AKTIEN IM FOKUS: Medinzintechnik unter Druck - Drohgebärde US-Zolluntersuchung
(dpa-AFX) FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Drohszenario zusätzlicher US-Zölle hat am Donnerstag europaweit die Medizintechnikbranche belastet. Wie erst jetzt bekannt wurde, werden bereits seit Monatsanfang entsprechende Untersuchungen im Auftrag des US-Handelsministeriums durchgeführt. Diese könnten in eine Empfehlung an den US-Präsidenten münden, höhere Zölle für die Einfuhr bestimmter Güter aus dem Bereich zu verlangen. Für Veronika Dubajova von der Citigroup sind die Nachrichten ein zusätzlicher Bremsklotz für die ohnehin stark gesunkene Investorenstimmung in puncto Medizintechnik. Das Zollrisiko sorge für weitere Unsicherheit, schrieb sie in einer Studie.
FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Drohszenario zusätzlicher US-Zölle hat am Donnerstag europaweit die Medizintechnikbranche belastet. Wie erst jetzt bekannt wurde, werden bereits seit Monatsanfang entsprechende Untersuchungen im Auftrag des US-Handelsministeriums durchgeführt. Diese könnten in eine Empfehlung an den US-Präsidenten münden, höhere Zölle für die Einfuhr bestimmter Güter aus dem Bereich zu verlangen. Für Veronika Dubajova von der Citigroup sind die Nachrichten ein zusätzlicher Bremsklotz für die ohnehin stark gesunkene Investorenstimmung in puncto Medizintechnik. Das Zollrisiko sorge für weitere Unsicherheit, schrieb sie in einer Studie.
So fielen die Titel von Siemens Healthineers als schwächster Dax-Wert gegen Mittag um 4,6 Prozent - Dubajova nannte den Konzern in ihrer Analyse in einem Zug mit jenen Unternehmen, für die die Untersuchungen Bedeutung haben könnten. Im MDax gaben Carl Zeiss Meditec um rund 3 Prozent nach, Sartorius verloren 2,1 Prozent. Vergleichsweise glimpflich kamen der in den USA stark vertretene Dialyseanbieter Fresenius Medical Care mit 1,3 Prozent Abschlag und Qiagen mit minus 1,2 Prozent davon. Fresenius büßten 0,6 Prozent ein.
Zwar sei das Ergebnis der Untersuchungen bislang noch offen, doch könnte es womöglich sogar ausgerechnet solche Unternehmen treffen, die bislang noch durch bestimmte Sonderregelungen von Zöllen ausgenommen worden seien, schrieb die Citigroup-Expertin weiter. Dazu zählten unter anderem Anbieter von Medizintechnik für chronische Krankheiten.
Ähnlich sehen es die Experten von Jefferies: Ausgerechnet solche Konzerne, deren Kurse bislang gegenüber den Zöllen recht immun gewesen seien, könnten nun den Preis zahlen, schrieb das Team um Julien Dormois. Dazu zählen die Analysten beispielsweise auch Unternehmen wie die dänische Coloplast und den britischen Wundversorgungsspezialisten Convatec , deren Aktien zuletzt um vier beziehungsweise mehr als fünfeinhalb Prozent absackten.
Die von den USA durchgeführten Untersuchungen nach der sogenannten Section 232 basieren auf einem Gesetz aus den frühen 1960er-Jahren und spielen aktuell auch in der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump eine große Rolle. Auch für die Pharmaindustrie wurden entsprechende Untersuchungen eingeleitet. Dabei geht es darum herauszufinden, ob die nationale Sicherheit durch den Import bestimmter Güter in Gefahr ist. In diesem Fall kann das US-Handelsministerium höhere Zölle empfehlen, um die heimische Wirtschaft zu schützen.
In ihrem Zoll-Deal mit Europa hatte die Trump-Regierung Pauschalzölle von 15 Prozent auf EU-Einfuhren ausgehandelt, doch es gelten bislang viele Sonderregelungen und Ausnahmen etwa für bestimmte pharmazeutische Produkte. Zusätzlich hohe Zölle wiederum gelten etwa auf Aluminium- und Stahlimporte.
Laut Citigroup ist mit Blick auf die Medizintechnik bislang auch nicht klar, ob durch mögliche Zölle nach Section 232 die bisherigen Ausnahmeregelungen überschrieben werden. Die Analysten sehen aber besonders jene Unternehmen in Gefahr, die bisher nur über wenig eigene Produktionskapazitäten in den USA verfügen und daher verstärkt dorthin importieren. Dazu zählen sie etwa die schwedische Elekta , die beiden Hörgeräte-Anbieter GN (-3,65%) und Demant (-4,80%) , aber auch - in geringerem Umfang Siemens Healthineers. Fresenius und etwa der Schweizer Augenheilkundekonzern Alcon (-1,2%) seien im Vergleich nur wenig gefährdet./tav/edh/stk
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