MÄRKTE EUROPA/Börsen drehen vor US-Inflationsdaten ins Minus
(Dow Jones Newswires)
DOW JONES--Die europäischen Börsen geben bis zum Mittwochmittag anfängliche Gewinne ab und rutschen in negatives Terrain. Mit der näher rückenden Veröffentlichung von US-Inflationsdaten am frühen Nachmittag steigt die Nervosität der Anleger. Zwar wird mittlerweile für das laufende Jahr angesichts der beharrlich hohen Inflation von der US-Notenbank praktisch keine Zinssenkung mehr erwartet, sollte die Inflation aber höher ausfallen als erwartet, dürfte das Spekulationen über eine Zinserhöhung befeuern. Für den Septembertermin wird inzwischen eine Zinserhöhung mit einer Wahrscheinlichkeit von gut 35 Prozent eingepreist. Das dürfte dann den aus Bewertungsgründen als besonders zinsempfindlich geltenden Technologieaktien zusetzen. Von der EZB wird am Donnerstag allgemein eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte erwartet.
Von der jüngsten Eskalation im Nahost-Konflikt zwischen den USA und dem Iran hatten sich die europäischen Aktienmärkte kaum beeindruckt gezeigt. Die USA hatten in der Nacht mit Militärschlägen auf den Abschuss eines Helikopters durch den Iran reagiert, worauf wiederum der Iran einen Drohnenangriff auf die fünfte US-Flotte in Bahrain unternahm. Marktteilnehmer sprechen von einer Art Gewöhnungsreaktion und tun die Entwicklung als neuerliches "Gewalt-Intermezzo" ab. US-Präsident Donald Trump habe zuvor erklärt, die USA müssten auf den Angriff reagieren, obwohl sowohl Washington als auch Teheran weiterhin signalisierten, dass die Verhandlungen zu einem Friedensabkommen andauerten, heißt es.
Entsprechend reagieren die Ölpreise darauf auch relativ verhalten. Brent-Öl zeigt sich nach dem deutlicheren Rückgang am Dienstag 1,2 Prozent höher bei 92,55 Dollar. Der Preisrückgang vom Vortag dämpft Inflationssorgen, weshalb am Rentenmarkt die Renditen mehr oder weniger auf der Stelle treten.
Der DAX gibt um 1,1 Prozent nach auf 24.178 Punkte, der Euro-Stoxx-50 kommt um 0,8 Prozent zurück. Mit an der Spitze der Verlierer stehen die Technologiewerte, deren Subindex 0,7 Prozent verliert. Der Sektor gilt aus Bewertungsgründen als besonders zinsempfindlich und reagiert entsprechend stärker auf die Entwicklung der Marktzinsen. Marktteilnehmer weisen zur Schwäche im Technologiesektor aber auch auf den starken Liquiditätsentzug hin durch den 80 Milliarden schweren Börsengang von SpaceX am Freitag und die Kapitalerhöhung bei Alphabet - ebenfalls im Umfang von rund 80 Milliarden Dollar. Und nicht zuletzt sind wieder stärker Zweifel an der Nachhaltigkeit des KI-Booms aufgekommen. Überdurchschnittlich hohe Verluste im Sektor verzeichnen Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodell durch KI-Anwendungen als gefährdet angesehen wird. Unter anderem verbilligen sich SAP um 4,9, Nemetschek um 3,2, Temenos um 2,6 und Sage um 2,3 Prozent.
Auch die Marktexperten von Etoro sehen als größtes Risiko der KI-Story die Frage, ob der wirtschaftliche Nutzen die enormen Kosten rechtfertigen könne. Verschwunden sei die Euphorie deshalb nicht. KI entwickle sich aber zunehmend von einer einmaligen Investition zu einer laufenden Betriebsausgabe. Margendruck durch laufende Kosten werde damit zu einem immer wichtigeren Thema.
Am übrigen Markt zeigen sich Krones 2,8 Prozent schwächer, nachdem der Hersteller von Getränkeabfüllmaschinen die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 sowie die bis 2028 angestrebten Mittelfristziele bestätigt hat.
Commerzbank liegen nach anfänglichen Gewinnen 1,7 Prozent schwächer im Markt. Die übernahmewillige Unicredit hat ihre Beteiligung an der Commerzbank inzwischen auf 37,7 Prozent erhöht und Vorwürfe der Commerzbank zurückgewiesen, mit falschen Zahlen zu operieren. Die direkte Beteiligung belaufe sich auf rund 40,9 Prozent, wenn man Instrumente mit einer Option auf physische Abwicklung einrechne, so die Italiener am Dienstagabend in einer Mitteilung. Sie wollen von nun an täglich mitteilen, wie viele Aktien angedient worden sind.
Heidelberger Druckmaschinen will die im abgelaufenen Geschäftsjahr verfehlte Margenverbesserung nun im neuen Jahr schaffen und peilt bei einem stabilen Konzernumsatz eine "spürbare Verbesserung" der bereinigten Marge zum Vorjahr an. Der Kurs legt um 5,6 Prozent zu.
Die am Vortag schon festeren Adidas kommen um weitere 1 Prozent voran, nachdem die Analysten von RBC die Aktie auf "Outperform" erhöht haben. Zugleich entzogen sie der Aktie des Konkurrenten Nike die "Overweight"-Empfehlung.
Beiersdorf geben um 1,2 Prozent nach, nachdem Barclays die Aktie auf "Equalweight" gesenkt hat. Unilever ziehen in London dagegen um 0,8 Prozent an. Hier hat Barclays die Kaufempfehlung bestätigt und das Kursziel leicht angehoben.
=== INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD Euro-Stoxx-50 5.999,49 -0,8 -50,25 6.049,74 3,6 Stoxx-50 5.120,67 -0,7 -35,46 5.156,13 4,1 DAX 24.177,64 -1,1 -255,42 24.433,06 -1,2 MDAX 31.197,86 -1,4 -444,68 27.039,42 2,0 TecDAX 3.955,82 -1,2 -49,85 3.091,28 9,2 SDAX 17.834,41 -1,1 -190,48 13.062,07 3,8 FTSE 10.162,14 -0,6 -65,19 10.227,33 2,4 CAC 8.146,98 -0,7 -56,45 8.203,43 0,0 SMI 13.335,39 -0,2 -20,92 13.356,31 0,5 ATX 5.935,89 -1,2 -72,76 6.008,65 11,4 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Di, 17:20 EUR/USD 1,1546 +0,0 0,0003 1,1543 1,1560 EUR/JPY 185,3 +0,1 0,2100 185,09 185,2300 EUR/CHF 0,9218 +0,0 0,0004 0,9214 0,9208 EUR/GBP 0,8624 0,0 0,0000 0,8624 0,8629 USD/JPY 160,48 +0,1 0,1200 160,36 160,2300 GBP/USD 1,3387 +0,1 0,0011 1,3376 1,3393 USD/CNY 6,7789 +0,1 0,0067 6,7722 6,7709 USD/CNH 6,7824 +0,1 0,0048 6,7776 6,7735 AUS/USD 0,7007 -0,3 -0,0021 0,7028 0,7041 Bitcoin/USD 61.097,53 -1,6 -1.021,49 62.119,02 61.548,52 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 89,38 +1,3 1,18 88,2 Brent/ICE 92,55 +1,2 1,10 91,45 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.162,59 -2,3 -99,93 4.262,52 Silber 64,23 -1,7 -1,13 65,36 Platin 1.673,28 -3,1 -53,27 1.726,55 (Angaben ohne Gewähr) ===
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
DJG/cln/flf
(END) Dow Jones Newswires
June 10, 2026 07:46 ET (11:46 GMT)
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