MÄRKTE EUROPA/Nahost-Rahmenabkommen treibt - AT&S haussieren mit KI-Fantasie

(Dow Jones Newswires)

DOW JONES--Mit Aufschlägen hat der europäische Aktienmarkt am Montag das Rahmenabkommen zur Beendigung des mittlerweile fast viermonatigen Iran-Kriegs begrüßt. Die Unterzeichnung ist für Freitag geplant. Noch fehlen alle Details, das Abkommen soll aber die sofortige Öffnung der Straße von Hormus umfassen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen dann Verhandlungen über das iranische Atomprogramm geführt werden. Der in den vergangenen Tagen bereits stark gefallene Ölpreis gab weiter nach. Brent verbilligte sich bis Börsenschluss um weitere 5,3 Prozent auf rund 82,71 Dollar das Fass. Im Handel hielt man einen baldigen Test des Allzeithochs im DAX für möglich.

In dem Abkommen sind wichtige Fragen allerdings ungelöst, wie die Commerzbank anmerkte. "Wir erwarten in den nächsten zwei Monaten eine Achterbahnfahrt aus guten und schlechten Nachrichten", hieß es. So könne beispielsweise die Hisbollah den Beschuss Nordisraels wieder aufnehmen, und eine energische israelische Reaktion könnte den Iran dann veranlassen, die Straße von Hormus erneut zu schließen. Die positive Marktreaktion über Nacht bedeute jedoch, dass die bisherigen Erwartungen, der Ölpreis werde um die Marke von 100 Dollar schwanken, gesenkt werden könnten. Das Abkommen begrenze die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft, obwohl in diesem Jahr nur ein mageres Wachstum von jeweils 0,6 Prozent für Deutschland und die Eurozone erwartet werde, hieß es.

Der DAX gewann 1,1 Prozent auf 24.894 Punkte, im Tageshoch stand der Index 25.086. Für den Euro-Stoxx-50 ging 0,7 Prozent nach oben. An den Anleihemärkten fielen die Renditen, auch angesichts nachgebender Zinserhöhungserwartungen. Damit stand auch die Sitzung der US-Notenbank am Mittwoch mit ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh in einem anderen Licht. Sally Auld, Chefvolkswirtin der National Australia Bank meinte dazu: "Niedrigere Ölpreise mildern die Inflationssorgen und der Markt hat die Erwartungen für die nächste Zinserhöhung der Fed auf das nächste Jahr verschoben". Entsprechend zog der Euro an - die Einheitswährung stand bis Börsenschluss bei 1,16 Dollar.

Mit dem gefallenen Ölpreis lag der Luftfahrtsektor gut im Markt. Lufthansa gewannen 4,5 Prozent, Air France 3,4 Prozent, MTU Aero 4,2 Prozent, IAG 2,8 Prozent, Airbus 2,5 Prozent oder Fraport 4,1 Prozent. Für das Touristikpapier Tui ging es 3,5 Prozent nach oben. Auch Bauwerte waren gesucht: Im DAX stiegen Heidelberg Materials um 2,3 Prozent, in Paris Vinci 3,1 Prozent. Nach Einschätzung aus dem Handel profitiert der Sektor weniger von möglichen Aufträgen zum Wiederaufbau in der Region Nahost, sondern vielmehr von der Aussicht auf nachhaltig niedrigere Energiekosten, die für den Sektor von großer Bedeutung sind. Die gefallenen Renditen an den Anleihemärkten und die gesunkenen Zinserhöhungsfantasien am Markt taten Immobilienaktien gut: Vonovia gewannen 1,8 Prozent oder LEG 1,3 Prozent.

Keinen guten Tag hatten hingegen Rüstungswerte angesichts eines möglichen Kriegsende im Nahen Osten. Auch die sich mehrenden diplomatischen Avancen im Ukrainekrieg drücken auf die Sektorstimmung. Rheinmetall fielen 4,6 Prozent, Hensoldt 5,1 Prozent und Leonardo 2,8 Prozent. Auch andere defensive Titel wurden gegeben: Deutsche Telekom büßten 1,7 Prozent ein, RWE 2,2 Prozent und Eon 1 Prozent.

Auch Logistaktien fielen deutlich: Moeller-Maersk gaben 6,8 Prozent nach, Hapag-Lloyd 1,3 Prozent und Kühne & Nagel 3,8 Prozent. Hintergrund dürfte sein, dass die Anleger nach einer Öffnung der Straße von Hormus dauerhaft niedrigere Frachtraten befürchten.

Renault ragten als Autohersteller mit 3,7 Prozent Plus hervor. Der Markt honorierte eine Kooperation mit Thales beim Bau von Militärfahrzeugen. Dies senkt die Abhängigkeit Renaults vom schwankungsanfälligen Privatmarkt.

AT&S haussierten an der Börse in Wien mit Aufschlägen von 36,2 Prozent. Das Unternehmen hatte mit dem Kunden AMD sowie einem weiteren Technologieunternehmen Eckpunkte zur Erweiterung von Produktionskapazitäten für High-End-IC-Substrate im Bereich Künstlicher Intelligenz und High-Performance Computing vereinbart. AT&S produziert Leiterplatten und IC-Substrate (Mikrochip-Schnittstellen). Auf Basis dieser Vereinbarungen erhöhte AT&S den Ausblick für das Geschäftsjahr 2026/27 und erwartete nun ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 45 bis 55 Prozent (bisher: 30-35%) und eine EBITDA-Marge von 32 bis 37 Prozent (bisher: 25-29%).

Mit Aufschlägen von 17,4 Prozent begrüßten Aktionäre vorläufige Geschäftszahlen von Redcare Pharmacy für die ersten beiden Monate des zweiten Quartals und die Anhebung der Prognose für das laufende Jahr. Die Online-Apotheke strebt nun ein Umsatzwachstum von 15 bis 17 Prozent an nach bislang 13 bis 15 Prozent. Die bereinigte EBITDA-Marge soll nun zwischen 2,5 bis 3,0 Prozent liegen nach zuvor über 2,5 Prozent. Dem standen Schätzungen von MWB von 12,4 Prozent bzw. 2,5 Prozent entgegen. Docmorris stiegen im Fahrwasser um 1,2 Prozent.

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Index               Schluss*  Entwicklung in %  Seit Jahresbeginn (%) 
Euro-Stoxx-50          6.229              +0,7                   +6,8 
Stoxx-50               5.295              +0,1                   +7,5 
Stoxx-600                634              +0,2                   +6,9 
DAX                   24.894              +1,1                   +0,6 
FTSE-100 London       10.472              -0,4                   +5,4 
CAC-40 Paris           8.351              +0,4                   +2,5 
AEX Amsterdam          1.081              -0,5                  +13,7 
ATHEX-20 Athen         6.155              +1,9                  +15,0 
BEL-20 Brüssel         5.737              -0,9                  +13,0 
BUX Budapest         135.725              +1,4                  +22,2 
OMXH-25 Helsinki       6.339              -0,4                  +11,1 
OMXC-20 Kopenhagen     1.530              -0,6                   -4,9 
PSI 20 Lissabon        9.094              -0,5                  +10,1 
IBEX-35 Madrid        18.764              +1,4                   +8,4 
FTSE-MIB Mailand      51.497              +0,7                  +14,6 
OBX Oslo               1.943              -1,8                  +21,6 
PX Prag                2.562              +0,4                   -4,6 
OMXS-30 Stockholm      3.114              +0,7                   +8,0 
WIG-20 Warschau      137.510              -0,9                  +18,3 
ATX Wien               6.259              +2,6                  +17,5 
SMI Zürich            13.708              +0,1                   +3,3 
* gerundet 
 
DEVISEN                  zuletzt  +/- %  +/- abs.  Schluss Vortag  Fr, 17:15 Uhr 
EUR/USD                   1,1601   +0,3    0,0033          1,1568         1,1576 
EUR/JPY                   185,82   +0,3    0,5000          185,32       185,4500 
EUR/CHF                   0,9206   -0,1   -0,0013          0,9219         0,9217 
EUR/GBP                   0,8637   +0,2    0,0013          0,8624         0,8630 
USD/JPY                   160,16   -0,0   -0,0500          160,21       160,2000 
GBP/USD                   1,3429   +0,2    0,0023          1,3406         1,3412 
USD/CNY                    6,757   -0,1   -0,0056          6,7626         6,7626 
USD/CNH                   6,7591   -0,1   -0,0042          6,7633         6,7627 
AUS/USD                   0,7081   +0,5    0,0038          0,7043         0,7052 
Bitcoin/USD            67.199,30   +5,1  3.235,44       63.963,86      64.325,87 
 
ROHÖL                    zuletzt  +/- %  +/- abs.  Schluss Vortag 
WTI/Nymex                  80,13   -5,6     -4,75           84,88 
Brent/ICE                  82,71   -5,3     -4,62           87,33 
 
Metalle                  zuletzt  +/- %  +/- abs.  Schluss Vortag 
Gold                    4.352,01   +3,2    133,24        4.218,77 
Silber                     70,52   +3,7      2,54           67,98 
Platin                  1.779,00   +3,6     61,48        1.717,52 
(Angaben ohne Gewähr) 
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June 15, 2026 12:21 ET (16:21 GMT)