Genussscheine

Genussscheine – eine interessante Mischung aus Aktie und Anleihe

Genussscheine sind an einer Börse handelbare Wertpapiere, meist Inhaberpapiere, die auf Grund ihrer Konstruktion eine Zwischenstellung zwischen Aktien und Anleihen einnehmen. Sie verbriefen ein Genussrecht in Form einer jährlichen Ausschüttung aus dem Bilanzgewinn des Emittenten.

Da es sich bei Genussrechten um Gläubigerrechte handelt, hat der Inhaber am Ende der Laufzeit einen Anspruch auf Rückzahlung des Kapitals zum Nennwert. Im Gegensatz zu einem Aktionär besitzt der Genussscheininhaber kein Stimmrecht und ebenso kein Mitwirkungsrecht in Form einer Teilnahme an Hauptversammlungen oder Gesellschafterversammlungen.

Genussscheine können unterschiedliche Ausstattungsmerkmale aufweisen und von Unternehmen jeder Rechtsform ausgegeben werden. Als Entgelt für die Teilnahme am Unternehmensrisiko bieten Genusscheine dem Anleger hohe Renditen.

Für das emittierende Unternehmen besteht bei der Ausgestaltung von Genussscheinen große Flexibilität, da dieses Anlageinstrument kaum durch gesetzliche Vorschriften eingeengt wird. Die Ausstattungsmerkmale von Genussscheinemissionen sind in den jeweiligen Genussscheinbedingungen zu finden.

Genussscheine Typen und Ausstattung

Die nationalen Kreditinstitute dominieren den hiesigen Genussscheinmarkt. Das anteilig größte Emissionsvolumen von Genussscheinen entfällt traditionell auf deutsche Banken und Sparkassen. Die restlichen Emissionen stammen von Versicherungen sowie von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen.

Grundsätzlich lassen sich folgende Genussschein-Typen unterscheiden:

Genussscheine nach Laufzeit:

  • Genussscheine mit fester Laufzeit
  • Genussscheine mit unbegrenzter Laufzeit

Genussscheine nach Ausschüttung:

  • Genussscheine mit fester Ausschüttung
  • Genussscheine mit erfolgsabhängiger Gewinnbeteiligung mit oder ohne Mindestverzinsung
  • Genussscheine mit variabler Verzinsung, sogenannte Floater
  • seltenen Fällen sind Genussscheine mit Options- oder Wandlungsrecht ausgestattet.

Ausschüttung und Rendite bei Genussscheinen

Die Ausschüttung auf einen Genussschein bezieht sich auf das Geschäftsjahr des emittierenden Unternehmens. Sie erfolgt aber zeitlich nicht unmittelbar nach Ablauf des Geschäftsjahres, sondern nach der Hauptversammlung oder der Verwaltungsratssitzung, die den Gewinn oder die Dividende feststellt. Im Unterschied zur Anleihe ist die Ausschüttung des Genussscheins in der Regel an die Gewinnsituation des Emittenten gebunden. Eine Ausschüttung erfolgt immer dann, wenn der Emittent einen ausreichenden Jahresüberschuss oder Bilanzgewinn erwirtschaftet. Bei einem Verlust kann die Ausschüttung somit ausfallen.

Genussscheine werden flat gehandelt; d.h. es erfolgt keine Stückzinsberechnung wie bei Anleihen. Vielmehr sind die Ausschüttungsansprüche zeitanteilig in der Notierung des Genussscheins enthalten. Am Tag der Ausschüttung erfolgt ein rechnerischer Kursabschlag in Höhe der Ausschüttung.

Die Renditeberechnung und die Bewertung wird durch die unterschiedlichen Ausstattungen der Genussscheine stark erschwert. Eine genauere Kalkulation ist nur bei Papieren mit Ausschüttungskontinuität und fester Laufzeit möglich. In diesem Fall ist die Berechnung mit der bei Anleihen vergleichbar.

Genussscheine: Rückzahlung und Kündigungsrecht

Die Rückzahlung eines Genussscheins erfolgt zum Nennwert. Das emittierende Unternehmen zahlt das Kapital erst im Anschluss an die nächstfolgende Hauptversammlung oder Verwaltungsratssitzung zurück. Der Zeitraum vom Laufzeitende bis zur Fälligkeit des Genussscheins wird zeitanteilig verzinst.

Genussscheine werden häufig mit Kündigungsrechten ausgegeben. In fast allen Genussscheinbedingungen ist ein Kündigungsrecht des Schuldners bei Veränderung der steuerlichen Rahmenbedingungen vorhanden.

Handel von Genussscheinen an der Börse Stuttgart

An der Börse Stuttgart steht den Anlegern das größte Angebot an Genussscheinen in Deutschland zur Verfügung.

Die börsliche Handelszeit ist einheitlich von 08.00 Uhr bis 22:00 Uhr. Alle Genussscheine werden ab der kleinsten handelbaren Einheit variabel gehandelt.

Chancen und Risiken von Genussscheinen

Genussscheine können eine attraktive Ergänzung zu den gängigen Anlageinstrumenten darstellen. Dies vor allem wegen der im Vergleich zu Anlagen am Rentenmarkt meist höheren Renditen.

Genussscheine Chancen:

Ausschüttungsgewinne
Genussscheine berechtigen den Inhaber nach den beschriebenen Genussscheinbedingungen zum Bezug der regelmäßigen Ausschüttung. (Siehe Kapitel Ausschüttung und Rendite)

Kursgewinne
Der Anleger hat neben den Ausschüttungsgewinnen die Möglichkeit, durch Kursgewinne die Rendite seiner Genussscheine zu steigern. Kauft er während der Laufzeit zu einem Kurs unter 100% und wartet er bis zur Fälligkeit, bei der eine Rückzahlung zu 100% vollzogen wird, so kann er die Kursdifferenz als Gewinn verbuchen. Ebenfalls Kursgewinne realisiert der Genussscheinanleger, wenn er während der Laufzeit zu einem höheren Kurs als dem Kaufkurs verkauft. Hierbei garantiert die Börsenhandelbarkeit von Genussscheinen die Qualität und Transparenz des Handels sowie eine faire und marktgerechte Preisermittlung.

Genussscheine Risiken:

Bonitäts- und Marktrisiko
Die Bonität des Emittenten ist ein wesentliches Kriterium bei der Anlage in Genussscheine. Verschlechtert sie sich, sind Kurseinbußen nahezu zwangsläufig die Folge. Investoren, die ihre Anlage nicht auf Endfälligkeit ausgerichtet haben, sind zinsänderungsbedingten Kursrisiken ausgesetzt. Die Sensitivität gegenüber Zinsänderungen ist von der Laufzeit des Genussscheins abhängig. Je länger die Laufzeit, desto höher ist das Risiko für den Anleger bei Zinsänderungen.

Ausschüttungsrisiko
Die Ausschüttung von Genussscheinen ist an die Gewinnsituation des Emittenten gebunden. Bei einem Verlust fällt somit die Ausschüttung aus. Erreicht der Emittent später wieder die Gewinnzone, weisen viele, jedoch nicht alle Emissionen einen Nachzahlungsanspruch aus. Dieser Anspruch besteht üblicherweise nur während der Laufzeit der Genussscheine.

Rückzahlungs- und Haftungsrisiko
Verluste beim Emittenten können bei entsprechender Gestaltung des Genussscheins auch zu einer Aussetzung oder Reduzierung der Rückzahlung führen. Der Eigenkapitalcharakter kommt auch in der Nachrangigkeit der Titel zum Ausdruck. Das heißt, der Kapitaleinsatz wird erst dann zurückgezahlt, wenn alle anderen Gläubigeransprüche befriedigt wurden. Dann noch übrige Mittel erhalten auch die Genussscheininhaber, und zwar vorrangig vor den Aktionären.

Liquiditätsrisiko
Das Emissionsvolumen bei Genussscheinemissionen ist deutlich geringer als bei Anleihen. Oft werden Engagements auch auf Endfälligkeit ausgerichtet, so dass nur ein Teil des Emissionsvolumens dem Börsenhandel zur Verfügung steht, mit den entsprechenden Folgen für die Marktliquidität.