02.11.2020 15:30 UHR
Trump vs. Biden: Wie die US-Wahl 2020 die Börse bewegt
Die Präsidentschaftswahl in den USA wird auch am Aktienmarkt mit Spannung erwartet. Welche Branchen von den jeweiligen Kandidaten profitieren könnten und ob der Wahlsieg etwas über die Rendite in den nächsten Jahren aussagt, erfahren Sie in unserem Spezial-Einblick.
Das sollten Sie als Anleger im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen wissen:
► US-Präsidentschaftszyklus – ein sicherer Gewinnindikator?
► Trump oder Biden: Welche Branchen profitieren von welchem Kandidaten?
► Der S&P 500 als zuverlässige Wahlprognose?
► Unter welcher Partei klettern die Indizes stärker?
US-Präsidentschaftszyklus – ein verlässlicher Gewinnindikator?
Neben der weithin bekannten Börsenweisheit „Sell in May and go away“ dürfte der US-Präsidentschaftszyklus weitaus weniger Anlegern ein Begriff sein – und das, obwohl der Dow Jones diesem Muster seit über 100 Jahren stetig zu folgen scheint.
Analog zu den alle vier Jahre stattfindenden Präsidentschaftswahlen in den USA wird der Präsidentschaftszyklus in vier Phasen aufgeteilt: Das Wahljahr, das Nachwahljahr, das Zwischenwahljahr und schließlich das Vorwahljahr. Historisch betrachtet ist die Gewinn-Wahrscheinlichkeit in Vorwahljahren und Wahljahren am höchsten – eine Garantie gibt es freilich nie (Quelle: boerse.de).

Trump oder Biden: Welche Branchen profitieren von welchem Kandidaten?
Schon ein Blick auf den „Weltaktienindex“ MSCI All Country World, in dem US-Aktien mit rund 54% gewichtet sind, zeigt: Unternehmen aus den USA haben einen großen Einfluss auf die Märkte. Für manche Anleger und Investoren ist das der Anlass, ihr Portfolio auf einen möglichen Wahlsieger auszurichten.
In diesem Zusammenhang untersuchten die Analysten von Union Investment und der UBS, wie sich der Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen auf unterschiedliche Branchen auswirken könnte.

Wenn Donald Trump die Wahl gewinnt...
... könnten sie zu den Gewinnern gehören:
- Rüstung: Könnte durch Trump mehr Unterstützung erfahren als durch einen demokratischen Präsidenten
- Energie: Womöglich positiveres Umfeld für „klassische“ Energiewerte wie Öl
- Banken: Finanzunternehmen könnten von weiterer Deregulierung profitieren
- Big Tech: Auch sie hätten unter Trump wohl weniger Regulierung zu fürchten
... könnten sie zu den Verlierern gehören:
- Erneuerbare Energien: Dürften unter Trump kaum Förderungen erhalten
- Exportwerte: Unsicherheiten angesichts der Handelsstreitigkeiten könnten zunehmen
- Pharma: Reformen zum Thema Referenzpreise für Medikamente könnten diskutiert werden
Wenn Joe Biden die Wahl gewinnt...
... könnten sie zu den Gewinnern gehören:
- Erneuerbare Energien: Nachhaltige Versorger sowie Unternehmen mit hohem ESG-Anteil könnten profitieren
- Smart Mobility: Dank Investitionen in den Klimaschutz womöglich positiveres Umfeld, auch für Halbleiterbranche
- Large Caps Export: Außenpolitische Entspannung könnte für höhere Planungssicherheit sorgen
... könnten sie zu den Verlierern gehören:
Der S&P 500 als zuverlässige Wahlprognose?
Zufall oder Zusammenhang? Wie das US-Researchunternehmen LPL Financial herausfand, sagt der S&P 500 mit einer Wahrscheinlichkeit von 86% vorher, ob die Partei des amtierenden US-Präsidenten die Wiederwahl schafft.
Bei der Betrachtung der 22 Präsidentschaftswahlen seit 1928 zeigt sich nämlich:
- In 14 Fällen konnte der S&P 500 in den drei Monaten vor der Wahl zulegen. In zwölf dieser 14 Fälle gewann später die amtierende Partei die Wahl.
- In acht Fällen musste der S&P 500 in den drei Monaten vor der Wahl Verluste hinnehmen. In sieben dieser acht Fälle verlor die amtierende Partei schließlich die Wahl.
- Demzufolge konnte der S&P 500 mit seiner Performance in den drei Monaten vor der Wahl in 19 von 22 Fällen „vorhersagen“, wie die Präsidentschaftswahl ausgeht – eine erstaunliche Quote von 86%.
In den letzten drei Monaten (Stand 26.10.2020) stieg der S&P 500 um 7% – ein gutes Omen für Donald Trump? Übrigens: Während seiner Präsidentschaft stieg der S&P 500 durchschnittlich sogar um 13% pro Jahr.

Welche Partei die bessere Performance aufweist
Während der S&P 500 unter demokratischen Präsidenten im Mittel ein Plus von 9,1% aufweist, beträgt das durchschnittliche Plus bei republikanischen Präsidenten lediglich 1,8%. Doch den Analysten der Helaba zufolge lässt sich diese große Differenz nicht nur auf die politischen Machtverhältnisse und Entscheidungen zurückführen. Vielmehr müssen dabei auch weitere Faktoren beachtet werden:
- Unter die Amtszeit republikanischer Präsidenten fielen beispielsweise die Große Depression der 1930er Jahre, das Platzen der New-Economy-Blase sowie die Anschläge auf das World Trade Center.
- Unter die Amtszeit demokratischer Präsidenten fielen hingegen das dynamische Wachstum der Nachkriegsjahre, der Fall des Eisernen Vorhangs sowie die zunehmend lockere Geldpolitik der US-Notenbank.

Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise und Angaben zu möglichen Interessenskonflikten.
