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Quantencomputer – zwischen Labor und Marktreife: Was Anleger wissen müssen

16.06.2026

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Quantencomputer: Auf einen Blick

  • Quantencomputing ist eine real wachsende Technologie: Der Markt erreichte 2025 rund 3,5 Milliarden US-Dollar und soll bis 2030 auf 20,2 Milliarden US-Dollar wachsen – getrieben von Meilensteinen bei Google (Willow), IBM (Nighthawk) und Microsoft/Quantinuum.

  • Für Privatanleger handelbare „Pure-Play"-Aktien (IonQ, D-Wave, Rigetti) weisen extreme Bewertungslücken auf: Milliardenbewertungen stehen Jahresumsätzen von zusammen unter 40 Millionen US-Dollar gegenüber – die Kurse spiegeln Erwartungen, keine aktuellen Gewinne.

  • Fehlertolerante, kommerziell nutzbare Quantencomputer erwarten Analysten frühestens ab 2030; bis dahin bleibt die Technologie hochspekulativ mit erheblicher Unsicherheit über Zeitpläne und führende Technologieansätze.

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Wo steht die Technologie wirklich?

Die Quantencomputer-Branche befindet sich an einem Wendepunkt – allerdings nicht an dem, den mancher Aktien-Hype suggeriert. Laut einer Analyse von Boston Consulting Group (BCG) aus dem Jahr 2026 erreichten die Unternehmensausgaben für Quantencomputing 2025 erstmals rund 550 Millionen US-Dollar, wobei Unternehmen erstmals mehr investierten als staatliche und akademische Einrichtungen zusammen. Das Marktforschungsunternehmen MarketsandMarkets beziffert den Gesamtmarkt 2025 auf rund 3,5 Milliarden US-Dollar und prognostiziert bis 2030 ein Wachstum auf 20,2 Milliarden US-Dollar – bei einer jährlichen Wachstumsrate von 41,8 Prozent.

Diese Zahlen verdeutlichen: Quantencomputing ist real und wächst. Zugleich relativieren sie den Hype. McKinsey prognostiziert bis 2035 bis zu 72 Milliarden US-Dollar Umsatz für die Quantencomputing-Branche. BCG schätzt den langfristigen wirtschaftlichen Gesamtwert bis 2040 auf 450 bis 850 Milliarden US-Dollar. Doch der Weg dorthin verläuft in Phasen: Die aktuelle „NISQ-Ära" (Noisy Intermediate-Scale Quantum) wird laut BCG bis etwa 2030 andauern, gefolgt von einer Phase breiter Quantenvorteile (2030–2040) und voller Fehlertoleranz erst danach.

Was unterscheidet einen Quantencomputer von einem klassischen Prozessor?

Ein klassischer Prozessor rechnet mit Bits, die entweder den Zustand 0 oder 1 annehmen. Ein Quantencomputer nutzt Qubits, die beide Zustände gleichzeitig einnehmen können – ein Prinzip namens Superposition. Zusätzlich können Qubits über sogenannte Verschränkung miteinander verbunden werden, wodurch bestimmte Probleme – etwa Optimierung, Molekülsimulation oder Kryptographie – parallel statt sequenziell bearbeitet werden können. Der Haken: Qubits sind extrem fehleranfällig und funktionieren bei den meisten Technologieansätzen nur nahe dem absoluten Nullpunkt (–273 Grad Celsius). Die zentrale technische Hürde heißt daher Fehlerkorrektur – und genau dort lagen die wichtigsten Durchbrüche der vergangenen Monate.

Die neuesten Meilensteine: Was 2025 und 2026 brachten

Alphabet / Google (WKN: A14Y6F)

Google: 13.000-fache Beschleunigung

Google Quantum AI demonstrierte im Oktober 2025 mit seinem 105-Qubit-Prozessor „Willow" eine aufgabenspezifische Berechnung, die laut Unternehmensangaben rund 13.000 Mal schneller ablief als auf dem Frontier-Supercomputer – einem der leistungsstärksten klassischen Rechner der Welt. Willow benötigte gut zwei Stunden für eine Aufgabe, für die Frontier geschätzt 3,2 Jahre gebraucht hätte. Google formuliert als Ziel einen fehlerkorrigierten, kommerziell nutzbaren Quantencomputer bis 2029. (WKN Alphabet A-Aktie: A14Y6F) 

IBM: Quantum Advantage bis 2026

IBM (WKN: 851399) stellte im November 2025 auf seiner Quantum Developer Conference den Prozessor „Nighthawk" vor – nach Unternehmensangaben sein bisher fortschrittlichster Quantenchip. IBM-Forschungsdirektor Jay Gambetta erklärte, das Unternehmen sei als einziger Anbieter in der Lage, Hardware, Software, Fertigung und Fehlerkorrektur gleichzeitig zu skalieren. IBM peilt „Quantum Advantage" – den Punkt, an dem ein Quantencomputer ein Problem besser löst als jede rein klassische Methode – bis Ende 2026 an. Volle Fehlertoleranz soll bis 2029 erreicht werden.

Microsoft (WKN: 870747)

Microsoft und Quantinuum: 12 logische Qubits

Microsoft (WKN: 870747) verfolgt mit seinen topologischen Qubits (basierend auf Majorana-Fermionen) einen eigenen Hardware-Ansatz, der Fehlerkorrektur bereits auf Hardware-Ebene integrieren soll. Parallel dazu demonstrierte die Partnerschaft zwischen Microsoft und Quantinuum (einer Honeywell-Tochter) ein System mit 12 logischen Qubits bei einer Fehlerrate von etwa 2 pro 1.000 Operationen. CEO Satya Nadella bezeichnete dies als „fundamentalen Wandel".

Intel: Silizium-Spin-Qubits aus der Chipfabrik

Intel (WKN: 855681) verfolgt einen Ansatz, der auf der bestehenden Halbleiterfertigung aufbaut: Silizium-Spin-Qubits, hergestellt auf 300-Millimeter-Wafern mit CMOS-Standardprozessen. Im Januar 2026 wurde der 12-Qubit-Prozessor „Tunnel Falls" gemeinsam mit dem Argonne National Laboratory in Betrieb genommen – ein Ergebnis, das in Nature Communications veröffentlicht wurde. Intel erzielte 2024 eine Gate-Fidelity von 99,9 Prozent, laut Unternehmensangaben der höchste Wert für vollständig CMOS-kompatible Qubits.

Das Rennen: Börsennotierte Quantencomputer-Unternehmen

Für Anleger, die gezielt in Quantencomputing investieren möchten, existieren mehrere börsennotierte „Pure-Play"-Unternehmen. Alle befinden sich im Frühstadium und sind vorprofitabel – ihre Bewertungen basieren auf Zukunftserwartungen, nicht auf aktuellen Gewinnen.

IonQ (NYSE: IONQ) – Trapped-Ion-Technologie

IonQ (WKN: A3C4QT) ist gemessen an der Marktkapitalisierung das größte börsennotierte Quantencomputing-Unternehmen. Im Oktober 2025 lag die Bewertung bei rund 22 Milliarden US-Dollar. IonQ meldete für das zweite Quartal 2025 einen Umsatz von 20,7 Millionen US-Dollar und prognostizierte für das Gesamtjahr 82 bis 100 Millionen US-Dollar. Im dritten Quartal 2025 betrug das Umsatzwachstum laut Unternehmensangaben 222 Prozent im Jahresvergleich. IonQ akquirierte 2025 die Unternehmen Oxford Ionics und Vector Atomic, um seine Fähigkeiten in Quantennetzwerken und -sensorik auszubauen.

D-Wave Quantum (NYSE: QBTS) – Quantum Annealing

D-Wave Quantum (WKN: A3DSV9) ist der Pionier im Bereich Quantum Annealing – einem Ansatz, der auf Optimierungsprobleme spezialisiert ist und bereits heute kommerzielle Anwendungen findet, allerdings auf einen engeren Problemkreis beschränkt bleibt. Der Kurs stieg 2025 um rund 120 Prozent. Die jährlichen Umsätze lagen bei etwa 22 Millionen US-Dollar (Trailing Twelve Months). Im Januar 2026 übernahm D-Wave das Unternehmen Quantum Circuits (Dual-Rail-Qubits), um sein Portfolio um Gate-basiertes Quantencomputing zu erweitern.

Rigetti Computing (NASDAQ: RGTI) – Supraleitende Qubits

Rigetti Computing (WKN: A3DE3J) setzt auf supraleitende Qubits und hybride Quanten-Klassik-Workflows. Der Quartalsumsatz lag zuletzt bei 1,8 Millionen US-Dollar – deutlich kleiner als IonQ. Rigetti sicherte sich 2025 einen Auftrag über 8,4 Millionen US-Dollar für einen 108-Qubit-Computer an Indiens C-DAC und verkaufte zwei 9-Qubit-Novera-Systeme für insgesamt 5,7 Millionen US-Dollar. Die Aktie zeigte 2025 extreme Volatilität mit einem Kursrückgang von rund 60 Prozent vom Hoch im Oktober.

Einordnung: Bewertungslücke beachten

Laut dem Fachportal "The Quantum Insider" übersteigen die kombinierten Jahresumsätze der großen Pure-Play-Unternehmen (IonQ, D-Wave, Rigetti) zusammen kaum 40 Millionen US-Dollar – bei Bewertungen im Milliardenbereich. Die Kurse bewegen sich stärker mit der Risikobereitschaft des Gesamtmarktes als mit den tatsächlichen Geschäftsergebnissen der Unternehmen. Das Analystenhaus Grand View Research beziffert die jährliche Wachstumsrate des Gesamtmarktes auf 20,5 Prozent – deutlich moderater als die Kurssprünge einzelner Aktien suggerieren.

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Nicht-börsennotierte Konkurrenten

Einige der technologisch ambitioniertesten Quantencomputer-Unternehmen sind nicht an der Börse notiert und damit für Privatanleger nicht direkt zugänglich.

PsiQuantum – Der Milliarden-Herausforderer

PsiQuantum verfolgt einen photonischen Ansatz und zielt direkt auf einen fehlertoleranten Quantencomputer mit einer Million Qubits – ohne den Zwischenschritt kleinerer Prototypen. Im September 2025 schloss das Unternehmen eine Series-E-Runde über rund 970 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 7 Milliarden US-Dollar ab. Zu den Investoren zählen laut Forge Global unter anderem T. Rowe Price, Baillie Gifford, BlackRock, Temasek und Nvidia. Insgesamt hat PsiQuantum rund 2,4 Milliarden US-Dollar eingeworben. Das Unternehmen peilt die Fertigstellung bis Ende 2027 an – ein ambitionierter Zeitplan, der von Beobachtern als riskant eingestuft wird. Ein Börsengang ist noch nicht angekündigt.

IQM Quantum Computers – Europas erstes börsennotiertes Quantencomputing-Unternehmen

Das finnische Unternehmen IQM Quantum Computers (gegründet 2018, Hauptsitz Espoo) entwickelt supraleitende Quantenprozessoren im Full-Stack-Ansatz – von der eigenen Chipfabrik über die Assemblierung bis hin zum eigenen Rechenzentrum. IQM ist auf On-Premises-Systeme spezialisiert: Kunden kaufen oder betreiben Quantencomputer vor Ort. Anders als viele Anbieter, die primär Cloud-Zugang bereitstellen, setzt IQM auf den Betrieb vor Ort.

Mit 23 verkauften Systemen an 13 Kunden (Stand Juni 2026) hat IQM 18 On-Premises-Quantencomputer ausgeliefert – laut eigenen Angaben die größte öffentlich kommunizierte Anzahl ausgelieferter On-Premises-Systeme im Vergleich zu IBM, D-Wave, Pasqal, Rigetti, IonQ, OQC, Quandela, Anyon Systems, QuEra, Atom Computing und Quantinuum. Zu den Kunden zählen vier der weltweit größten Supercomputing-Zentren, darunter das Leibniz-Rechenzentrum in München (seit Februar 2026 operativ, erster EuroHPC-geförderter Quantencomputer Europas), das italienische CINECA in Bologna (54-Qubit-System „Radiance", integriert mit dem Leonardo-Supercomputer) und VTT Finland (150-Qubit-Lieferung Mitte 2026, 300-Qubit-System für Ende 2027 angekündigt). Im April 2026 lieferte IQM erstmals ein System an ein privates Unternehmen in Polen.

Technologisch setzt IQM auf seine proprietäre „Star"-Topologie – eine Architektur, die über einen zentralen Resonator All-to-All-Konnektivität ermöglicht und sich damit von den üblichen Gitter-Layouts anderer supraleitender Plattformen unterscheidet. Im November 2025 brachte IQM die Produktlinie „Halocene" auf den Markt: ein modulares On-Premises-System mit bis zu 150 Qubits und Unterstützung für bis zu 5 logische Qubits sowie einer Zwei-Qubit-Gate-Fidelity von 99,7 Prozent. Laut Unternehmensangaben plant IQM für eine künftige Generation Systeme mit über 1.000 Qubits.

Im September 2025 schloss IQM eine Series-B-Runde über 320 Millionen US-Dollar ab (Lead: Ten Eleven Ventures), gefolgt von einer 50-Millionen-Euro-Finanzierung durch BlackRock im März 2026. Insgesamt hat IQM nach eigenen Angaben mehr als 650 Millionen Euro an Kapital eingeworben. Der Jahresumsatz 2025 lag laut SEC-Unterlagen bei rund 31 Millionen Euro (ca. 36 Millionen US-Dollar).

SPAC-Börsengang via Real Asset Acquisition Corp. (RAAQ):

Am 23. Februar 2026 gaben IQM und die Real Asset Acquisition Corp. (WKN: A414WM) eine definitive Fusionsvereinbarung bekannt. Die Transaktion bewertet IQM mit einer Pre-Money-Bewertung von rund 1,8 Milliarden US-Dollar. Nach Abschluss sollen American Depositary Shares (ADS) unter dem Ticker IQMX an der Nasdaq notiert werden – IQM wäre damit das erste börsennotierte europäische Quantencomputing-Unternehmen.

Eine Zweitlistung an der Nasdaq Helsinki ist vorgesehen. Die SEC erklärte die Registrierung am 5. Juni 2026 für wirksam; die außerordentliche Aktionärsversammlung von Real Asset Acquisition Corp. zur Genehmigung ist für den 25. Juni 2026 angesetzt.

Die Finanzierungsstruktur umfasst rund 178,58 Millionen US-Dollar aus dem RAAQ-Trust (per 31. März 2026, inkl. aufgelaufener Zinsen), 146 Millionen US-Dollar PIPE-Finanzierung, geschätzte 24 Millionen US-Dollar aus Warrant-Ausübungen sowie rund 172 Millionen US-Dollar an bestehenden IQM-Barmitteln (Stand 31.12.2025).

Bestehende IQM-Aktionäre verkaufen im Rahmen der Transaktion keine Anteile. Wesentliche Aktionäre haben Lock-up-Vereinbarungen unterzeichnet.

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Quantinuum (Honeywell)

Quantinuum, eine Tochter des Industriekonzerns Honeywell (NYSE: HON), nutzt Trapped-Ion-Technologie und gilt beim Thema logische Qubits als einer der Marktführer. Das H2-System demonstrierte 12 logische Qubits mit niedrigen Fehlerraten. Quantinuum ist nicht eigenständig börsennotiert, ein IPO wird in der Branche als mittelfristig möglich betrachtet.

Weitere relevante Akteure

Alice & Bob (Frankreich): Entwickelt sogenannte Cat-Qubits mit inhärenter Fehlerresistenz. Mehr als 360 Millionen Euro eingeworben.

QuEra Computing (USA): Neutralatom-Ansatz mit bis zu 48 demonstrierten logischen Qubits – höchste Zahl im Feld, allerdings mit langsamerer Taktrate.

Atom Computing (USA): Neutralatom-Plattform „Phoenix" mit 1.180 Qubits, nun in QEC-Integration.

Oxford Ionics (UK): Wurde 2025 von IonQ übernommen.

Die Big Player: Wer positioniert sich wie?

Nvidia (WKN: 918422)

Nvidia: Der Infrastruktur-Lieferant

Nvidia (WKN: 918422) baut keinen eigenen Quantenprozessor (QPU). Stattdessen positioniert sich das Unternehmen als „universelle Brücke" zwischen klassischem Supercomputing und Quanten-Hardware. Die Plattform CUDA-Q integriert laut Unternehmensangaben rund 75 Prozent aller weltweit öffentlich verfügbaren Quantenprozessoren – darunter Systeme von IonQ, Rigetti und IQM. Mit NVQLink (vorgestellt Oktober 2025) können QPUs direkt an GPU-Cluster angebunden werden. Bei der Konferenz GTC 2026 im März hatten sich laut IDC bereits über 35 Quantum-Unternehmen dem Ökosystem angeschlossen. Nvidia investierte zudem in PsiQuantum. CEO Jensen Huang erklärte bei VivaTech 2025, Quantencomputing-Anwendungen seien „in Reichweite" – wählte aber bewusst keinen konkreten Zeitrahmen.

IBM: Der Fullstack-Anbieter

IBM (WKN: 851399)  ist das einzige Großunternehmen, das gleichzeitig eigene Quantenprozessoren baut, Quantensoftware (Qiskit) entwickelt, Cloud-Zugang anbietet und aktiv an Fehlerkorrektur forscht. Die Roadmap sieht nach „Nighthawk" (2025) und dem „Flamingo"- bzw. „Kookaburra"-Prozessor (4.158 Qubits, geplant 2025–2026) den „Blue Jay" mit über 10.000 Qubits bis 2027–2028 vor. Finanzinstitute wie Vanguard und HSBC sind als Partner für Anwendungsentwicklung an Bord.

Alphabet/Google: Quantum AI

Google Quantum AI verfolgt supraleitende Qubits und erzielte mit „Willow" einen der meistbeachteten Durchbrüche 2025. Der langfristige Fokus liegt auf fehlerkorrigiertem Quantencomputing bis 2029. Google bietet Zugang über Google Cloud und betreibt ein eigenständiges Forschungslabor in Santa Barbara. (WKN Alphabet A-Aktie: A14Y6F)

Microsoft: Topologische Qubits + Plattformstrategie

Microsoft (WKN: 870747) verfolgt einen zweigleisigen Ansatz. Erstens die Entwicklung eigener topologischer Qubits auf Basis von Majorana-Fermionen – ein Ansatz, der theoretisch stabilere Qubits ermöglicht, sich aber noch im experimentellen Stadium befindet. Zweitens bietet Azure Quantum als Cloud-Plattform Zugang zu Hardware von IonQ, Quantinuum und Rigetti. Die Partnerschaft mit Quantinuum lieferte 2025/2026 die bisher fortschrittlichsten Ergebnisse bei logischen Qubits.

Intel: Der Halbleiter-Weg

Intel (WKN: 855681) setzt konsequent auf Silizium-Spin-Qubits, die mit bestehenden CMOS-Fertigungsprozessen hergestellt werden. Der Vorteil: potenziell höhere Skalierbarkeit durch etablierte Produktionsinfrastruktur. Der Nachteil: Intel liegt bei der Qubit-Anzahl (12) weit hinter Wettbewerbern. Die Strategie ist langfristig angelegt und zielt auf den Punkt, an dem Massenproduktion zum entscheidenden Vorteil wird.

Amazon: Braket und eigene Forschung

Amazon (WKN: 906866) bietet über AWS Braket Cloud-Zugang zu Quantenprozessoren verschiedener Hersteller und betreibt ein eigenes Center for Quantum Computing in Pasadena. Amazon verfolgt einen „Hardware-agnostischen" Plattformansatz, ähnlich wie bei AWS im klassischen Cloud-Geschäft.

AMD: Kein eigenständiges Quantum-Programm

Zum Zeitpunkt dieser Recherche betreibt AMD (WKN: 863186) kein eigenständiges Quantencomputing-Programm. Das Unternehmen profitiert indirekt, sofern klassische GPUs und CPUs in hybriden Quanten-Klassik-Systemen zum Einsatz kommen – ist aber kein aktiver Quanten-Akteur.

Quantencomputer und KI: Symbiose statt Konkurrenz

Die häufig gestellte Frage, ob Quantencomputer den aktuellen KI-Boom „befeuern" oder ihm Konkurrenz machen, lässt sich auf Basis der aktuellen Forschungslage eindeutig beantworten: Quantencomputer werden KI-Systeme ergänzen, nicht ersetzen.

Wo Quantencomputer der KI helfen können

Laut McKinseys Quantum-Report 2025 adressiert Quantencomputing drei Kernlimitierungen heutiger KI-Systeme: algorithmische Effizienz, Speichergrenzen und Rechenengpässe. Konkret sind folgende Anwendungen relevant:

Optimierung großer Modelle: Quantenalgorithmen können bei der Hyperparameter-Suche oder der Auswahl relevanter Features in komplexen Datensätzen Vorteile bieten.

Probabilistische Modellierung: Quantenprozessoren sind von Natur aus probabilistisch – sie könnten Monte-Carlo-Simulationen und Bayesianische Verfahren effizienter durchführen.

Molekülsimulation: Für die Pharmaforschung und Materialwissenschaft können Quantencomputer chemische Reaktionen simulieren, die klassische Computer nur näherungsweise berechnen können.

Was Quantencomputer nicht leisten

Für das Training großer Sprachmodelle (LLMs) – also die massive Matrixmultiplikation, die heute auf GPUs läuft – bieten Quantencomputer keinen strukturellen Vorteil. Die Stärke der GPU liegt in der massiv-parallelen Verarbeitung großer, regulärer Datenstrukturen. Quantencomputer sind dagegen bei kombinatorisch komplexen Problemen überlegen – nicht bei Brute-Force-Parallelberechnung.

Hybride Workflows als Zukunftsmodell

Die Quantum-Machines-Architektur „Open Acceleration Stack" (vorgestellt März 2026) und Nvidias CUDA-Q verfolgen denselben Grundgedanken: Ein KI-System verteilt Aufgaben automatisch an den jeweils effizientesten Prozessortyp – GPU, CPU oder QPU. Ein Demonstrationsprojekt von Quantum Machines, Diraq und Nvidia erreichte 2025 eine Latenz von nur 3,3 Mikrosekunden zwischen QPU und GPU – schnell genug für Echtzeit-Kontrolle.

Das Rechenzentrum der Zukunft: GPU, CPU, QPU – wer macht was?

Die Architektur künftiger KI-Rechenzentren wird laut aktuellem Forschungsstand drei Prozessortypen kombinieren. Ihre Aufgabenverteilung folgt den strukturellen Stärken jedes Typs:

Prozessor

Kernstärke

Typische Aufgaben

CPU

Sequenzielle Logik, Orchestrierung

KI-Agenten-Steuerung, Workflow-Management, klassische Vor-/Nachverarbeitung

GPU

Massiv-parallele Matrixoperationen

LLM-Training, Inferenz, Bilderkennung, Attention-Layer

QPU

Kombinatorische Optimierung, Quantensimulation

Molekülsimulation, Portfolio-Optimierung, Routenplanung, probabilistische Suche

Die britische Firma OQC (Oxford Quantum Circuits) betreibt seit September 2025 ein hybrides Quantum-AI-Rechenzentrum, in dem QPUs, GPUs und CPUs im selben Netzwerk arbeiten. Nvidia verfolgt mit dem „Quantum Utility Block" (QUB), einer Referenzarchitektur gemeinsam mit QuantWare und Q-CTRL, ein ähnliches Konzept – inklusive geplanter NVQLink-Anbindung an lokale GPU-Cluster.

In der Praxis bedeutet das: GPUs übernehmen die numerische Schwerstarbeit beim KI-Training. CPUs steuern Agenten-Systeme und orchestrieren Workflows. QPUs werden für spezifische Teilprobleme eingesetzt, bei denen sie klassische Systeme übertreffen – sobald die Hardware reif genug ist.

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Investmentrelevante Nebenfelder

Neben den QPU-Herstellern selbst entstehen mehrere angrenzende Märkte, die für den Betrieb von Quantencomputern unerlässlich sind:

Kryotechnik und Kühlung

Die meisten Quantencomputer (supraleitende Qubits, Spin-Qubits) arbeiten bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt. Verdünnungskryostate sind essenziell – und teuer. Hersteller wie Bluefors (Finnland, privat) und Oxford Instruments (LSE: OXIG) sind etablierte Zulieferer.

Steuerungselektronik

Qubits müssen mit hochpräziser Elektronik angesteuert und ausgelesen werden. Unternehmen wie Qblox (Niederlande, privat), Zurich Instruments (Schweiz, privat) und Q-CTRL (Australien, privat) liefern die Steuerungsinfrastruktur.

Quantum-Software und Compiler

Classiq (Israel, privat) entwickelt Software zur effizienten Übersetzung von Quantenalgorithmen in ausführbare Schaltkreise. Q-CTRL bietet AI-gestützte Steuerungssoftware, die Fehlerraten reduziert.

Post-Quantum-Kryptographie

Sobald fehlertolerante Quantencomputer existieren, werden heutige Verschlüsselungsverfahren angreifbar. Der Markt für quantensichere Kryptographie wächst bereits jetzt. BTQ Technologies (privat, aber an der TSX-V gelistet) ist einer der wenigen börsennotierten Akteure in diesem Segment mit einer Marktkapitalisierung von rund 1,3 Milliarden US-Dollar (Stand Oktober 2025).

Risiken und offene Fragen

Fehlerkorrektur: gelöst oder nicht?

Trotz der Fortschritte bei logischen Qubits (Google, Quantinuum, QuEra) ist die Fehlerkorrektur in großem Maßstab nicht gelöst. BCG bezeichnet die aktuelle Phase weiterhin als NISQ-Ära und erwartet „breiten Quantenvorteil" frühestens ab 2030.

Zeithorizont bleibt unsicher

Google peilt 2029 an, IBM nennt 2026 für Quantum Advantage und 2029 für volle Fehlertoleranz. PsiQuantum nennt Ende 2027. Diese Zeitpläne beruhen auf Unternehmensangaben und unterliegen erheblicher Unsicherheit. Nvidia-CEO Jensen Huang erklärte Anfang 2025, „sehr nützliche" Quantencomputer seien „15 bis 30 Jahre entfernt" – relativierte diese Aussage später, löste aber damit einen Kursrutsch bei Quantum-Aktien aus.

Bewertungslücke

Die Diskrepanz zwischen Börsenbewertung und tatsächlichen Umsätzen ist bei Quantum-Pure-Plays extrem. IonQs Marktkapitalisierung von 22 Milliarden US-Dollar steht einem projizierten Jahresumsatz von maximal 100 Millionen US-Dollar gegenüber – ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von über 200.

Regulierung und Exportkontrollen

Quantentechnologie unterliegt zunehmend geopolitischen Beschränkungen. Die USA, EU und China investieren massiv in nationale Programme. Exportkontrollen für Quantenhardware-Komponenten verschärfen sich.

Kein garantierter Pfad zur Kommerzialisierung

Es existiert keine Garantie, dass einer der aktuellen Technologieansätze (supraleitend, Trapped Ion, photonisch, topologisch, Neutralatome, Spin) sich als universal überlegen erweisen wird. Der Markt befindet sich noch in einer Phase, in der mehrere Architekturen parallel weiterentwickelt werden.

Transparenz & Quellen

BCG, „CEOs Need to Shape Where Quantum Creates Value", 2026

MarketsandMarkets, „Quantum Computing Market Size", 2025

IBM Newsroom, „IBM Delivers New Quantum Processors", November 2025

The Quantum Insider, „Quantum Computing Roadmaps", Mai 2025

The Quantum Insider, „Public Quantum Stocks 2025", Oktober 2025

Forge Global, „PsiQuantum IPO", September 2025

Presenc AI, „Quantum Computing Milestones 2026"

Intel, „Quantum Computing and Systems"

Entangled Future, „Intel Quantum – Silicon Spin"

TradingKey, „Is Nvidia the Best Quantum Computing Stock in 2026?"

OQC, „Innovation Meets Infrastructure", September 2025

Quantum Machines, „Open Acceleration Stack", März 2026

CFA Institute, „Quantum Computing vs. AI", 2026

BCG, „Quantum Computing On Track to Create Up to $850 Billion", Juli 2024

Grand View Research via OSTI-Report, „Quantum Computing Market 2025–2030"

VivaTech, „How Quantum Computing Will Impact AI", 2025

SEC Filing – Real Asset Acquisition Corp. / IQM Business Combination Agreement, 23. Februar 2026

IQM Pressemitteilung, „First Listed European Quantum Company", 23. Februar 2026

BriefGlance, „IQM Quantum Computers Clears SEC Hurdle for $36M SPAC Merger", Juni 2026

The Quantum Insider, „IQM to Supply Finland With 300-Qubit Quantum Computer", Mai 2025

Entangled Future, „IQM Company Profile"

Data Center Dynamics, „IQM to go public via SPAC merger", Februar 2026

IQM Pressemitteilung, 8. Juni 2026: „IQM and Real Asset Acquisition Corp. Announce Effectiveness of Registration Statement" (SEC, Exhibit 99.1)

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