen anpassen."
"Unsere unternehmerische Verantwortung gebietet es deswegen, dass wir unsere laufenden Maßnahmen nochmals deutlich intensivieren und beschleunigen", sagte der Manager. Bisher war BMW ohne einschneidende Personalmaßnahmen und Stellenstreichungen ausgekommen, während bei der Konkurrenz im Volkswagen-Konzern und auch bei Mercedes-Benz in großem Stil Jobs wegfallen./men/stw/mne/err/zb
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